Nach Vorwürfen bei Uber Sexismus bei Startups kein Einzelfall

Mit einer Bewertung von über 65 Milliarden Dollar gilt der Fahrdienstvermittler Uber als wertvollstes Startup der Welt. Nun steht das Unternehmen wieder einmal in der Kritik, diesmal wegen Sexismus-Vorwürfen. Damit ist Uber im Silicon Valley in bester Gesellschaft.

Ein Mann langt einer Frau an den Hintern. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Sexismus im Silicon Valley: Was bei Uber geschah ist wohl eher die Regel als die Ausnahme. Colourbox

  • Sexismus ist in der Startup-Szene von Silicon Valley ein weit verbreitetes Übel.
  • 60 Prozent der im Silicon Valley angestellten Frauen haben sich schon einmal sexuell belästigt gefühlt.
  • Bei Uber soll eine aggressive und zügellose Unternehmenskultur herrschen, bei der besonders wichtige Mitarbeiter mit Samthandschuhen angefasst werden.
  • Uber-CEO Travis Kalanick verspricht, den Vorwürfen auf den Grund zu gehen. Dazu holt er sich die Hilfe des ehemaligen US-Justizministers Eric Holder.

Susan Fowler hat als Software-Entwicklerin bei Fahrdienstvermittler Uber gearbeitet. In einem Blogeintrag beschreibt sie nun das von Sexismus geprägte Arbeitsklima des Milliarden-Startups. So habe ihr Vorgesetzter ihr bereits am ersten Arbeitstag im Firmen-Chat klargemacht, dass er gerne Sex mit ihr hätte.

Uber-CEO Travis Kalanick. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: CEO Travis Kalanick soll mitverantwortlich sein für die aggressive und hemmungslose Unternehmenskultur bei Uber. Reuters

Als sich Fowler daraufhin an die Personalabteilung wandte, sei das für den Mann ohne Folgen geblieben und sein Übergriff als einmaliger Ausrutscher abgetan worden. Grund: Als sogenannter «High Performer» sei der Mann für Uber zu wertvoll gewesen, als dass man ihn hätte verlieren wollen.

Stattdessen sei Fowler vorgeschlagen worden, in einen anderen Unternehmensbereich zu wechseln, der allerdings nicht zu ihrem Fachgebiet gehörte. Natürlich könne sie auch in ihrer Abteilung bleiben, habe es geheissen. Dann dürfe sie sich aber nicht beklagen, wenn sie von ihrem Vorgesetzten ein schlechtes Leistungszeugnis erhalten sollte.

Kein Platz für Frauen

Im Laufe der Zeit habe Fowler im Unternehmen weitere Frauen getroffen, denen der Manager schon ungewollte sexuelle Avancen gemacht hatte. Doch selbst als sich die Frauen deswegen gemeinsam an die Personalabteilung wandten, habe das für den Mann keine Konsequenzen gehabt. Nach weitere Klagen habe sich Fowler bloss ihrerseits mit dem Vorwurf konfrontiert gesehen, sie sei der eigentliche Problemfall.

Im letzten Dezember kündigte Fowler schliesslich nach etwas mehr als einem Jahr ihre Stelle bei Uber. Damit folgte sie anscheinend vielen ihrer Kolleginnen. Laut Fowler lag der Frauenanteil ihrer Unternehmenseinheit zum Zeitpunkt ihres Stellenantritts noch bei rund einem Viertel. An ihrem letzten Arbeitstag habe diese Zahl nur noch 3 Prozent betragen.

Übergriffe oft ohne Konsequenzen

Was Susan Fowler in ihrem Blog schildert, ist in der von Männern geprägten Technologie-Branche keine Seltenheit. Glaubt man Silicon-Valley-Insidern, herrscht vor allem in jungen Startup-Firmen oft ein wenig zimperlicher Leistungsethos. Solange ein Mitarbeiter für das Erreichen der Geschäftsziele wichtig ist, wird dort viel toleriert – auch Sexismus.

Laut einer Studie aus dem Jahr 2016 haben sich denn auch 60 Prozent der im Silicon Valley angestellten Frauen schon einmal sexuell belästigt gefühlt, die meisten davon von einem Vorgesetzten. 39 Prozent meldeten einen solchen Vorfall nicht, aus Angst um ihre Karriere. Und 60 Prozent der Frauen, die es dennoch taten, waren nicht zufrieden damit, wie ihr Unternehmen mit der Sache umging.

Sexuelle Übergriffe enden für den Täter meist ohne grosse Konsequenzen – nicht zuletzt, weil das Opfer ein solches Vergehen nur schwer beweisen kann. Kommt es doch einmal zu einer Wiedergutmachung, ist sie im Silicon Valley oft mit der Auflage verbunden, Stillschweigen über den Vorfall zu bewahren. Das trägt dazu bei, dass nur selten etwas vom Sexismus der Branche an die Öffentlichkeit dringt.

Als Reaktion auf den Blogeintrag von Susan Fowler berichten Webseiten wie «Techcrunch», «Wired» oder «Engadget» nun über weitere solche Fälle. Dabei zeigt sich stets dasselbe Bild: Den betroffenen Frauen wurde von der Personalabteilung ihres Unternehmens nicht geholfen, die beschuldigten Männer mussten kaum mit Konsequenzen rechnen.

CEO Kalanick verspricht Besserung

Bei Uber ist das Thema mit dem aktuellen Fall nicht erledigt: Die «New York Times» weiss von drei Klagen, die noch auf die Firma zu kämen und in denen es ebenfalls um sexuelle Belästigung gehe. Die Zeitung schreibt ausserdem von einer aggressiven und zügellosen Unternehmenskultur, die als Nährboden für Sexismus diene. Angestellte würden gegeneinander ausgespielt und besonders wichtige Mitarbeiter mit Samthandschuhen angefasst.

Der ehemalige US-Justizminister Eric Holder. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der ehemalige US-Justizminister Eric Holder soll helfen, die Sexismus-Vorwürfe bei Uber aufzuklären. Keystone

Diese aggressive Unternehmenskultur gehöre seit der Gründung zu Uber, heisst es. Und CEO Travis Kalanick, der selbst schon mit sexistischen Aussagen auf sich aufmerksam machte, trage mit Verantwortung daran. Vielleicht muss Kalanick also bei sich selber anfangen, wenn er nun verspricht, dass Susan Fowlers Schilderungen würden nicht ohne Folge bleiben.

Was Fowler in ihrem Blog beschreibe, sei «abscheulich» und verstosse gegen alles, wofür Uber stehe, so Kalanick. Um die Vorwürfe aufzuklären, holt er sich nun Unterstützung von Eric Holder – dem ehemaligen US-Justizminister.

Wer Uber wohlgesinnt ist, wird das als Zeichen lesen, dass das Unternehmen den Ernst der Lage erkannt hat und nun alles tut, dem Sexismus in den eigenen Reihen den Garaus zu machen. Wer Uber kritisch gegenübersteht, wird in Kalanicks Worten kaum mehr als ein PR-Manöver sehen. Schliesslich kann sich selbst das wertvollste Startup der Welt keinen bleibenden Imageschaden leisten.

Es wird damit gerechnet, dass Uber im Jahr 2018 an die Börse gehen wird.