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Stellenmeldepflicht an RAV Gastronomen ziehen vernichtende Zwischenbilanz

Legende: Video Inländervorrang: Erste Zahlen liegen vor abspielen. Laufzeit 04:10 Minuten.
Aus 10vor10 vom 26.09.2018.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Mitgliederbefragung des Verbands Gastrosuisse zeigt: Rund ein Drittel der Betriebe, die den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) meldepflichtige Stellen angaben, erhielten keine Bewerbungen zugestellt.
  • Laut der Umfrage wurde etwa jede siebte der seit 1. Juli verpflichtend gemeldeten Stellen durch Dossiers der RAV besetzt.
  • Gastrosuisse beklagt, diese Zahl sei viel zu tief. Der Verband fordert Nachbesserungen, um Arbeitgeber zu entlasten.
  • Der SGB wertet die Stellenmeldepflicht in einer ersten Bilanz hingegen als Erfolg.

Aufwendiger Ablauf, unbrauchbare Kandidaten, grosser Aufwand ohne Erfolg – so der Tenor bei Gastronomen. Drei Monate nach dem Inkrafttreten der Stellenmeldepflicht befragte der Branchenverband Gastrosuisse erstmals über 600 seiner Mitglieder zu ihren Erfahrungen mit der neuen Massnahme.

Was bedeutet die Stellenmeldepflicht?

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Am 1. Juli dieses Jahres trat die Stellenmeldepflicht in Kraft. Arbeitgeber sind seither verpflichtet, freie Stellen in Berufsarten, in denen die Arbeitslosenquote den Schwellenwert von acht Prozent erreicht oder übersteigt, den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) zu melden. Mit der Meldepflicht wird der «Inländervorrang light» umgesetzt, den das Parlament Ende 2016 zur Umsetzung der Masseneinwanderungs-Initiative beschlossen hatte. Inländische Arbeitssuchende werden ausländischen Bewerbern gegenüber bevorzugt.

Ein Viertel der befragten Mitglieder von Gastrosuisse haben bereits seit der Einführung der Stellenmeldepflicht den RAV neu zu besetzende Stellen gemeldet. Davon hat über ein Drittel keine RAV-Dossiers erhalten. Auch der Hotelier des Landgasthofs Kemmeriboden Bad, Reto Invernizzi, ist betroffen. Auf die von ihm ausgeschriebenen Stellen als Koch, Tellerwäscher und Kellner hat er nur ein einziges Bewerbungsdossier erhalten.

Er steckt in Erklärungsnot. Am dezentralen Standort könne es nicht liegen. «Wir haben 50 Mitarbeiter, auch langjährige, und auf dem normalen Stellenmarkt haben wir wenig Probleme, unsere Stellen zu besetzten.» Wie kann es also sein, dass bei über acht Prozent arbeitslosen Köchen keine Bewerbungen eintreffen? «Eventuell ist die Differenzierung der Berufsbezeichnungen nicht präzise genug», meint Invernizzi.

Legende: Video Reto Invernizzi, Hotelier Kemmeriboden-Bad, über den Ärger der Sperrfrist abspielen. Laufzeit 00:17 Minuten.
Aus News-Clip vom 26.09.2018.

Dies sieht auch der Präsident von Gastrosuisse und Auftraggeber der Studie, Casimir Platzer, als eines der Hauptprobleme. Die Einteilung der Arbeitslosen in der Branche stimme nicht, dies müsse korrigiert werden. Anders könne er sich nicht erklären, dass in nur 13 Prozent aller bei einem RAV gemeldeter Fälle die Stellen besetzt werden konnten.

Legende: Video Präsident von Gastrosuisse, Casimir Platzer, über die Umfrageresultate abspielen. Laufzeit 00:58 Minuten.
Aus News-Clip vom 26.09.2018.

