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Start-up Nicht Zürich – Basel ist das Start-up-Mekka

Schafft Zürich den Anschluss an die internationalen Start-up-Hotspots? Während die Stadt noch Ihre Richtung sucht, hat sich ein anderer Hotspot längst etabliert: In Basel blühen Jungunternehmen.

Legende: Video Basel – Der Magnet für Start-ups der Life Sciences abspielen. Laufzeit 04:09 Minuten.
Aus 10vor10 vom 30.06.2016.

Silicon Valley, Berlin, Tel Aviv – manch einer würde dieser Aufzählung gerne baldmöglichst Zürich hinzufügen. In der grössten Schweizer Stadt gibt es überall Bestrebungen, sie zum Start-up-Paradies machen zu wollen.

Da ist «Digital Zurich 2025»: eine Reihe von Initiativen, die Digital-Start-ups fördern wollen. Da gibt es Events und Förderprogramme, die Zürich in Richtung Fintech-Mekka pushen wollen. Und natürlich sitzt hier die ETH, die ein Start-up nach dem anderen ausspuckt. Und, ja, die meisten Start-ups (32 Prozent) entstehen in Zürich.

Aber die Schweiz hat längst einen Ort, der Spitze ist in seinem Bereich: Basel, das Mekka der Life Sciences. Neben den grossen Konzernen wie Novartis und Roche spriessen und gedeihen neue Unternehmen. Und manchmal wachsen sie zu erheblicher Grösse heran – wie etwa Basilea (250 Mitarbeiter) oder Actelion (2500 Mitarbeiter). Im Basler Technopark sind derzeit 15 Start-ups beheimatet, die meisten von ihnen tüfteln an neuen Lösungen im Pharma- oder Biotech-Bereich.

Aurealis etwa ist extra aus Finnland nach Basel gekommen. «Basel hat alles, was wir für die Weiterentwicklung unserer Firma brauchen», sagt Aurealis-Schweiz-Chef Dirk Weber. «Das Knowhow, Experten, Wissenschaftler, klinische Experten und nicht zuletzt ein starkes Investorennetzwerk. Das ist der Grund, warum wir dorthin wollten, wo die Musik spielt: nach Basel.»

Viel mehr Geld im Life-Sciences-Bereich

Dass Life Sciences gegenüber Fintech weit voraus sind, zeigen auch die Investitionen. 2015 wurden total 676 Million Franken in Schweizer Start-ups investiert. Davon flossen alleine 484 Millionen Franken in Life-Sciences-Startups, und «nur» 21 Millionen Franken in den Fintech-Bereich.

Dietmar Girchnik
Legende: «In Life Sciences hatte die Schweiz schon immer eine Weltmarkt-Führerschaft.» Dietmar Girchnik, Universität St.Gallen. SRF

Allerdings bleibt zu berücksichtigen, dass Life-Sciences-Forschung deutlich kapitalintensiver ist. Der Rest, 171 Millionen Franken, wurde in andere Branchen, darunter ICT, investiert.

Der Grund, aus dem Life Sciences die Nase vorn haben, sieht Professor Dietmar Grichnik von der Universität St.Gallen in der Tradition: «Im Bereich Life Sciences hatte die Schweiz bei der Innovation schon immer eine Weltmarkt-Führerschaft. Im Fintech-Bereich ist das sicherlich nicht so. Da gibt es andere Plätze, die konkurrenzfähiger sind, wie zum Beispiel London.»

Aus Sicht der Zürcher Start-ups macht auch die neue Steuer-Praxis des Kantons die Situation noch schlimmer. Bis vor vier Jahren bezahlten die Start-ups Steuern auf ihren Gewinn. Dann änderte Zürich seine Praxis: Neu zählt das Geld, das die Firmengründer als Investitionen erhalten, als Vermögen der Firmengründer – obwohl dieses Geld meist in Forschung und Entwicklung fliesst.

Mit dem Resultat, dass die Firmengründer trotz kleinem Gehalt hohe Steuerrechnungen bezahlen müssen (Mögliche Konsequenzen s. unten). Eine solche Besteuerung ist zurzeit in Basel nicht geplant.

«Gegeneinander im Fintech-Bereich»

Von Zürich kann Basel laut Grichnik noch etwas anderes lernen: «In Basel funktioniert die Kooperation zwischen den grossen Firmen und Start-ups. Im Fintech-/Banken-Bereich ist es eher ein Gegeneinander», sagt er.

Life Sciences oder Fintech – die beiden Start-up-Szenen sollten sich aber nicht gegenseitig ausspielen, sagt Grichnik: «Die Schweiz muss sich gesamthaft als eine Start-up-Nation verstehen. Letzlich reicht ein Start-up mit der Strahlungskraft eines Google, Facebook oder Actelion, um andere Start-ups und Investoren anzuziehen .»

«Wir gehen weg aus Zürich!»

Die grosse Start-up-Woche

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Welches sind die Stärken und Schwächen, die Nöte und Hoffnungen von Start-ups? «ECO», «10vor10» und Radio SRF 3 widmen den Schweizer Jungunternehmen eine Schwerpunktwoche.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Wir brauchen keine Start-ups. Gute und realitätsnahe Entwicklungen werden in den bestehenden Unternehmen gemacht. Über 90% der Start-Ups entwickeln "Dinge" die die Welt nicht auch noch braucht und deshalb gehen auch über 95% dieser Start-Ups nach kurzer Zeit wieder ein! Ich sehe in der Förderung der Start-Ups eher eine "Gratis-Forschung" für die grossen Unternehmen. Die jungen Menschen opfern ihr ganzes Erspartes "für die Reichen" die sie mit unmöglichen Versprechen hemmungslos verführen.
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    1. Antwort von Mike Brunner (Mike Brunner)
      Selten so ein Mist gelesen, die bestehenden Grossunternehmen sind oft träge geworden, und ohne Startups gäbe es heute keine Schweiz, kein Google, kein Amazon, kein Apple, kein Microsoft eigentlich gäbe es fast gar nix! Es braucht, gerade in der Schweiz, mehr Unternehmertum und Innovationsgeist, damit wir auch langfristig den Wohlstand wahren können, bewahren hilft in der heutigen Zeit rein gar nix!
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    2. Antwort von Peter Isler (SchweizerQualität)
      Was für eine - sorry - dämliche Verallgemeinerung. Startup ist eben nicht gleich Startup. Vom Medikament zur anspruchsvollen Hard- oder Software bis zu simplen "Apps" ist da alles dabei. Und jedes Unternehmen hat mal klein, mit wenigen Produkten begonnen. Mit einer Idee ein Unternehmnen zu gründen braucht Mut. Dass es oft nicht klappt ist kein Grund es nicht zu machen.
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    3. Antwort von Thomas Steiner (Thomas Steiner)
      M. Roe, sie sind also der Meinung, dass es Google, Apple, IBM oder Facebook nicht geben sollte?
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  • Kommentar von Nico Basler (Bebbi)
    Das ist eben das Resultat einer starken, realitätsnahen Standortförderung. Dies im Gegensatz zu den Amateuren im Filzkanton BL.
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    1. Antwort von Walter Starnberger (Walter Starnberger)
      Da kann ich ihnen nur zustimmen, Herr Basler. Was mich vor allem ärgert, es sind die von mir ansonsten geschätzten Bürgerlichen die den Mist angerichtet und dann auch noch die Finanzlage des Kantons ruiniert haben.
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