Swissport sucht Weg aus ukrainischer Willkür

Der Schweizer Airport-Dienstleister hat in der Ukraine eine Firma verloren. Und wiederbekommen – zunächst allerdings nur auf dem Papier. Vor dem Gericht geht der Kampf weiter. Gleichzeitig verhandelt Swissport mit zwei ukrainischen Oligarchen.

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Bildlegende: Nur wenige Schweizer Firmen wagen das Abenteuer Ukraine – ein Abenteuer, das auch mit der Enteignung enden kann. Keystone

In der Ukraine herrscht dieser Tage kein Klima, in dem sich ausländische Investoren wohlfühlen. Sogar ein Unternehmensberater, der Schweizer Unternehmen bei ihren Geschäften in Osteuropa unterstützt, rät derzeit von der Ukraine ab. «Ich sehe das Hauptproblem in der unkontrollierten Macht, welche die Verwaltung hat», sagt Michael Derrer in seinem Kiewer Beratungsbüro. «Die staatlichen Stellen können Druck auf die Unternehmen ausüben. Das ist eine Situation, die wir in der Schweiz oder Westeuropa nicht kennen.»

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Bildlegende: Aus Zypern fliessen mit Abstand die meisten Investitionen in die Ukraine. Die Schweiz liegt an 9. Stelle. SRF/ECO

Die Schweiz war im vergangenen Jahr mit rund 1,3 Milliarden US-Dollar der neuntgrösste Investor in der Ukraine. Mit Abstand am bedeutendsten ist Zypern mit 18,7 Milliarden. Mehr Investitionen als aus der Schweiz kommen zudem etwa aus Deutschland (6,2 Mrd.), Russland (3,8 Mrd.) oder auch Österreich (3,2 Mrd.).

Eine Schweizer Firma, die sich für Geschäfte in der Ukraine entschieden hatte, ist Swissport. Das in der Boden- und Luftfracht-Abfertigung tätige Unternehmen gründete 2006 zusammen mit der damals staatlichen Ukraine International Airline ein Joint Venture für Flughafen-Dienstleistungen. Swissport war mit 70 Prozent Mehrheits-Aktionär.

Firma von einem Tag auf den anderen verloren

Nachdem das Partnerunternehmen 2011 an zwei ukrainische Investoren verkauft wurde – gemäss Swissport handelt es sich um die Oligarchen Igor Kolomoisky und Aaron Mayberg –, wendete sich das Blatt. «Wir haben eine ganze Firma verloren», sagt Mark Skinner, zuständig bei Swissport für die Bodenabfertigung in Europa, «eine Firma mit über 1000 Angestellten und etwa 30 Millionen Umsatz.»

Mark Skinner, Swissport, über die Investoren

1:39 min, vom 3.3.2014

Das ukrainische Gericht hatte entlang der Argumentations-Linie der beiden Oligarchen entschieden, dass Swissport die Rechte der Minderheits-Aktionäre beschneide. Von einem Tag auf den anderen war Swissport darum keine Anteilseignerin mehr. 400‘000 Dollar hätte die Schweizer Firma für den Verlust der Firma erhalten sollen. Nach eigenen Angaben ist das Geld nie eingetroffen. Auch die zweite Instanz bestätigte das Urteil.

Dann, im Herbst 2013, erhielt Swissport in dritter Instanz doch noch Recht. Dem Unternehmen wurde der 70-Prozent-Anteil wieder zugesprochen. Allerdings nur auf dem Papier: Der Gerichtsentscheid geht nun wieder an die erste und an die zweite Instanz zurück. Und dies könnte langwierig werden: Swissport berichtet von zahlreichen Verschiebungen der angesetzten Termine. Inzwischen befassen sich Anwälte und Gerichte seit eineinhalb Jahren mit dem Fall.

Parallel zum Gerichtsverfahren versucht Swissport, sich mit den beiden Oligarchen einvernehmlich zu einigen. «Wir haben uns dazu mehrmals in Genf getroffen, wo der Lebensmittelpunkt dieser Herren ist», sagt Mark Skinner von Swissport. «Wir haben uns sehr kompromissbereit gezeigt und sind Konzessionen eingegangen.» Bisher seien diese Gespräche allerdings ohne Erfolg verlaufen.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Bis zur Enteignung: Schweizer Firmen in der Ukraine

    Aus ECO vom 3.3.2014

    Die Ukraine steht vor dem Bankrott und benötigt dringend ausländisches Kapital. Doch Korruption und Rechtsunsicherheit halten Investoren aus dem Ausland ab. Nur wenige Schweizer Firmen wagen darum das Abenteuer Ukraine – ein Abenteuer, das auch mit der Enteignung enden kann. «ECO» zeigt Schweizer Firmen in der Ukraine zwischen Hoffnung und Totalverlust.