Dido2 Mit Schweizer Satellit preisgünstig in die Schwerelosigkeit

Er heisst Dido2 und soll die Forschung im schwerelosen Raum revolutionieren: Das Schweizer Startup Spacepharma hat grosse Pläne für seinen Satelliten.

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Kleiner Satellit, grosse Hoffnung

104 Satelliten schoss die indische Raumfahrtorganisation ISRO diese Woche ins All – einer davon stammt aus einem kleinen Dorf im Kanton Jura und heisst Dido2. Er ist das Projekt des Schweizer Startups Spacepharma aus Courgenay (JU) und er trägt grosse Hoffnung auf sich. Ab Freitagmorgen soll Dido2 Tests in der Schwerelosigkeit durchführen. Martin Aebi, Geschäftsführer von Spacepharma, stellt sein Projekt vor.

SRF News: Wieso muss man im schwerelosen Raum überhaupt Forschung betreiben?

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Martin Aebi

Martin Aebi

Martin Aebi ist Geschäftsführer des Startups Spacepharma aus Courgenay (JU).

Martin Aebi: Unsere Wissenschaft hat sich bis heute fast immer an der Schwerkraft orientiert. Wie ein Leben ohne sie aussieht, wissen wir nicht wirklich. Bisher war der Zugang zu Schwerelosigkeit aber ein grosses Problem, denn sie ist teuer, kompliziert und umständlich. Zudem will nicht jeder Forscher zuerst Astronaut werden, um sie zu beforschen. Wir versuchen deshalb, den Zugang zu vereinfachen und zu verbilligen.

Wer soll Dido2 benutzen?

Die Schwerelosigkeit ist im Moment noch ein völlig weisses Blatt – deshalb kann sie auch von fast allen beforscht werden. Was man heute weiss ist, dass biologische, chemische und physikalische Prozesse durch die Schwerkraft überdeckt werden. Wie genau findet man aber nur heraus, wenn man tatsächlich in den schwerelosen Raum geht und experimentiert.

Was konkret kann man in der Schwerelosigkeit beobachten, das man sonst nicht sieht?

Ein Experiment führen wir gerade für die Universität Glasgow durch. Es geht dabei um Krebsforschung. Die Forscher haben das Problem, dass die Schwerkraft kristalline Strukturen verunreinigt, die sie untersuchen. Im schwerelosen Raum bilden sich perfekte Kristalle. Daraus kann man Rückschlüsse ziehen, um auf der Erde dann die richtigen Moleküle herauszusuchen und damit beispielsweise ein neues Medikament zu entwickeln.

Ein Forscher arbeitet an Dido2 Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Grosse Erwartungen für eine kleine Kiste: So sieht Dido2 aus. zvg

Ihr Satellit ist nicht viel grösser als eine Schuhschachtel. Was passt überhaupt alles in ihn hinein?

Eine ganze Menge. Ungefähr ein Drittel des Satelliten besteht aus Technik, der Rest bietet Platz für Experimente. Im Moment haben wir vier Experimente geladen, im nächsten Satelliten wollen wir aber schon 20 haben und bis Ende Jahr wollen wir 160 Experimente durchführen.

Was kostet es denn für die Forschungsinstitute, ein Experiment auf Dido2 durchzuführen?

Sie müssen nicht Astronaut werden und sich nicht mit Raumfahrt auseinandersetzen, das ist mal wichtig. Die Kosten hängen sehr stark vom Experiment ab. Ich schätze aber, dass sie meist im Bereich von 50‘000 bis 250‘000 Franken bleiben. Wenn eine Laborumgebung auf Dido2 einmal entwickelt worden ist, können wir sie zudem wiederverwenden. Das wird Auswirkungen auf die Kosten haben.

Das Gespräch führte Melanie Pfändler