Japaner wagen den Schritt Toshiba bringt Landis+Gyr an die Börse zurück

Das japanische Mutterhaus Toshiba will den Zuger Stromzählerhersteller Landis+Gyr zurück an die Börse bringen. Auch ein Verkauf wird allerdings noch nicht ausgeschlossen.

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Landis und Gyr: Verkauf oder Börsengang

1:16 min, aus Tagesschau vom 3.7.2017
  • Toshiba, die Eigentümerin von Landis+Gyr, will aus dem Stromzählergeschäft aussteigen und prüft verschiedene Optionen.
  • Der japanische Technologiekonzern will Landis+Gyr an die Schweizer Börse bringen – nach über 20 Jahren Abwesenheit.
  • Berichte über Verkaufsabsichten kursieren schon länger. Toshiba kämpft mit Verlusten.

Der Börsengang ist gemäss Landis+Gyr im dritten Quartal geplant. An einer Telefonkonferenz bezeichnete Landi+Gyr den Börsengang als aufregenden Schritt in der 120-jährigen Wachstumsgeschichte des Unternehmens.

Landis+Gyr-Chef Richard Mora schloss allerdings nicht aus, dass Landis+Gyr noch vorher als Ganzes verkauft werden könnte. Der Mehrheitsbesitzer Toshiba prüfe weiterhin verschiedene strategische Optionen. Es gebe Kaufinteressenten.

Aus Sicht von Landis+Gyr sei der Börsengang aber die bevorzugte Lösung, sagte ein Sprecher auf Anfrage der sda. Entscheiden werde schliesslich Toshiba. Zur Wahrscheinlichkeit einer der beiden Varianten wollte er sich nicht äusseren.

Die Besitzerfirmen planen die Veräusserung ihres gesamten Landis+Gyr-Aktienkapitals. Mora wollte keine Angaben zu einem möglichen Erlös des IPO, des sogenannten «initial public offering» beim Börsengang machen.

Keine Überraschung

Der japanische Toshiba-Konzern hatte Mitte April einen Börsengang von Landis+Gyr als strategische Alternative für einen Verkauf genannt. Als mögliche Kaufinteressenten waren zuvor der japanische Konkurrent Hitachi und andere japanische Firmen gehandelt worden.

Bereits im März hiess es in Medienberichten, Toshiba habe die UBS damit beauftragt, einen Verkauf oder einen Börsengang der Stromzähler-Tochter zu prüfen. Das Volumen bei einem Verkauf wird auf bis zu 2 Milliarden Dollar geschätzt. Die Zuger Traditionsfirma beschäftigt rund 5700 Mitarbeitende.

Toshiba hatte in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres einen massiven Verlust ausgewiesen und die US-Atomsparte Westinghouse Electric in die Insolvenz geschickt. Auch die Speicherchipsparte wurde abgespalten und steht offenbar zum Verkauf.

Einschätzung von SRF-Wirtschaftsredaktor Matthias Heim

Ein Börsengang des Zuger Traditionsunternehmens Landis+Gyr ist noch nicht in trockenen Tüchern. Für den bisherigen Mehrheitsaktionär Toshiba, der in grossen finanziellen Schwierigkeiten steckt, geht es primär darum, an möglichst viel neues Kapital zu kommen. Deshalb ist nach wie vor auch ein Verkauf des ganzen Aktienpakets an interessierte Investoren nicht ausgeschlossen. Aber für Landis+Gyr wäre der Zeitpunkt jetzt günstig, sich wieder dem Publikum zu öffnen und sich von dominierenden Aktionären zu lösen.

Landis+Gyr wurde in den vergangenen zwei Jahrzehnten regelrecht zwischen den Investoren hin und her geschoben und dabei fast aufgerieben. Alleine deswegen könnte eine Rückkehr in die Eigenständigkeit und der Börsengang zu mehr Kontinuität führen. Dem Werkplatz Schweiz und den 6000 Angestellten wäre es zu wünschen.