Showroom statt Schuhraum: Detailhandel im Wandel

Kleider und Schuhe kauft man nicht mehr im Geschäft in der Stadt, sondern bequem vom Sofa aus. Die Detailhändler haben deshalb zu kämpfen. Doch was passiert mit den Ladenflächen, die plötzlich leerstehen, wenn all die Filialen schliessen?

Ein leerstehendes Ladenlokal in Zürich, ein Rosa Vermietungsschild weist auf die freistehende Fläche hin. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Passantenstarke Liegenschaften haben nach wie vor ihren Wert, doch die Mieter sind andere. Keystone

Trübe Fensterscheiben, verlassene Läden – der Druck auf die Mieten steigt, könnte man meinen. Doch Fehlanzeige: Wo viele Passanten vorbeigehen, nahe des Bahnhofs oder im Zentrum, bleiben die Standorte beliebt.

Aber statt Kleider und Schuhläden findet der Konsument neue Angebote, sagt Patrick Schnorf von der Immobilienverwaltung Wüest und Partner: «Man sieht, dass der Detailhandel abgelöst wird, zum Beispiel von der Gastronomie. An besten Passantenlagen sieht man, dass das Food-Angebot, das Convenience-Segment, wie man im Fachjargon sagt, eigentlich sehr gut funktioniert.»

Verkaufslandschaft verändert sich

All die Läden mit frischem Angebot, ob regional oder vegan, sogenannte «Take aways», können an diesen Standorten, insbesondere an Bahnhofsnähe, gar wachsen. Denn Essen braucht jeder sofort und bestellt es oft nicht online.

Massage statt Schuhe

3:08 min, aus Rendez-vous vom 02.05.2016

Rund um die Zentren, gerade auch in den Nebengassen, werden Kunden künftig Dienstleister aus dem sozialen Bereich finden. «Kindertagesstätten sind ein Stichwort, oder auch Ärztegemeinschaften, Physiotherapiepraxen und so weiter. Sie gehen in diese klassischen Verkaufsflächen hinein», erklärt Schnorf.

Umnutzung zu «Showrooms»

Leerstehende Ladenflächen werden also von anderen Branchen genutzt. Doch der Detailhandel lässt sich nicht alles nehmen, er bleibt dran. Grössere Waren- und Modehäuser, gerade auch im Outdoor-Sport-Bereich, nutzen die leer werdenden Flächen von Schuh- und Kleidermarken für zusätzlichen Service. Sie ergänzen ihr eigenes Angebot mit Cafés, Kinderkrippen oder Kosmetikstudios.

Sie nehmen dafür hohe Mietpreise in Kauf. Dafür können sie die Kundschaft in den Laden locken, wie Beat Seger, Geschäftsimmobilien-Spezialist bei KMPG, sagt: «Es ist allerdings so, dass man damit auch einen Abstrich bei den Mieten in Kauf nehmen muss. Dafür hat man aber das wichtigste im Detailhandel: die Leute vor Ort.» Grosse Möbelketten, Elektronik- oder Autoanbieter nutzen die kleinen zentralen Ladenflächen auch als Showroom und als Werbefläche. Bestellt wird dann online.

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Detailhandelsumsätze

Im März sind die Umsätze im Schweizer Detailhandel im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2,4 Prozent gefallen. Damit setzt sich der seit Januar 2015 anhaltende Sinkflug weiter fort. Für das Minus gesorgt hat vor allem der Nicht-Nahrungsmittelsektor. Diese Einnahmen reduzierten sich gegenüber dem März 2015 um 5,7 Prozent.

Trend zu «Pop-up» und «Co-working»

Dazu gehört auch der Trend zu den sogenannten «Pop-up-Stores» – schliesslich wollen Onlinehändler ihre vielen Kunden auch irgendwann kennenlernen. Sie buchen dafür die freien, kleinen Verkaufsläden für ein verlängertes Wochenende und laden ihre Kundschaft zum Apéro ein.

Andernorts setzt sich der neue Trend der «Share Economy» durch, also das Teilen von Flächen, wie Seger von KPMG vermehrt beobachtet: «Es gibt diese Coworking-Spaces, wo man sich für ein, zwei, drei Stunden oder gar einen ganzen Tag einmieten und mit seinesgleichen das Büro teilen kann.»

Der Handel ist gefordert. Er muss sich Neues einfallen lassen. Die Ladenflächen werden weiterhin genutzt, aber die Verkaufslandschaft bekommt ein völlig neues Bild.