Zum Inhalt springen

Wirtschaft Sika-GV: Sieg von Management gegen Inhaber-Familie

Dank der Stimmrechtsbeschränkung für die Anteile der Familienaktionäre bleibt die Aufstellung des Sika-Verwaltungsrates ganz in dessen Sinne: Also unverändert. So konnte die Übernahme durch Saint-Gobain vorerst abgewendet werden. Doch Lohn für seine Arbeit erhält der Verwaltungsrat nicht.

Legende: Video VR-Präsident Hälg zum 1. Quartal und zum Übernahmekampf abspielen. Laufzeit 3:40 Minuten.
Vom 12.04.2016.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Das Stimmgewicht der Sika-Erben wurde beschnitten
  • Der gesamte Verwaltungsrat wurde für eine weitere Amtsperiode bestätigt
  • Löhne der Verwaltungsräte werden nicht ausgezahlt
  • Den unabhängigen Verwaltungsräten wurde die Décharge verweigert
  • Eine Dividende von 78 CHF je Inhaber- und 13 CHF je Namenaktie wurde bewilligt
  • Jahresbericht, -rechnung und Konzernrechnung wurden genehmigt
  • Die Genehmigung für künftige Vergütung des VR und der Geschäftsleitung wurde nicht gewährt

Im Kampf um den Verkauf des Bauchemie-Herstellers Sika haben die Erben des Firmengründers Kaspar Winkler an der Generalversammlung in Baar (ZG) erneut das Nachsehen: Sika-Präsident Paul Hälg erklärte vor den Aktionären, der Verwaltungsrat habe nach erneuter eingehender Prüfung entschieden, die Stimmrechte der Namenaktien der Familienholding zu beschränken.

Bei vier zentralen Abstimmungen zurückgebunden

Sika-Präsident Paul Hälg an der diesjährigen GV vor einer gelben Wand mit zwei roten SIka-Logos
Legende: Sika-Präsident Paul Hälg und die übrigen unabhängigen Verwaltungsräte ernteten an der GV grossen Applaus der Aktionäre. Keystone

Nicht mit ihrer vollen Stimmkraft abstimmen kann die Familie bei der Wiederwahl der unabhängigen Verwaltungsräte sowie bei der von der Familienholding beantragten Neuwahl von Jacques Bischoff in den Verwaltungsrat. Auch bei der Wahl des Verwaltungsratspräsidenten und bei den Wahlen in den Nominierungs- und Vergütungsausschuss werden die Stimmrechte der Familie gekappt.

Dass der Verwaltungsrat erneut so vorgehen würde, war erwartet worden. Er hatte dies bereits an den beiden vorherigen Generalversammlungen getan. Und es ist der einzige Weg für den Verwaltungsrat, die für die Übernahme wichtigen Abstimmungen nicht zu verlieren.

Nur die Erben würden profitieren

Hälg legte in einer langen Rede erneut dar, weshalb sich die unabhängigen Verwaltungsräte und das Management gegen die Übernahme der Kontrollmehrheit an Sika durch Saint-Gobain wehren. Es gebe bisher keine Garantien für die Stellen bei Sika. Hälg bestritt zudem, dass sich bei einer Übernahme die von Saint-Gobain angepriesenen Synergien ergeben würden.

Diese Transaktion bereichere lediglich die Burkard-Erben und gebe der Saint-Gobain die Kontrolle über Sika, die diese sicher zu ihrem Vorteil ausnutzen werde.

«Mitarbeiter sind speziell motiviert»

Im Interview mit SRF sagte Hälg, die schwierige Situation wegen der drohenden Übernahme schweisse die Mitarbeiter zusammen und treibe sie zu Höchstleistungen an: «Sie wollen alle zeigen, dass Sika keine Saint-Gobain braucht.»

Das Urteil des Zuger Kantonsgerichts zum Übernahmestreit erwartet der VR-Präsident «irgendwann im zweiten Halbjahr», wie er weiter ausführte. Was Sika im Fall einer Niederlage tun will, liess Hälg offen. Er wollte auch nicht sagen, ob der Verwaltungsrat das Urteil weiterziehen würde.

Keine Vergütung für Verwaltungsrat

Für seine Arbeit seit der letzten Generalversammlung erhält der Verwaltungsrat keinen Lohn. Die Aktionäre lehnten die Auszahlung der Löhne mit rund 66,46 Prozent Nein-Stimmen ab. Zudem lehnten sie die künftige Vergütung des Verwaltungsrates ab. Dass die Vergütung abgelehnt wurde, lag daran, dass bei dieser Abstimmung die Stimmkraft der Erbenfamilie nicht beschränkt wurde.

