Studie stellt Glencore schlechtes Zeugnis aus

Die Rohstoff-Firma Glencore plant auf den Philippinen eine riesige Kupfer- und Goldmine. Der Vorwurf von Hilfswerken: Das in der Region der Mine lebende Urvolk wurde nicht über die vollen Konsequenzen informiert. Glencore bestreitet dies.

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Bischof gegen Bergbauriese

2:41 min, aus Tagesschau vom 12.6.2013

Erneute Vorwürfe von Nichtregierungsorganisationen gegen Glencore/Xstrata: Der Schweizer Rohstoff- und Bergbaukonzern berücksichtige bei seiner in Planung begriffenen Gold- und Kupfermine Tampakan im Süden der Philippinen die Anliegen der lokalen indigenen Bevölkerung zu wenig. Dies sagen die NGOs Fastenopfer, Brot für alle und Misereor.

Tausende Menschen umsiedeln

Würde das 5,9 Milliarden Dollar schwere Projekt zur Erschliessung der Mine Tampakan wie geplant im Jahr 2019 in Betrieb genommen, müssten um die 5000 Angehörige des B'laan-Volkes umgesiedelt werden. Zu diesem Schluss kommt eine von den NGOs in Auftrag gegebene Studie. Die Untersuchung hat das Institut für Frieden und Entwicklung (INEF) der Universität Duisburg-Essen erarbeitet.

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Grösste Mine dieser Art

Die Mine Tampaka birgt laut der INEF-Studie geschätzte Goldvorkommen von jährlich 360'000 Unzen Gold und 375'000 Tonnen Kupfer über einen Zeitraum von 17 Jahren. Sie ist damit um eine der weltweit grössten Minen dieser Art. Das projektierte Abbaugebiet befindet sich im Süden der Insel Mindanao.

Glencore/Xstrata ist über die australische Tochter Xstrata Copper mit 62,5-Prozent an der philippinischen Minengesellschaft Sagittarius Mines Inc. beteiligt. INEF schreibt nun, letztere habe zwar sehr wohl den Dialog gesucht mit den Angehörigen der B'laan. Jedoch seien den in ärmlichen Verhältnissen lebenden Indigenen zu grosse Versprechungen gemacht worden, was die Mine an Vorteilen für sie bringen würde.

Risiken ausgeklammert?

Die möglichen Risiken seien dagegen zu wenig oder gar nicht angesprochen worden, bemängeln die Vertreter von Fastenopfer, Brot für alle und Misereor. So liege die geplante Mine etwa in einem erdbebengefährdeten Gebiet. Damit könnten im Falle von Erschütterungen Rückhaltebecken mit giftigen Substanzen bersten und die umliegende Umwelt – eine von Regenwald bewachsene Bergregion – verschmutzen.

Das Hauptgebäude von Glencore. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der Hauptsitz von Glencore in Baar/ZG. Keystone

Der angeschuldigte Konzern nahm in einer Mitteilung Stellung und bezeichnet die INEF-Studie ihrerseits als unausgewogen. Sie entbehre der Objektivität und räume Sagittarius keine Möglichkeit zur Darlegung der eigenen Position ein.

So fänden etwa die weitreichenden Unterstützungsprogramme im technischen und sozialen Bereich für die lokale Bevölkerung sowie die durchgeführte Risiko- und Umweltverträglichkeitsstudie keine Erwähnung.

In der INEF-Studie werde zudem die Auffassung vertreten, dass das Tampakan-Minenprojekt der Hauptgrund für die Gewalt in der Region sei. Das stimme nicht, sagt Glencore/Xstrata. Mindanao sei vielmehr von einer komplexen und konfliktreichen Vergangenheit geprägt. Dabei spielten traditionelle Bräuche, Rivalitäten, religiöse und politische Aufstände sowie international anerkannte terroristische Vereinigungen eine Rolle.