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Wirtschaft Tiefe Zinsen, tiefe Inflation, tiefes Wachstum

Zentralbankgeld bleibt billig wie nie. Die EZB belässt ihren Leitzins auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent. Doch trotz der Geldschwemme ist die Inflation im Euroraum bedenklich niedrig. Und die Konjunktur will nicht recht anspringen. Die EZB senkt ihre Prognosen abermals.

Europas Währungshüter halten am Zinstief fest. Der Leitzins im Euroraum bleibt nach Beschluss des EZB-Rates vom Donnerstag auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent.

Nur: Bis jetzt hat das viele billige Geld weder die Teuerung wie gewünscht angeheizt noch die Konjunktur richtig in Schwung bringen können. So wurde die Konjunktur-Prognose für 2015 von 1,6 auf 1,0 Prozent gesenkt, für 2016 von 1,9 auf 1,5 Prozent. Im zu Ende gehenden Jahr sollen es 0,8 (bisher 0,9) Prozent sein.

Entscheid über weitere Massnahmen

Tiefe Inflation, düstere Konjunktur-Prognosen, und das, obwohl der Leitzins schon fast bei Null ist. Was tun?

Viele Ökonomen rechnen damit, dass die EZB schon bald in den breit angelegten Kauf von Anleihen einsteigen wird, dem so genannten «Quantitative Easing» (QE). Der Entscheid könnte schon bald fallen – Anfang des nächsten Jahres will die EZB über neue geldpolitische Massnahmen entscheiden.

Beim «Quantitative Easing» drucken sich Zentralbanken quasi selbst Geld, um damit in grossem Stil Wertpapiere zu kaufen. Über den Erwerb von Unternehmens- oder Staatsanleihen sollen langfristige Zinsen gesenkt werden.

Zudem wird zusätzliches Geld ins Bankensystem geschleust, das die Institute wieder anderweitig - etwa in Form neuer Kredite - verwenden können. Das soll die Konjunktur in Schwung bringen.

Befürworter hoffen, dass der Erwerb von Unternehmens- und Staatsanleihen durch die Notenbank die Wirtschaft ankurbelt - und zugleich die Inflation wieder in Richtung des EZB-Zieles befördert. Denn die aktuelle Mini-Inflation lässt die Furcht vor dem Abrutschen in eine Deflation wachsen - also einer Abwärtsspirale der Preise, welche die ohnehin lahmende Konjunktur weiter bremsen könnte.

Legende: Video Deflation – Preiszerfall auf breiter Front abspielen. Laufzeit 01:05 Minuten.
Aus ECO vom 23.08.2010.

Die EZB strebt mittelfristig stabile Preise bei einer Inflationsrate knapp unter 2,0 Prozent an. Doch «Quantitative Easing» ist nicht unumstritten. Kritiker – beispielsweise die deutsche Bundesbank – monieren, solche Käufe würden die Reformmüdigkeit in einigen Ländern verstärken. Zudem bestehe das Risiko, dass die Inflation am Ende unerwünscht hoch ausfalle.

Sehr tiefe Inflationsprognosen

Die EZB rechnet bis mindestens 2016 mit einer geringen Teuerung. Für dieses Jahr wird mit einer Inflation von nur 0,5 Prozent gerechnet. Im nächsten Jahr erwartet die EZB eine Teuerung von 0,7 Prozent, 2016 dann von 1,3 Prozent.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Niederere, Rorschach
    QE ist a priori nicht schlecht. Die USA haben bewiesen, dass es funktioniert. Die USA sind mitten im Turnaround (ob man das nun wahrhaben will oder nicht). Um mit den Worten eines namhaften (Ex-) US-Notenbanker zu sprechen: "QE funktioniert in der Theorie nicht. Aber offenbar in der Praxis." Für die Schweiz muss die Frage nun nicht lauten: funktioniert QE in der EU-Zone. Viel mehr ist interessant: Wie kann die Schweiz an der offenbaren Abkoppelung der US-Wirtschaft teilhaben?
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  • Kommentar von Rolf Niederer, Rorschach
    Wer Deflation "akzeptiert", "akzeptiert" eben diesen angeprangerten selbstzerstörerischeren Wertzerfall der Wirtschaft. - Wissen Sie, was Deflation (oder gar Stagflation) bedeutet: die Preise von heute sind teurer als die Preise von morgen. Also, wann kaufen Sie? Klar: morgen! Teilen Sie das doch bitte ihrem Arbeitgeber mit: ihre Kunden werden morgen, vielleicht aber auch erst übermorgen, oder überübermorgen ihre Produkte kaufen. - Wichtig: fordern Sie jetzt noch höhere Löhne zum Wohlstand!
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  • Kommentar von V. Humbert, Carouge
    Das QE hat für die USA fabelhaft funktioniert. Vorerst. Nun, die wussten, was, und zwar sofort, zu tun ist. Die USA haben dieses wahnsinnige selbstzerstörerische Wirtschaftssystem schließlich "erfunden" und die Europäer haben dieses System immer noch nicht kapiert. Es funktioniert ausschließlich auf Pump... bis zur Implosion des ganzen. Ein zurück gibt es nicht mehr. Das war's.
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