Sika-Verwaltungsratspräsident Paul Hälg sprach von einem «reinen Abstrafen der unabhängigen Verwaltungsratsmitglieder». Die Erben würden mit der Verweigerung der Vergütung ihr wahres Gesicht zeigen. Geleistete Arbeit nicht zu entschädigen, sei schlicht nicht akzeptabel.

Décharge verweigert

Erwartungsgemäss haben die Erben des Sika-Gründers den fünf unabhängigen Verwaltungsräten sowie dem ebenfalls unabhängigen VR-Präsident Paul Hälg zudem die Entlastung verweigert. Bei diesem Traktandum konnte die Familie Burkard ebenfalls mit ihrer vollen Stimmkraft mittun.

Den «widerspenstigen» VR-Mitgliedern wurde die Décharge mit jeweils 80 Prozent Nein-Stimmen verweigert. Den drei Vertretern der Erben wurde dagegen die Entlastung für das Geschäftsjahr mit rund 78 Prozent Ja-Stimmen erteilt.

Dank und viel Applaus für unabhängige Verwaltungsräte

Sika-Konzernchef Jan Jenisch bedankte sich an der Generalversammlung bei den unabhängigen Verwaltungsräten, die sich gegen eine Übernahme der Kontrollmehrheit durch Saint-Gobain wehren. Die Verwaltungsräte ernteten stehenden Applaus aus dem Publikum.

Er werde vielfach gefragt, wie Sika solch gute Resultate erzielen könne in der derzeit schwierigen Situation, sagte Jenisch. Dies liege an den beiden Stützen des Unternehmens: Den Mitarbeitenden und den sechs unabhängigen Verwaltungsräten. «Seit einem Jahr werdet ihr ja für eure Arbeit nicht mehr bezahlt», richtete sich Jenisch an die Verwaltungsräte. Es verstehe nicht, weshalb die Verwaltungsräte derart attackiert würden.

Erben bisher wenig erfolgreich

Dass die Verwaltungsräte derzeit gratis arbeiten, liegt daran, dass die Aktionäre deren Vergütung an der Generalversammlung im April vor einem Jahr abgelehnt hatten. An der folgenden ausserordentlichen Generalversammlung im Juli bestätigten sie dieses Verdikt.

Das Nein zu den Vergütungen war einer der wenigen Erfolge, den die Erbenfamilie an den vergangenen Generalversammlungen erzielen konnte.

Sika expandiert

Ungeachtet des Übernahmekampfes hat Sika ein Rekordquartal hinter sich: Von Januar bis März stieg der Umsatz um sieben Prozent auf 1,27 Mrd. Franken. Das Unternehmen befindet sich auf rasantem Wachstumskurs, 2016 eröffnete es bereits vier neue Fabriken. Die Sika-Aktien bleiben bis Ende der heutigen Generalversammlung vom Börsenhandel ausgesetzt.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

5 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Christophe Bühler ((Bühli))
    Ist eine Firma soziales Eigentum oder haben die Eigentümer das Recht eine Firma zu verkaufen? Die Idee etwas zu Unternehmen und dann halt irgendwann zu verkaufen müsste im Sinne der BV frei bleiben. Das frei werdende Kapital wird wieder investiert
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von M. Roe (M. Roe)
      Bühler: Ja, ja.. die alte Leier. Nur glauben immer weniger Leute an sie. Wozu hat man denn einen Verwaltungsrat? Irgendwann ist man vielleicht auch "too big to fail", nicht?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Bravo! Hier arbeiten Leute, die noch Rückgrat haben. Ich hoffe, dass SIKA schweizerisch bleibt, sonst wird sie bestimmt später an die Chinesen verkauft. Es ist auch klar, dass die Leute in 1 bis 5 Jahren entlassen würden. Das ist der Trick der Grosseinkäufer: Man wartet ein paar Jahre ab, zieht nach und nach Geld ab und am Ende entlässt man die Leute, da es im Ausland billiger ist. Ich hoffe, dass wir Schweizer dieses Unternehmen nicht wegen unserer "Gier nach mehr" verlieren.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Olivier TODESCO (Olive)
    Wenn wir uns SiKA nicht mehr leisten können (hab heute SiKA-Montage-Mörtel gekauft)........dann müssen wir diesen 'Saftladen' (Schweiz) schliessen! Die Produkte sind super und die Firma (mit VR) solide. Ein Stück Schweiz, welches jeder in diesem Land sich leisten muss! Auch im Ausland hab ich nur Gutes gehört. Meine Idee wäre......die Besitzerfamilie sollte ihre Aktien in einem Tender dem Volk oder Anlegern anbieten! Erfolg steigert Gewinn und den Börsenkurs.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen