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Wirtschaft SNB sorgt sich um Immobilien-Markt

«Wir sind beunruhigt», sagt Fritz Zurbrügg, Direktoriums-Mitglied der Schweizerischen Nationalbank, im Interview mit «ECO». Die Lage auf dem Schweizer Immobilien-Markt habe sich wieder zugespitzt. Eine Erhöhung der Zinsen sei derzeit aber undenkbar.

«Wir hatten das Gefühl, dass sich im 2. Quartal eine gewisse Entspannung eingestellt hatte. Leider hat sich das nicht wiederholt», drückt Fritz Zurbrügg die Sorgen der Nationalbank aus.

Fritz Zurbrügg benennt in seinem ersten grossen TV-Interview als Mitglied des SNB-Direktoriums zwei Indikatoren, die Anlass zur Besorgnis geben: das erhebliche Volumen des Schweizer Hypothekarmarktes, das höher ist als das Bruttoinlandprodukt der Schweiz, sowie die generelle Preiserhöhung bei den Wohnliegenschaften.

Höhere Zinsen nicht durchsetzbar

Immobilien-Experten, die ebenfalls mit Sorge die Entwicklung auf dem Immobilienmarkt beobachten, warten schon lange darauf, dass die Schweizerische Nationalbank im Zinsbereich handelt. Da in der Schweiz Kredite fast zum Nulltarif zu haben sind, investieren die Menschen risikoreich. «Wir denken schon seit ein paar Jahren, dass die Zinsen wieder steigen werden», sagte Donato Scognamiglio von der Immobilienberatung IAZI vor einem Jahr gegenüber «ECO», «aber das ist nicht der Fall.»

Eine Erhöhung der Zinsen würde die Lage beruhigen. Doch darauf macht Zurbrügg keine Hoffnungen. «Wir haben diese ganz besondere Situation, dass die Zinsen bei null sind und wir geldpolitisch absolut keine Erhöhung durchsetzen können», sagt der Vorsteher des III. Departements der Schweizerischen Nationalbank für Finanzmärkte, Operatives Bankgeschäft und Informatik. Nicht durchsetzbar deshalb, da dies den ohnehin überbewerteten Schweizer Franken weiter aufwerten würde. Für die Nationalbank hiesse die Konsequenz: Sie müsste noch mehr Euro kaufen, um den Mindestkurs von 1.20 halten zu können. Bereits heute hat die SNB 430 Mrd. Franken Devisen aufgetürmt.

Kommt der Kapitalpuffer?

Seit 1. Juli 2012 steht der Nationalbank der antizyklische Kapitalpuffer als neues Instrument zur Verfügung. Dieser ist ein Instrument des Massnahmenpakets, das der Bund im Rahmen von «Basel III» geschnürt hat, um ein exzessives Kreditwachstum bei den Banken zu vermindern.

SNB-Präsident Thomas Jordan sagte im Interview mit «ECO» vom 27.08.2012, er würde eine Aktivierung des antizyklischen Kapitalpuffers vorerst nicht initiieren. Allerdings betonte Thomas Jordan damals: «Wir geben überhaupt keine Entwarnung.» Erst 2013 sei mit einer Neubeurteilung für die Öffentlichkeit zu rechnen, kommunizierte die SNB damals.

Nachdem sich die Lage auf dem Immobilienmarkt wieder verschärft hat, wäre ein Einschreiten der Nationalbank durchaus denkbar. Fritz Zurbrügg sagt dazu nur so viel: «Wir überprüfen diese Aktivierung laufend.» Er betont aber, dass diese nicht allein in der Macht der SNB liege: «Wir initiieren zwar diesen Prozess, nach Anhörung der Finma (Finanzmarktaufsicht), aber wie Sie wissen, entscheidet der Bundesrat.» Fritz Zurbrügg wollte sich nicht dazu äussern, ob die Nationalbank beim Bundesrat einen entsprechenden Antrag gestellt hat.

