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Wirtschaft SNB-Präsident: Negativzinsen bleiben 2016 bestehen

Seit gut einem Jahr gelten in der Schweiz Negativzinsen. Milliarden-Guthaben auf Konten werden mit einer Abgabe belastet. Für SNB-Präsident Thomas Jordan steht ausser Frage, dass es vorerst so bleibt. Mit allen Konsequenzen – auch wenn die Pensionskassen klagen.

Legende: Video «Thomas Jordan über Negativzinsen und das Zinsumfeld» abspielen. Laufzeit 2:43 Minuten.
Vom 08.01.2016.

Das Thema in Kürze:

  • Vor 13 Monaten hat die Schweizerische Nationalbank Negativzinsen eingeführt.
  • Auch Pensionskassen mit ihren Vorsorgegeldern sind betroffen: Sie erzielen weniger Renditen.
  • SNB-Präsident Thomas Jordan hält unbeirrt an den Negativzinsen fest und betont deren Notwendigkeit.

«Die Negativzinsen sind wichtig», sagt SNB-Präsident Thomas Jordan im Interview mit «ECO». Es brauche eine Zinsdifferenz zum Euro. «Das macht die Franken-Anlagen weniger attraktiv, und dadurch haben wir weniger Druck auf den Franken.»

Noch bevor der Mindestkurs zum Euro sein Ende fand, setzte die Schweizerische Nationalbank (SNB) ein Instrument ein, das dem Schweizer Franken etwas von seiner Attraktivität nehmen sollte: Am 18. Dezember 2014 gab sie die Einführung von Negativzinsen bekannt.

Investoren sollten so dazu gebracht werden, vermehrt in andere Währungen zu investieren. Auf Giroguthaben über 10 Mio. Franken erhebt die SNB seitdem einen «Strafzins» von 0,75 Prozent.

Pensionskassen erzielen Renditen nicht

Dieser schmälert die Renditen. Wie die «Neue Zürcher Zeitung» schreibt, dürften die meisten Schweizer Pensionskassen 2015 eine Rendite zwischen 0 und 1 Prozent erzielt haben. 2,75 Prozent wären aber laut der Beratungsfirma c-alm nötig gewesen, um die Renten zu finanzieren und die Altersguthaben zu verzinsen.

Die UBS warnt in einer Studie vor den gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen der Negativzinsen – UBS-Schweiz-Chef Lukas Gähwiler wagt in der «Handelszeitung» sogar die Prognose, dass die Folgen gravierender sein könnten als jene des Mindestkurs-Endes.

Vom Grundsatz her nicht nachvollziehbar
Autor: Hanspeter KonradDirektor ASIP

Wie Hanspeter Konrad, Direktor des Pensionskassenverbands ASIP, schreibt, würden im Moment rund 400 Millionen Franken Negativzinsen anfallen, da 5 bis 6 Prozent der Pensionskassenvermögen als Liquidität gehalten würden. Mehr als eine Million der Vorsorgegelder geht für die Versicherten so pro Tag verloren.

Bis anhin zahlten zwar viele Pensionskassen kaum oder noch keine Negativzinsen. Sie greifen auf Banken zurück, die die Negativzinsen (noch) nicht weitergeben, oder sie investierten die Mittel etwa in kurz laufende Obligationen. Hanspeter Konrad stellt aber klar: «Für uns ist es vom Grundsatz her nicht nachvollziehbar, Pensionskassen, die einen gesetzlichen Auftrag erfüllen, Negativzinsen aufzuerlegen.»

Legende: Video «Grafik: Weshalb der Negativzins auch die PK-Gelder betrifft» abspielen. Laufzeit 0:26 Minuten.
Aus 10vor10 vom 06.03.2015.

Thomas Jordan sagt dazu: «Die Nationalbank belastet ja nicht die Pensionskassen, sondern wir belasten die Banken, die bei uns Guthaben haben.» Es sei wichtig, die Bedeutung der Negativzinsen zu sehen.

Werden sie bis Ende 2016 weiterbestehen? «Ich kann keine Prognose machen», sagt Thomas Jordan, «aber die Finanzmärkte gehen nicht davon aus, dass wir auf absehbare Zeit wesentliche Zinserhöhungen sehen werden.»

Interview: Reto Lipp

3 Kommentare

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  • Kommentar von Ursula Schüpbach (Artio)
    Hab ein Problem: Mag Mao (Renminbi) nicht auf einer Banknote, wie ich auch Mussolini, Franco, Salazar, Hitler und Konsorten kaum aushalten würde.
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  • Kommentar von Markus Guggisberg (gugmar)
    Die Schweizerische Nationalbank hat 23 Milliarden Euro Verlust gemacht und das ist nur der Anfang des Supergaus. Die Verluste sind das Ergebnis der jahrelangen Euro-Stützungskäufe. Statt der schuldenbasierten, europhilen Wirtschaftspolitik von Hildebrand und Jordan, hätte die SNB besser solide Schweizer Volkswirtschaftspolitik ohne Frankengrenze betrieben, die die überbordende Wirtschaft und die nicht zu bezahlende bilaterale Zuwanderung vermieden hätte. Schluss mit Lügen in den Schuldenetagen !
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    1. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      Wenn in allen Schuldenetagen aller Länder mit Lügen Schluss wäre - einverstanden. Unkalkulierbare Währungsrisiken durch Euro-Stützungskäufe - auch einverstanden. Daran, dass solide CH-VW-Politik die Zuwanderung vermieden hätte, ohne dass der CH-Büezerlohn auch darunter hätte leiden müssen, wage ich zu bezweifeln. Produktionsbetriebe wären (teilweise) abgewandert, Finanzdienstleister und damit die Abhängigkeit von einem einzelnen Sektor (der zunehmenden int. Druck verspürt) stärker geworden.
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