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Wirtschaft «Schweizer Verlage machen komische Geschäfte»

Schweizer Verlage engagieren sich seit Jahren im ungarischen Zeitungsmarkt. In Ungarn lösen die Geschäfte der Schweizer Verleger, die nicht gänzlich frei von politischen Auswirkungen sind, teils Verwunderung aus, teils Kritik.

«Playboy», «Eva» oder «InStyle» heissen die Titel Jürg Marquards in Ungarn. Sieben Herren-, Damen- und Jugendzeitschriften gibt der Schweizer Verleger dort heraus. Und jetzt kommt neu «Nepszava» dazu, eine kleine, linksliberale Zeitung. «Das passt nicht besonders gut zusammen», sagt Karoly Vörös, ehemaliger Chefredaktor der ungarischen Zeitung «Nepszabadsag».

Mann mit Zeitung in der Hand.
Legende: Verleger Jürg Marquard präsentiert 1993 die ungarische Zeitung «Magyar Hirlap», die später an Ringier ging. Keystone Archiv

Betreibt Marquard Politik in Ungarn?

Nicht nur darum wundert er sich über Marquards Einstieg bei «Nepszava». Auch aus wirtschaftlicher Sicht gebe es keine Gründe dafür. «Nepszava» sei eine gute alte Zeitung, deren Mitarbeiter nicht immer einen Lohn erhielten, wenn es mal an Geld fehle. Gewinne seien nicht zu erwarten. «Es ist kein Geschäft, sondern eine politische Tat, wenn jemand diese Zeitung kauft», so Vörös' Fazit.

Fragt sich, welcher Art diese politische Tat ist. Nach der Einstellung der «Nepszabadsag» vor gut einer Woche sei «Nepszava» die letzte linksliberale Zeitung, sagt Vörös. Für Ungarn wäre ihr Überleben darum wichtig.

Doch wer in Ungarn eine oppositionelle Zeitung herausgibt, fällt bei der Regierung in Ungnade. Dass der Verleger Marquard, Honorargeneralkonsul von Ungarn in der Schweiz, dies riskiert, scheint unwahrscheinlich. Die Marquard-Gruppe in Baar verweigerte zum «Nepszava»-Geschäft auf Anfrage jeden Kommentar.

Nicht das erste «komische Geschäft»

«Schweizer Verlagshäuser machen immer komische Geschäfte», kommentiert Vörös. Er denkt dabei vor allem an das Schweizer Verlagshaus Ringier, das schon in den 1990er Jahren mit «Magyar Hirlap» eine angesehene Zeitung gekauft hatte. «Ringier hat diese sehr gute Tageszeitung kaputt gemacht», so Vörös.

Ringier habe das Blatt in die Pleite geritten und dann an einen politisch rechts aussen stehenden Oligarchen verkauft. Aus einer liberalen Stimme wurde ein nationalistisches Hetzblatt. Ein Jahr später kaufte Ringier mit «Nepszabadsag» dann die wichtigste Zeitung Ungarns. Vörös war damals deren Chefredaktor. Er erinnert sich an den ersten Besuch von Verleger Michael Ringier.

«Er sagte, er wolle aus ‹Nepszabadsag› eine Art ‹Le Monde› von Mitteleuropa machen.» Ein international beachtetes Qualitätsblatt also. Doch es habe sich schnell gezeigt, dass die neuen Besitzer von der Produktion einer seriösen Zeitung keine Ahnung gehabt hätten. Man könne keine seriöse Zeitung machen, die so billig sei wie der «Blikk».

Schwerwiegende Vorwürfe gegen Ringier

Vor allem aber habe Ringier die totale publizistische Kontrolle über «Nepszabadsag» angestrebt. Doch die Redaktion genoss damals starke Rechte, die ihre Unabhängigkeit sicherten. Sie konnte sogar den Chefredaktor bestimmen. Diese Rechte, hiess es im Redaktionsstatut, würden hinfällig, wenn das Blatt drei Jahre lang hintereinander Verluste schreiben würde. Und ab 2008 schrieb die Zeitung drei Jahre hintereinander Verluste. Ringier habe das gewollt, sagt der damalige Chefredaktor. «Ich könnte Ihnen das beweisen», so Vörös.

Bei Ringier weist man diesen Vorwurf zurück. «Es ist Blödsinn, dass wir die Zeitung absichtlich in die roten Zahlen getrieben haben», sagt Alexander Theobald, damals Verwaltungsratsmitglied für Ringier bei «Nepszabadsag».

Ringier habe Fehler gemacht, die Geld gekostet hätten. Doch das Hauptproblem auch «Nepszabadsags» sei der mediale Strukturwandel gewesen. Qualitätszeitungen verlören Auflage und Leser – und auch immer mehr Werbung. Schliesslich habe man sich von «Nepszabadsag» getrennt, weil die ungarische Wettbewerbsbehörde sonst die Fusion von Ringier mit Axel Springer nicht erlaubt hätte, sagt Theobald.

Und so platzte der Ringiertraum von einer Qualitätszeitung in Ungarn zum zweiten Mal. Die wichtigste oppositionelle Zeitung ging an einen Besitzer, der sie jetzt – zwei Jahre später – einstellte; aus politischen Gründen, darf man aufgrund von Indizien vermuten.

«‹Blikk› ist die beste Zeitung Ungarns»

Die wichtigste überlebende Zeitung in Ungarn gehört damit wieder Ringier, sagt Karoly Vörös. «Ich sage meinen Freunden immer wieder, sie müssten den «Blikk» lesen, wenn sie etwas über Ungarn erfahren wollen.» Der ungarische «Blikk» bringe auf den Seiten zwei und drei täglich harte, wichtige Politgeschichten und kritisiere alle politischen Lager. «Blikk ist eine gute Zeitung», so Vörös. Nur eben: «Blikk» ist eine Boulevardzeitung, kein Qualitätsblatt und schon gar nicht eins von internationaler Bedeutung.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Claire McQueen (freedom)
    @Planta: Sie scheinen ein Experte der Ungarischen Medienlandschaft zu sein.
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  • Kommentar von Albert Planta (Plal)
    Bezeichnend ist, dass der Blikk die beste Zeitung Ungarns ist, weil er alle politische Richtungen kritisiert. Dies sollten doch die "seriösen" Blätter machen und nicht einer Boulevardzeitung überlassen.
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  • Kommentar von Martin Meier (M.Meier)
    Sehr einseitiger Bericht von Hr. Bruderer! Nepszava war das Sprachrohr der diktatorischen Kommunistenpartei, was Hr. Bruderer genauso wie Hr. Vörös zu vergessen scheinen. Vörös war in der Zeit des mittlerweile ohne jeglicher Kredibilität geschassten Ministerpräsidenten Gyurcsany ein Verfechter seiner Politik. Hr. Vörös ist bei weitem nicht das neutrale Unschuldslamm als welches er hier präsentiert wird.
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