Die Erfolgsquote von 13 Prozent wertet der Sekretariatsleiter des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, Daniel Lampart, hingegen als positiv. Ziel sei es nicht, 100 Prozent der gemeldeten Stellen durch einen von einem RAV vermittelten Stellensuchenden zu besetzten. Durch die Stellenmeldepflicht sollen vor allem benachteiligte Arbeitssuchende einen Vorteil erhalten. «Ältere, von Firmen diskriminierte Arbeitslose sind nun in der Pole-Position», meint er. Und rechtfertigt so die Sperrfrist von fünf Tagen, in denen suchende Betriebe ihre Stelle nicht auf anderen Plattformen ausschreiben dürfen.

Legende: Video SGB-Sekretär Daniel Lampart über die Erfolge der Stellenmeldepflicht abspielen. Laufzeit 00:22 Minuten.
Aus News-Clip vom 26.09.2018.

Die Sperrfristen sind Gastrosuisse ein Dorn im Auge. «Die fünftägige Sperrfrist wird oft verlängert, weil die RAV zu lange brauchen, um Stellenmeldungen aufzuschalten, die RAV können ihre Fristen nicht einhalten», sagt Casimir Platzer. Daniel Lampart hingegen ist überzeugt davon, dass die Stellenmeldepflicht ein Erfolg ist. Es fänden bereits viele Arbeitssuchende durch die neue Massnahme eine Stelle. Nun werde erwartet, dass Arbeitgeber die Stellen weiterhin konsequent melden und den RAV so bei der Vermittlung von Arbeitslosen unterstützen.

Die Resultate der Gastrosuisse-Studie

  • Es wurden 611 Mitglieder des Verbandes befragt. Die telefonische Befragung fand vom 14.09.2018 bis am 18.09.2018 statt.
  • 26,4 Prozent der befragten Mitglieder haben bereits seit der Einführung der Stellenmeldepflicht einem RAV neu zu besetzende Stellen gemeldet. 34 Prozent haben kein RAV-Dossier von Stellensuchenden erhalten.
Legende:
Wie lange haben Sie auf die Bestätigung von der Stellenmeldung durch das RAV warten müssen? (in Prozent)
Legende:
Wie lange haben Sie nach dem Eingang der Meldebestätigung auf die Zustellung der Dossiers warten müssen ? (in Prozent)
Legende:
Wie lange mussten Sie ab der Stellenmeldung auf die Zusendung der Dossiers warten? (in Prozent)
  • Nur 44,3 Prozent der befragten Gastrosuisse-Mitglieder haben von einem RAV zugewiesene Stellensuchende zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. 54,8 Prozent verzichteten darauf, weil das eingereichte Dossier ungenügend war. 0,9 Prozent machte dazu keine Angaben.
  • 20,8 Prozent der befragten Betriebe haben bereits von einem RAV zugewiesene Stellensuchende eingestellt. 77,3 Prozent der Betriebe nicht. 1,9 Prozent macht dazu keine Angaben.
  • Der Anteil der eingestellten Kandidaten an den gemeldeten Stellen beträgt 13,7 Prozent.

Legende:
Erfahrungen der Gastrosuisse-Mitglieder mit der Stellenmeldepflicht (in Prozent)

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20 Kommentare

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  • Kommentar von Beat Reuteler (br)
    Die Sperrfrist kann nicht das Problem sein. Ich kenne Fälle wo Betriebe monatelang über die Frage gebrütet haben ob eine Stelle ausgeschrieben werden soll. Ist dann der Entscheid gefallen, muss es übermorgen sein. Das nennt man "töippele".
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  • Kommentar von Kurt Häfliger (kurto1956)
    Das Problem ist mir bürokratischen Mitteln leider nicht zu lösen, aber das wusste man schon vorher! Die ganze Übung vom FDP-ler Müller eingefädelt war/ist nichts anderes als eine Alibiübung um die Betroffenen, das Volk und die Bürgerlichen zu beruhigen! Inhaltlich bringen 5 Tage Vorlaufszeit rein gar nichts, zudem betrifft es vor allem den Niedriglohnssektor, bei welchem die Auswahl aus der EU besonders gross ist! Ohne Gesetzesvorgaben gegenüber der Wirtschaft geht rein gar nichts! Freiwillig!?
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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    Berufe, die anständig entlöhnt werden, haben kein Problem, Stellen mit Inländern zu besetzen.
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