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Wirtschaft Sika-GV: Familienvertreter scheitern an Neubesetzung des VR

Da die Stimmrechte an der ausserordentlichen Generalversammlung erneut beschränkt worden sind, hat die Schenker-Winkler-Holding gegenüber dem VR das Nachsehen. Das Gremium hat die von den Erben vorgeschlagene Abwahl dreier Verwaltungsräte wie auch die Zuwahl des Familien-Kandidaten verhindert.

Legende: Video Abfuhr für Sika-Besitzerfamilie abspielen. Laufzeit 1:46 Minuten.
Aus Tagesschau vom 24.07.2015.

Die Sika-Erben haben ihre Ziele an der ausserordentlichen Generalversammlung in Baar nicht erreicht. Weil sich der Verwaltungsrat (VR) erneut der umstrittenen Stimmrechtsbeschränkung bediente, hat er die von der Familie angestrebte Abwahl von Paul Hälg, Monika Ribar und Daniel Sauter verhindern können. Der Nein-Stimmen-Anteil betrug jeweils über 86 Prozent.

Transaktion ist auf Eis gelegt

Ferner hat der VR auch eine Zuwahl von Max Roesle vereitelt. Hier lag der Anteil der Ja-Stimmen bei knapp 14 Prozent. Damit bleibt das Gremium besetzt wie bisher – mit Paul Hälg als Präsident –, und der von der Familie geplante Verkauf der Sika an Saint-Gobain ist auf Eis gelegt.

Im Gegenzug haben die Vertreter der Schenker-Winkler-Holding (SWH) – im Namen der Familie – die traktandierte Genehmigung für die künftige Vergütung des VR verweigert. Bei diesem Punkt waren die Erben in ihren Stimmrechten nicht beschnitten.

Status Quo bis zum Gerichtsentscheid

Zu Beginn der ausserordentlichen Generalversammlung haben beide Streitparteien noch einmal ihre bereits bekannten Positionen zum Ausdruck gebracht. VR-Präsident Paul Hälg betonte zunächst erneut, wie nachteilig ein Verkauf der Sika an die französische Saint-Gobain sei. Das Wachstum, das die Firma am gleichen Tag bilanziert hatte, könne mit der Transaktion nicht fortgeschrieben werden.

Hälg erläuterte weiter, warum der Verwaltungsrat die Stimmrechte der Familienerben erneut beschneide: Man wolle im Verwaltungsrat den Status Quo erhalten, bis das Zuger Obergericht entschieden habe, ob diese Stimmrechtsbeschränkung rechtens sei.

Die Stimmrechtsbeschränkung hatte der Verwaltungsrat bereits an der vergangenen ordentlichen Generalversammlung angewandt.

Pfui-Rufe für Urs Burkard

Auch andere Redner, darunter verschiedene Sika-Manager und -Mitarbeitende sowie Dominique Biedermann von der Anlagestiftung Ethos, zeigten sich mit dem VR solidarisch.

Urs Burkard widersprach Hälg als erster Redner. Er sei immer noch überzeugt, dass man mit Saint-Gobain den richtigen Ankeraktionär gefunden habe. Die Stimmrechtsbeschränkung bezeichnete er als «illegal». Vor dem Publikum hatte er einen schweren Stand. Manch ein Zuhörer quittierte seine Rede mit Pfui-Rufen oder einem bissigen Lachen.

Legende: Video Tobias Bossard zur Generalversammlung abspielen. Laufzeit 0:21 Minuten.
Aus Tagesschau vom 24.07.2015.

Burkards Angebot, «entgegen der Darstellung in den Medien für Gespräche bereit zu sein», griff Paul Hälg nach der Stellungnahme des Familien-Vertreters prompt auf. Man würde das Angebot gerne annehmen. Eine entsprechende Konversation müsste jedoch über die «Governance» hinausgehen.

Urteil des Zuger Obergerichts

VR-Präsident Hälg zitierte an der GV aus der jüngsten Urteilsbegründung des Zuger Obergerichts, das für die Erwägung der Rechtmässigkeit der Stimmrechtsbeschränkung nach einem ordentlichen Verfahren verlangt. Die vorgelesenen Stellen legte er so aus, dass sie – indem sie den Status Quo im VR forderten – die Stimmrechtsbeschränkung legitimiere.

7 Kommentare

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  • Kommentar von M.Kaiser, Rebstein
    Es ist unanständig von der Gründerfamilie -nun wo die Büezer das Unternehmen gross und stark gemacht haben, dieses an das Ausland zu verkaufen. Wer sowas macht ist kein guter Schweizer -aber scheinbar hört der Patriotismus bei den Millionen auf . Das hat ein Geschmäckle würde der Schwabe urteilen :-)
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  • Kommentar von Bruno Hochuli, Reinach
    Die unglaubliche Sturheit der Gründerfamilie ist bedenklich. Die alten Besitzer, welche leider verstorben sind, würden ihre Erben wahrscheinlich enterben, wenn sie dieses Trauerspiel was folgte geahnt hätten. Hoffentlich bleibt die Sika noch lange in Schweizer Hand.
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  • Kommentar von M.Müller, Zürich
    Trost für die Sika Erben ist, dass Sie keine Erbschaftssteuer auf das von den 17000 Mitarbeitern hart erarbeitete Vermögen für Die Erben Familie. Bedanken können sich die Erben dafür bei den Überredungskünsten von FDP, SVP und dem BR und dem ungemerkigen Schweizer Volk. Viele verstehen nicht wie Wohlstand entsteht und haben erstrecht keine Ahnung wie Reichtum entsteht.
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    1. Antwort von M.Kaiser, Rebstein
      @Müller , nur wer andere für sich arbeiten lässt , ist in der Lage Reichtum zu bilden . Wer sich anstellen lassen muss , bleibt eben Büezer . Einen Büezer der mit seiner Arbeit reich geworden wäre habe ich bis heute nicht getroffen . Nur den Seinen gibt's der Herr im Schlafe :-)
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