Sicher ist: Nationalbank und Bundesrat beurteilen die Gefahr einer Immobilien-Blase unterschiedlich. So sagte Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann Mitte Dezember vor Medienvertretern, dass die Schweiz in diesem Bereich keinem besonderen Risiko ausgesetzt sei.

Fritz Zurbrügg

Seit 5 Monaten ergänzt Fritz Zurbrügg das 3er-Direktorium der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Zuvor war er Direktor der Eidgenössischen Finanzverwaltung und Exekutivdirektor für den Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington.

SNB-Direktor gibt Antwort

Wie sieht die Zukunft des Mindestkurses aus? Können die Kantone mit Ausschüttungen rechnen? Dazu äusserte sich Fritz Zurbrügg in der Sendung «ECO».

Zudem konnten SRF-User dem SNB-Direktor im Vorfeld brennende Fragen stellen. Die Antworten von Fritz Zurbrügg sehen Sie auf der Facebook-Seite von Reto Lipp oder im SRF Player.

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22 Kommentare

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  • Kommentar von Pascal, Aargau
    Banken beurteilen den Verkehrswert von Liegenschaften eher noch tiefer, als wenn es extern geschätzt werden würde. Somit geben sie einen kleineren Kredit was dazu führt, dass die Bank im Falle einer Zahlungsunfähigkeit des Schuldners ein Objekt hat welches vielleicht zu einem höheren Wert verkauft werden kann. Somit ist die Bank auf einer sichereren Seite, als wenn sie den Verkehrswert anheben.
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  • Kommentar von Schlauri, St. Gallen
    Unserer tiefen Staatsverschuldung steht die vermutlich weltweit höchste Pro-Kopf- Hypothekarverschuldung der Haushalte gegenüber. Die SNB könnte die Immobilienblase wirksam bekämpfen, mit wohlbekannten Regeln bezüglich Belehnungsgrenze, Eigenkapitalunterlegung und Schuldzinsabzug. Sie könnte auch auf allen Hypothekarkrediten einen Zinszuschlag von z. B. 0.5% einziehen und damit Steuern senken. Aber das wollen die Banken, die SNB und ihre politische Lobby gar nicht ernsthaft.
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    1. Antwort von h. anni, zürich
      Ist das mit dem 0.5% Zinszuschlag um Steuern zu senken schon wieder ein Versuch, die Hausbesitzer zu strafen, damit andere wiederum die hohle Hand machen können? So mancher träumt von einem eigenen Haus und ich denke, die meisten davon müssen hart dafür arbeiten, wieso also diese wiederum abzocken? Schafft endlich den Eigenmietwert ab, dann wird auch mehr Eigenkapital in die Liegenschaften gesteckt und somit das Risiko eines Notverkaufs viel kleiner.
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    2. Antwort von S.Suter, Wollerau
      Schafft endlich den Eigenmietwert ab! Wer war dafür, dass dieser beibehalten wird? Sind Ihnen die Namen der Politiker noch gegenwärtig? Aber was habe ich gehört. Der Eigenmietwert soll sogar noch erhöht werden. Werden so die Finanzlöcher die durch die Stützung des Euro-Kurses konstruiert wurden wieder gestopft? Auf Kosten von wem? Der Markt reguliert sich selbst. Der Glaube daran hilft!
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  • Kommentar von Armin Bühler, Chur
    Wenn die Schweiz ausnahmsweise ernsthafte Rahmenbedingungen für Effizienzmassnahmen und erneuerbare Energien setzen würde, dann hätten die Banken und Pensionskassen alternative und sicherere Anlagemöglichkeiten (z.B. nachhaltige, erneuerbare Kraftwerke anstatt überteuerte Immobilien) und profitable Einnahmequellen (Einnahmen durch stabile Einspeisevergütungen anstatt tiefe Zinsen). Lieber mehr unabhängigen Strom mit heimischen Arbeitsplätzen als Immobilienblasen.
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    1. Antwort von Jundt, Giffers
      Ja genau, das würde auch Forschung und Weiter-Entwicklung für erneuerbare Energien beleben und die heute fehlenden Erfahrungen bringen, um die umweltbelastenden Methoden kostengünstiger ersetzen zu können.
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