Schweizer Sturmgewehr: Hersteller kämpft ums Überleben

SAN Swiss Arms, die als SIG-Nachfolgefirma etwa das Sturmgewehr 90 der Schweizer Armee produziert, steckt in Schwierigkeiten: Nebst einem Stellenabbau in Neuhausen gibt es Bestechungsvorwürfe in Indien. Und bei der deutschen Schwesterfirma fand letzte Woche eine Razzia statt.

Sturmgewehr 90 in der Hand eines Armee-Angehörigen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die persönliche Waffe der Schweizer Soldaten: das Sturmgewehr 90. Keystone

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SAN Swiss Arms

SAN Swiss Arms

Die SAN Swiss Arms übernahm im Jahr 2000 die Waffensparte der SIG in Neuhausen am Rheinfall. Zu jenem Zeitpunkt war der letzte Grossauftrag bereits abgewickelt: Die Herstellung von rund 450‘000 Sturmgewehren für die Schweizer Armee. Beliebt ist die Waffe auch bei Schweizer Sportschützen. Für sie wurden seitdem noch rund 35‘000 Stück produziert.

Die Geschäftsleitung der Firma SAN Swiss Arms aus Neuhausen im Kanton Schaffhausen bestätigt gegenüber dem Wirtschaftsmagazin «ECO»: Etwa jeder zweite der 33 Mitarbeitenden erhielt Ende letzter Woche die Kündigung. Die exakte Zahl der Entlassungen sowie ihre Pläne für die Zukunft will die Firmenleitung nicht bekannt geben.

Sie nennt aber die Gründe für den massiven Einschnitt: Die Kosten für die Waffenproduktion seien in der Schweiz im internationalen Vergleich hoch. Parallel dazu sei die Nachfrage nach Sturmgewehren und Pistolen eingebrochen.

SAN Swiss Arms belieferte diverse nationale und internationale Polizeikorps. Hier hat die Firma aber gegenüber der Konkurrenz an Boden verloren. Sie kämpft wie andere Schweizer Waffenhersteller gegen eine sinkende Nachfrage. Für die Schweizer Armee produzierte SAN Swiss Arms (resp. die Vorgängerfirma SIG, siehe Box) das Sturmgewehr 90. Der Produktionsauftrag über rund 450‘000 Gewehre ist aber längst abgewickelt.

Service-Dienste für Armee

Sollte SAN Swiss Arms ihre Dienste einst nicht mehr anbieten können, würde das Schiesswesen mit dem Sturmgewehr 90 zusammenbrechen – das zumindest ist die Überzeugung von Daniel Wyss, Präsident des Schweizerischen Büchsenmacher- und Waffenfachhändlerverbands: «Rund 80 Prozent aller Service- und Reparaturarbeiten am Sturmgewehr 90 kann ich selber ausführen, wenn ich auf die Ersatzteile zugreifen kann. Aber diese kann mir nur SAN Swiss Arms liefern.»

Daniel Wyss über die Bedeutung von SAN Swiss Arms

2:00 min, vom 3.2.2014

Die Schweizer Armee hingegen, die derzeit noch auf die Service-Dienste von SAN Swiss Arms setzt, sieht keine Gefahr für die sich, wie sie auf Anfrage erklärt. Es würden diverse andere Hersteller existieren, die in die Presche springen könnten, falls SAN Swiss Arms eines Tages verschwinden sollte.

Teil einer verschwiegenen Holding

Die Schweizer SAN Swiss Arms gehört, zusammen mit der Firma SIG Sauer in Deutschland und den USA zur L&O Holding der beiden deutschen Unternehmer Michael Lüke und Thomas Ortmeier. Die Besitzer treten fast nie in der Öffentlichkeit auf, ihre Firmen sorgen hingegen immer wieder für Schlagzeilen.

Bei der deutschen Tochter in Eckernförde an der Ostsee fand letzte Woche eine Razzia statt. Hintergrund ist eine Lieferung von 70 Pistolen nach Kasachstan. Dem Unternehmen SIG Sauer wurde die Bewilligung für dieses Geschäft verweigert. Über eine Niederlassung in den USA soll der Deal trotzdem abgewickelt worden sein. Die Staatsanwaltschaft Kiel bestätigt gegenüber «ECO»: Es bestehe der Verdacht des Verstosses gegen das Aussenwirtschafts- und Waffengesetz.

Bestechungsvorwürfe in Indien

In Indien steht SAN Swiss Arms im Fokus. Mehrere Medien berichteten über Bestechungsvorwürfe. Gemäss diesen habe die Firma, wie andere Waffenhersteller auch, Gelder an indische Verantwortliche bezahlt, um Waffen verkaufen zu können. Eine Stellungnahme dazu gibt es weder von SIG Sauer noch von SAN Swiss Arms.

Der Schweizer Waffenhersteller erklärt, das Unternehmen müsse sich nun restrukturieren und versuchen, neue Aufträge zu gewinnen. Die bestehenden Service-Verträge mit der Schweizer Armee über Instandhaltungs- und Servicearbeiten wolle SAN Swiss Arms zudem weiterhin erfüllen, ebenso die Dienste für die Schweizer Büchsenmacher.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Rüstungsfirma kämpft ums Überleben

    Aus ECO vom 3.2.2014

    Die Waffenproduktion war früher ein lohnendes Geschäft in der Schweiz. Doch diese Tage gehören der Vergangenheit an: Verschiedene Waffenhersteller kämpfen ums Überleben, haben den Betrieb eingestellt oder sind von ausländischen Produzenten übernommen worden. «ECO» zeigt, dass sich ein weiterer Rüstungsbetrieb ernsthaften Problemen gegenübersieht.