Tiefe Kosten für Solaranlagen – Leasing sei Dank

Kein Geld ausgeben und trotzdem umweltfreundlich handeln – ein neues Geschäftsmodell macht's möglich. Das Prinzip: Man least die Solarpannels von einer Firma und lässt sich diese auf dem eigenen Hausdach installieren. Fortan zahlt man die Stromkosten an die Leasingfirma.

Ein Haus mit Sonnenkollektoren. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Erst knapp zwei Prozent der Schweizer Energie stammt aus Sonnenkollektoren. Keystone

Zu 100 Prozent saubere Energie – das sei das wichtigste Ziel überhaupt, sagt Billy Parish. Der grosse, schlanke Mann schaut einem bei seiner Erklärung unverwandt ins Auge. Der Klimawandel sei das grösste Problem der Menschheit und «hundertprozentig saubere Energie» sei das beste Ziel um den Klimawandel zu bremsen. Darunter können sich die Leute etwas vorstellen und konkret handeln. Zum Beispiel eine Solaranlage auf das eigene Dach montieren.

Solaranlagen lassen sich auch mieten

4:24 min, aus SRF 4 News aktuell vom 17.09.2016

Aber: Eine durchschnittliche Solaranlage kostet 30'000 US-Dollar. Wem das zu viel sei, der könne die Solaranlage aber bei Mosaic, seinem Unternehmen leasen, erklärt Billy Parish. Die Nachfrage sei überwältigend. Nicht nur von Leuten, die Solarpanels installieren wollten, sondern auch von Investoren, die sich an der Finanzierung beteiligen wollen.

Investoren treffen auf Interessenten

Banken und Pensionkassen, die nach Anlagemöglichkeiten suchen, gibt es auch in der Schweiz. Das hat das junge Westschweizer Unternehmen Younergy gemerkt. Younergy baut mit dem Geld von institutionellen Anlegern Interessierten eine Solaranlage aufs Dach.

Die Hausbesitzer bezahlen nur den Strom: «Wir kümmern uns um die Installation, Design und auch die administrativen Aufgaben. Der Kunde bezahlt letztlich nur für den Strom, den die Anlage produziert», erklärt Oscar Ax, der Vertreter von Younergy in der Deutschschweiz.

«So viel Stromkosten spare ich nicht»

Über hundert, meist kleinere Solaranlagen, habe Younergy in den letzten knapp anderthalb Jahren in der Schweiz installiert. Eine davon auf dem Dach von Carlos Capdevila, im Kanton Freiburg. Bei ihm sei dabei nicht das Geldsparen im Vordergrund gestanden, sagt der Hausbesitzer: «Effektiv spare ich nicht so viel Stromkosten. Es geht mir mehr darum, alternative Energie zu produzieren.»

Natürlich hat Hausbesitzer Capdevila auch Respekt gehabt vor der grossen Investition. Vor allem aber habe ihm das Jungunternehmen Arbeit abgenommen, sagt Capdevila: «Es war mir zu kompliziert, mich mit verschiedenen Angeboten auseinanderzusetzen. Ich hatte so weniger Papierkram mit der Gemeinde oder mit der Baubewilligung.»

Kein Papierkram, keine Grossinvestition für den einzelnen Hausbesitzer – Oscar Ax von Younergy sieht grosses Potential für sein Unternehmen in der Schweiz: «Im westeuropäischen Vergleich hat die Schweiz punkto Solarenergie Aufholbedarf»

Ungelöste rechtliche Fragen

Nicht alle traditionellen Energieversorger haben Freude an den neuen Konkurrenten. Verschiedene Fragen sind noch ungelöst. Darf beispielsweise ein Hausbesitzer, der mit Younergy zusammenarbeitet, seine Mieter zum Konsum und Bezahlen von Solarstrom verknurren? Younergy ist überzeugt, dass sich diese Frage bald von alleine löst. Dann nämlich, wenn Solarstrom vom eigenen Dach günstiger wird als der billigste Strom aus dem Netz.

Zurzeit ist Solarstrom in der Schweiz noch teuer und rar. Erst knapp zwei Prozent der Schweizer Energie stammt aus Sonnenkollektoren. Auch die Windenergie steckt in ihren Anfängen. Dank der Wasserkraft wird aber in der Schweiz bereits über 60 Prozent saubere Energie produziert, so wie sie Billy Parish definiert.

«Noch viel Arbeit bis zur sauberen Energie»

Um bis 2050 das 100-Prozent-Ziel zu erreichen, sind noch grosse Anstrengungen nötig. Diese lohnten sich aber, ist der Solar-Leasing-Pionier Parish überzeugt.

In diesem Übergang könnten nach den Berechnungen von Parish 125‘000 neue Jobs geschaffen werden, sagte Parish am Swiss Energy and Climate Summit in Bern. Auch wenn die Solar-Energie in der Schweiz dereinst boomen sollte, bleibt das wohl eine gewagte, optimistische These.