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Kakaobauern in Armut So soll die Bohne mehr Dollar bringen

Legende: Audio «Nachhaltigkeit vs. Produktivität» abspielen. Laufzeit 4:01 Minuten.
4:01 min, aus Rendez-vous vom 12.04.2017.
  • Armut und Kinderarbeit prägen den Anbau von Kakao, dem wichtigsten Rohstoff zur Herstellung teurer Schokolade.
  • Derzeit ist der Kakao-Weltmarktpreis eher tief, doch auch bei höheren Preisen stieg in der Vergangenheit das Einkommen der Kakaobauern nicht.
  • Verschiedene Ansätze versuchen, Gegensteuer zu geben. Doch es gibt unterschiedliche Ansichten darüber, welche Massnahmen etwas bringen könnten.

Das Problem: Viele Kakaobauern leben in prekären Verhältnissen. Im grössten Kakao-Produktionsland der Welt, der Elfenbeinküste, verdienen manche von ihnen lediglich 50 Cent pro Tag – das ist weit weniger als die zwei Dollar, bei denen die UNO die Armutsgrenze zieht. Und das, obwohl der Weltmarktpreis für Kakao derzeit doppelt so hoch ist, wie noch vor zehn Jahren. Sogar Kakaobauern, die unter einem Fairtrade-Label produzieren, verdienen kaum mehr. Sie erhalten bloss eine Zusatzprämie in Höhe von zehn Prozent.

Der Lösungsansatz der Schokoladehersteller: Lindt & Sprüngli, Nestlé oder Barry Callebaut haben schon vor längerer Zeit Hilfsprogramme für die Bauern gestartet. Das Ziel sind grössere Ernten. Doch dies sei mit grossem lokalem Aufwand verbunden und dauere entsprechend lange, sagt Michael Schlup, der für Barry Callebaut Nachhaltigkeitsprogramme koordiniert. Konkret sieht seine Strategie vor, den Kakao intensiv und hochproduktiv anzubauen – aber nur auf einem Teil der Farm. Auf dem restlichen Land des Bauern solle dieser andere Feldfrüchte anbauen, die lokal gehandelt oder auf Märkten verkauft werden könnten. Bis 2025 will Barry Callebaut all seine Rohstoffe aus nachhaltigen Quellen mit entsprechenden Zertifikaten beziehen.

Die Kritik der Entwicklungsorganisationen: Die Wirtschaft mache zu wenig und das zu langsam, sagt Eveline Bahn von der deutschen Entwicklungsorganisation Inkota. Zudem würden die Programme am falschen Ort ansetzen: «Je mehr die Bauern produzieren und je stärker das Angebot an Kakao auf dem Weltmarkt steigt, desto tiefer fällt der Preis.» Die Bauern verkaufen dank Förderungsprogrammen zwar mehr Kakaobohnen, verdienen aber nicht mehr– oder im Extremfall sogar weniger. Deshalb verlangt Inkota, dass die Abnehmer des Kakaos den Bauern grundsätzlich höhere Preise bezahlen. «Ansonsten werden wir in fünf Jahren feststellen, dass wir Armut zertifiziert haben», sagt sie.

Die Hoffnung: An einer solchen Situation haben auch die Schokoladenproduzenten kaum Interesse – aus Imagegründen. Deshalb könnten sie durchaus zur Überzeugung gelangen, dass die Unterstützung der Kakaobauern nachhaltig sein muss; und dass dadurch vor allem ihre Lebensumstände verbessern werden müssen.

Barry Callebaut verdient mehr

Barry Callebaut verdient mehr

Der Schweizer Kakao- und Schokoladen-Hersteller Barry Callebaut hat seine Zahlen fürs erste Halbjahr vorgelegt: Demnach konnte der Umsatz um 3,3 Prozent auf 3,5 Mrd. Fr. gesteigert werden. Gleichzeitig erhöhte sich der Reingewinn um fast ein Drittel auf 142 Mio. Franken. Lesen Sie hier mehr.

Schwankender Weltmarktpreis

Schwankender Weltmarktpreis

Mit mehr als 3400 Dollar pro Tonne erreichte der Weltmarktpreis für Kakaobohnen Mitte 2016 den höchsten Stand seit Jahren. Seither ist er auf gut 2000 Dollar gesunken. Mitte 2010 hatte der Preis kurzzeitig bei gegen 3800 Dollar gelegen. Noch 2006 betrug er bloss rund 1600 Dollar.

7 Kommentare

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  • Kommentar von René Balli (René Balli)
    Das Wort Entwicklungshilfe ist schon eine Dehmütigung für sich! Niemand braucht Entwicklungshilfe aber alle brauchen einen fairen Lohn für geleistete Arbeit und Rohstoffe. Es ist nicht so kompliziert wie es die grossen Konzerne gerne darstellen, alles nur faule Ausreden. Wenn alle Bauern einen faren Lohn erhalten, braucht es auch keine Entwicklungshilfe und wir würden uns endlich selber weiter entwickeln, nämlich von einer Raubbau zu einer nachhaltigen Gesellschaft.
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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Immer noch gehören Hungerlöhne, ausbeuterische Kinderarbeit und menschenunwürdige Arbeitsbedingungen zum Alltag der Kakaobauern. Auf den Kakaoplantagen werden Kinder ausgebeutet, um Millionen Osterhasen billig herzustellen, aber dann teuer zu verkaufen.Die Mehrheit der Kakaobauern lebt in bitterer Armut und eine Kakaobauernfamilie in der Elfenbeinküste z. B. verdient nur 0,50 US Dollar am Tag! Ausbeutung total!
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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Schokolade macht uns klug und glücklich. Das ist die gute Nachricht so kurz vor Ostern. Die Schlechte: Die Bauernfamilien, die den Kakao für unsere Osterhasen produzieren, werden ausgebeutet. Führt man sich beim Kauf des Schokohasen für das Gottenkind aber vor Augen, dass beim billigeren vielleicht ein gleichaltriges Kind auf der Plantage mitgeschuftet hat, relativiert sich der Preisunterschied schnell. Die Bauern müssen schlichtweg mehr kriegen vom milliardenschweren Schokoladenbusiness.
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