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Wirtschaft Schwere Lohndumping-Vorwürfe gegen Crossrail

Das Schienentransportunternehmen Crossrail will offenbar Dutzende von italienischen Lokführern zu unhaltbar tiefen Löhnen für die Schweiz anstellen. Die Gewerkschaft SEV spricht offen von einem «Skandal» und zeigt der Nummer drei der Branche mit Sitz in Muttenz schon jetzt die rote Karte.

Legende: Video Crossrail will Grenzgänger anheuern abspielen. Laufzeit 01:48 Minuten.
Aus Tagesschau vom 01.04.2014.

Lokomotivführer ist für viele ein Traumberuf. Aber der Lohndruck im liberalisierten Bahngütermarkt wächst. In Brig will die im kombinierten Güterverkehr tätige Crossrail jetzt 70 Lokführer aus Italien anstellen. Sie sollen die grossen Güterzüge auf der Nord-Süd-Achse fahren. Mit 3350 Franken pro Monat liegt der geplante Lohn ungefähr einen Drittel unter den Einstiegslöhnen der Konkurrenten SBB Cargo und BLS.

SEV verurteilt Lohndrückerei

«Das ist ein Skandal und nichts anderes als Lohndrückerei», sagt der Präsident der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV, Giorgio Tuti, gegenüber SRF. Die Firma wolle ganz klar italienische Lokführer in der Schweiz zu Hungerlöhnen anstellen. Nicht gegen den Wettbewerb im Bahngütermarkt, doch dürfe dieser nicht auf dem Buckel der Angestellten ausgetragen werden.

Gewerkschaftspräsident Tuti macht deutlich, was er von solchen Dumping-Löhnen hält: «Sollte es soweit kommen, werden wir das Bundesamt für Verkehr (BAV) auffordern, die Netzzugangsbewilligung zu entziehen.»

Gesetz verlangt branchenübliche Löhne

Branchenübliche Löhne sind gemäss Eisenbahngesetz eine Voraussetzung, um den Zugang zum Eisenbahnnetz zu bekommen. Dies gilt nicht nur für den Personen- sondern auch für den Gütertransport, wie BAV-Sprecher Andreas Windlinger bestätigt. Allerdings sei noch nicht amtlich festgelegt, was bei den Lokführern als «branchenüblich» gelte.

Wirft man aber einen Blick auf die Löhne bei der Konkurrenz, ist klar, dass die Einstiegslöhne der Crossrail-Lokomotivführer in Brig deutlich zu tief liegen. Die Firma Crossrail wollte sich bisher nicht zum Arbeitsstreit äussern.

brut

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Paul D. Iten, Luzern
    Die angebotenen Löhne der CrossRail sind eine bodenlose Frechheit und eine Demütigung des Berufsstandes der Lokomotivführer. Diese entsprechen auch in keiner Weise der grossen Verantwortung, welche jeder Lokomotivführer Tag und Nacht auf sich nimmt. Das ganze Debakel ist nichts anderes als die Frucht des Neoliberalismus mit der Teilprivatisierung des Schienenverkehrs, inkl. der Trennung von Fahrzeugen und Schienennetz.
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    1. Antwort von M. Schürmann, Zentralschweiz
      Bei Crossrail regiert die neoliberale Profitlogik, der sich Menschen und Material unterzuordnen haben in Form von tiefen Lohnkosten (Dumpinglöhnen) und tiefen Unterhaltskosten (Loks werden nur selten gewaschen und sind darum verschmutzt, bei den Sicherheitssystemen wird gespart, darum dürfen die Loks den Lötschberg-Basistunnel nicht benützen, nur die alte Bergstrecke). Hoffentlich gelingt es den Gewerkschaften, die Crossrail in die Schranken zu weisen, notfalls mit einem Streik der Lokführer!
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    2. Antwort von A. Bitzi, Luzern
      Die Crossrail TRAXX-Lokomotiven verkehren nicht durch den LBT, da diese nicht über das Sicherheitssystem ETCS verfügen. Diese Lokomotiven gehören übrigens auch nicht der Crossrail selber, sondern sind nur angemietet. In Sachen Unterhalt ist Crossrail also nur bedingt zuständig.
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  • Kommentar von Thomas Dreyer, Merligen
    Warm wird nicht auch erwähnt, dass bereits italienische Lokführer für die SBB von Domodossola nach Brig fahren??? Kommt noch dazu, dass diese kein Wort deutsch sprechen!!!
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    1. Antwort von Meier Stefan, Breitenbach
      Und wir dummen Lokführer müssen immer mehr Prüfungen ablegen. Deutsch, Französisch, alles zum selben Lohn, der Krug geht zm Brunnen bis er bricht!
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  • Kommentar von Fritz Rüegsegger, Thun
    Es ist gleich wer da fährt, ob Braun, Rot, Gelb, Weiss ((Hautfarbe)). Die Gesetzliche Vorlagen müssen erfüllt sein. Auch der Lohn !!! Ansonsten muss das BAV die Lizenz entziehen, sie ist nach Gesetz verpflichtet. Es ist zu hoffen das Das BAV sich mal gegen Brüssel durchsetzt !!!!!
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