Stabiles Stromnetz: Die Schweiz steht vor einem Problem

Die Schweiz ist auf ausländische Netzbetreiber angewiesen, um ihr Stromnetz stabil zu halten. Sekundenschnell kann Netzbetreiberin Swissgrid so Schwankungen ausgleichen. Nun droht der Ausschluss. Ohne Stromabkommen kein effizienter Strombezug mehr, lautet gemäss Experten der Standpunkt der EU.

Strommasten mit Sonne. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Scheint die Sonne nicht, gibt es kaum Solarenergie. Das Stromnetz muss dennoch stabil bleiben können. Colourbox

Das Thema in Kürze:

  • Erneuerbare Energien wie Wind und Sonne machen das Stromnetz instabiler, weil sie unberechenbarer sind.
  • Um Stabilität zu gewährleisten, bezieht die Schweizer Netzbetreiberin Swissgrid Strom aus dem Ausland oder verkauft ihn dorthin.
  • Das könnte wegen Uneinigkeiten mit der EU bald nicht mehr effizient möglich sein, wie Swissgrid in der Sendung «ECO» erklärt.
  • Für den Verbraucher hiesse das: Der Strom würde teurer.
Zusatzinhalt überspringen

Als Nicht-EU-Mitglied nimmt die Schweiz derzeit inoffiziell am internationalen Regelstrommarkt teil – mittels direkten Verträgen mit ausländischen Netzbetreibern. Auch im regionalen und lokalen Netz findet der Ausgleich über die Grenzen statt.

Kernkraftwerke sollen vom Netz, fossile Energieträger immer weniger eingesetzt werden – die Energiewende zielt darauf, erneuerbare Energien zu stärken. Die gute Absicht bedeutet für den Strommarkt allerdings: Das Netz ist instabiler. Wind und Sonne sind nicht auf Bestellung verfügbar, und so kommt es zu grossen Schwankungen.

Um das Schweizer Stromnetz stabil zu halten, ist die Schweiz stark auf ihre Nachbarländer angewiesen. Netzbetreiberin Swissgrid bezieht Strom für grosse Schwankungen aus dem Ausland. Im Verbund mit anderen Netzbetreibern versucht sie sicherzustellen, dass nicht hier und dort in der Schweiz plötzlich das Licht ausgeht.

Doch dieser internationale Ausgleich ist gefährdet, sagt Jörg Spicker, Leiter Markt bei Swissgrid: «Zukünftig führt die EU Regelungen ein, die es der Schweiz verbieten, an diesem Marktgeschehen teilzunehmen, solange es kein Stromabkommen zwischen der Schweiz und der EU gibt.»

Im Moment rechne Swissgrid nicht mit einem Abkommen. Denn die EU hat sämtliche Verhandlungen auf Eis gelegt, bis sie mit der Schweiz eine Einigung in Sachen Personenfreizügigkeit gefunden hat.

Ausschluss macht Strom teurer

In der EU befindet sich derzeit ein Vorschlag für eine Energie-Union im Gesetzesprozess. Diese Union soll die Energieversorgung angesichts der Energiewende sichern. Je mehr erneuerbare Energien ins Netz eingespiesen werden, desto höhere Schwankungen werden erwartet.

Jörg Spicker. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Jörg Spicker, Swissgrid: Neue Regelungen der EU verbieten Teilnahme am internationalen Regelstrommarkt. SRF

Laut Experten will die EU die Schweiz nicht an der Energie-Union teilnehmen lassen. Der aktuelle Vorschlag für die Energie-Union enthalte eine Klausel, wonach die Schweiz ohne Stromabkommen vom EU-Strombinnenmarkt ausgeschlossen werde.

Bei einem Ausschluss erwartet Swissgrid höhere Kosten für den Netzausgleich. Sie wird vermehrt im Inland Lösungen suchen müssen. Die so entstehenden Mehrkosten werden die Konsumenten zu tragen haben.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Gute Geschäfte mit dem Spitzenstrom

    Aus ECO vom 23.5.2016

    Seit Wind- und Sonnenenergie den europäischen Strommarkt dominieren, sind Angebot und Nachfrage aus dem Gleichgewicht. Die Netzstabilität ist schwer zu regeln. Deswegen sucht Netzbetreiber Swissgrid Anbieter, die jederzeit Strom liefern oder auch abnehmen können. Für Unternehmen wie die Elektrizitätswerke Zürich ist das eine Marktlücke. Sie schliessen KMU, die über Stromgeneratoren oder Kleinkraftwerke verfügen, zu virtuellen Kraftwerken zusammen und bieten Spitzenstrom zu Spitzenpreisen an.