Starker Franken: Gefahr gebannt, aber keine Entwarnung

In den jüngsten Halbjahresberichten klagen Firmen auffallend weniger über die negativen Folgen des starken Frankens. Ist also das Schlimmste ausgestanden oder trügt der Schein? Experten sehen Gründe für vorsichtigen Optimismus, nicht zuletzt wegen Kostensenkungen.

Video «Schweizer Wirtschaft erholt sich langsam» abspielen

Schweizer Wirtschaft erholt sich langsam

1:11 min, aus Tagesschau am Mittag vom 5.8.2016

Beim Kleiderhersteller Calida sieht es zwar nicht rosig aus, aber immerhin konnte das Unternehmen im letzten Halbjahr bessere Zahlen vorweisen. Das Ostschweizer Präzisionsunternehmen Starrag berichtet, dass beim Umsatz zwar nicht alles rund laufe, aber die Aufträge wieder anzögen.

Die Luzerner Belimo, die Antriebe für die Heizungs- und Klimabranche entwickelt, überraschte kürzlich gar mit guten Halbjahreszahlen. Noch im vergangenen Jahr hatte der starke Franken dem Unternehmen stark zugesetzt.

Für Klaus Abberger, zuständig für Firmenbefragungen bei der ETH-Konjunkturforschungsstelle KOF, kommen die positiven Nachrichten nicht überraschend. Das Thema des starken Frankens laste zwar immer noch auf den Unternehmen, rücke aber zunehmend in den Hintergrund.

Kosten in den Griff bekommen

Grund für vorsichtigen Optimismus gebe es, sagt Abberger weiter. Kosten seien gesenkt worden, nun stelle sich allmählich die Wettbewerbsfähigkeit wieder ein. Allerdings bleibe die Lage nur so lange stabil, wie der Franken-Euro-Kurs auf jetzigem Niveau verharre. Werde der Franken plötzlich wieder stärker oder breche die Weltwirtschaft ein, sei es vorbei mit den besseren Zahlen.

Bei Swissmem, dem Verband der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie, schätzt man die Lage ähnlich ein. Vor allem die international tätigen Unternehmen hätten mit Auslagerungen und Sparmassnahmen ihre Geschäftszahlen wieder in den Griff bekommen.

Und die Kleineren?

Anders sehe es bei den kleinen Unternehmen aus, die zu fast 100 Prozent in der Schweiz produzierten, erläutert Swissmem-Sprecher Yvo Zimmermann. Denn diese hätten oft nicht dieselben Möglichkeiten, ihre Kostenbasis ins Ausland zu verschieben, um dem überbewerteten Schweizer Franken zu begegnen.

Allerdings gibt es auch hier gute Nachrichten: Im ersten Quartal dieses Jahres meldeten viele kleine Firmen wieder mehr Auftragseingänge, nachdem es über ein Jahr lang nur bergab gegangen war.

«Frankenschock hat Deindustrialisierung eingeläutet»

Zwar läuft die Konjunktur in der Schweiz recht gut und die Unternehmen schreiben wieder schwarze Zahlen. Auf dem Arbeitsmarkt spürt man den Frankenschock aber noch immer. Dieser habe die «Deindustrialisierung der Schweiz eingeläutet», sagt Alois Düring. Er ist Regionalsekretär des Verbands Angestellte Schweiz und hat täglich mit den Folgen des Schocks zu tun. «Mir macht es einige Sorgen, was in der Ostschweiz an Produktionsstätten verloren geht.» KMUs würden von der Bildfläche verschwinden, warnt er. Und mit ihnen die Lehrstellen – für immer, glaubt Düring, denn «was weg ist ist weg und kommt nicht zurück».

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel