Stahlwerk in Emmen: Strom statt Dampfwolke?

Die Schweiz plant die Energiewende. Doch die Umsetzung ist nicht leicht. Das zeigt das Beispiel von Swiss Steel in Emmen: In grossen Öfen produziert das Unternehmen hochwertigen Stahl. Die Abwärme, die dabei entsteht, verpufft. Denn derzeit lohnt sich die Nutzung als Energiequelle finanziell nicht.

Industrieanlage mit grossem Dampfausstoss. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Swiss Steel in Emmen: Die Kühlwasseranlage sorgt für jede Menge Dampf, der entweicht. SRF/Beat Vogt

Das Walzwerk der Swiss Steel in Emmen: Eine rund 700 Meter lange Halle. Hier wird der Stahl zu dicken Rollen oder zu langen Stangen geformt. Die Swiss Steel ist ein Recycling-Unternehmen. Sie stellt aus gewaltigen Mengen Schrott 600'000 Tonnen Stahl pro Jahr her. Willi Fuchs leitet die Produktion und die Technik.

Er zeigt auf die dicke Dampfwolke, die aus dem Industriegebäude in den Himmel steigt: «Das ist Wärme, die wir hier via Kühlwasseranlage in die Umgebung lassen. Hier müssen wir die Energie quasi abdampfen. Und die geht direkt in die Umwelt.»

Projekt in der Schublade

Hier verpufft viel Wärme. Aus ihr könnte Strom generiert werden. Dafür müsste jedoch einiges umgebaut werden. Und diese Investitionen würden den gewonnenen Strom zu teuer machen. «2008 haben wir mit einem Projekt begonnen. Wir wollten selber auch Strom produzieren. Aber das rechnet sich wirklich nicht», sagt Fuchs. «Und mit den heutigen Strompreisen, die etwa halb so hoch sind wie 2008, ist es schon gar nicht mehr realistisch.»

Anders sähe es aus, wenn der Strom von Fördergeldern des Bundes profitieren könnte – von der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV). Diese ist aber nur für erneuerbare Energien bestimmt. Industrielle Abwärme fällt nicht darunter, weil ihr Ursprung fossile Energie ist, heisst es beim Bundesamt für Energie.

Tatsächlich: Die Swiss Steel betreibt ihre Öfen mit Strom, Gas und Kohle – die Nutzung der Abwärme gilt deshalb nicht als grüne Energie, auch wenn ihre Nutzung ökologisch durchaus sinnvoll wäre. Eine Begründung, die Rolf Samer nicht einleuchtet. Er ist Mitglied der Geschäftsleitung von Energie Wasser Luzern (ewl), die zusammen mit der Swiss Steel die Abwärmenutzung vorwärts treiben möchte.

Fördergelder für Kraftwerk

Die ewl plant am selben Ort ein Holzkraftwerk. Für diesen Strom gäbe es Bundesgeld – im Gegensatz zum Strom aus Abwärme. «Das ist für mich natürlich nicht ganz nachvollziehbar. Weil es zu der absurden Situation führt, dass wir einerseits Wärme an die Umwelt abgeben und parallel dazu mit Holz Dampf produzieren und Strom generieren, nur damit wir Fördergelder erhalten.»

Und doch: die Idee, die Abwärme der Swiss Steel zu nutzen, ist noch nicht vom Tisch. Denn es könnte nicht nur Strom produziert, sondern auch Fernwärme gewonnen werden. Und ein Fernwärmenetz besteht bereits ganz in der Nähe.

Ersatzquelle für Fernwärme?

Es versorgt unter anderem die Emmer Gemeindeverwaltung und das Luzerner Kantonsspital. Bis anhin wurde es durch eine Kehrichtverbrennungsanlage gespeist. Weil diese ihren Betrieb aber einstellen wird, wäre die Abwärme der Swiss Steel der ideale Ersatz.

Vielleicht müsse man sich auf die Fernwärme beschränken und die zusätzliche Stromproduktion fallen lassen, sagt Samer, obwohl das schade wäre. «Unser erster Ansatzpunkt war wirklich, mit der Abwärme der Swiss Steel Strom zu produzieren und so einen Beitrag zur Energiewende zu leisten. Das war unser Hauptmotor. Ein paar dunkle Wolken sind noch da. Ich hoffe, wir können die vertreiben, damit wir auch Strom produzieren können. Aber es ist ein schwieriges Unterfangen.»

Bei der Swiss Steel lässt die Energiewende also noch etwas auf sich warten. Einstweilen heizen die Stahlöfen weiter und es bleibt dabei: Eine dicke Dampfwolke steigt über der Kühlanlage auf und die Energie verpufft ungenutzt in der Luft.