Umweltverbände fordern «grünere» Pensionskassen

Schweizer Pensionskassen investieren Milliarden von Franken in Konzerne, die Öl, Kohle oder Gas fördern. Den Umweltverbänden WWF und Greenpeace aber auch der SP und den Grünen sind diese Investitionen ein Dorn im Auge. Sie fordern den Ausstieg – bis in spätestens fünf Jahren.

Ein gelber Bagger bei der Arbeit in einem riesigen Braunkohletagbau. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Im Energiesektor ist viel Geld im Spiel. Reuters

Konzerne, die auf fossile Energieträger wie Öl, Kohle und Gas setzen, haben keine Zukunft. Davon sind Umweltorganisationen und linksgrüne Parteien überzeugt.

Deshalb sei das Geld, das Schweizer Pensionskassen in solche Titel investiert haben, viel zu riskant angelegt, erklärt der grüne Nationalrat Bastien Girod: «Diese fossilen Energien sind in Zukunft fast nichts mehr wert, wenn wir beim Klimaschutz ernst machen. Eigentlich ist es eine Wette gegen den Klimaschutz und gegen die Ziele des Bundes.» Deshalb sollen Pensionskassen und Vorsorgestiftungen nicht mehr in fossile Energieträger investieren dürfen.

«Carbon-Bubble» könnte platzen

Im Energiesektor geht es um viel Geld. Die Konzerne investieren jedes Jahr über 600 Milliarden Dollar alleine in die Erschliessung neuer Öl-, Gas- und Kohlevorkommen. Der Klimaschutz könnte diese Investitionen aber zu Milliardengräbern machen.

Denn sollte sich die internationale Gemeinschaft auf ein 2-Grad-Ziel beim Klimaschutz verständigen, könnten 80 Prozent der bereits heute bekannten Öl-, Gas- und Kohlevorkommen gar nicht mehr verbrannt werden. Die Konzerne blieben also auf ihren Reserven sitzen.

Angesichts dieses Risikos, warnt Katarina Serafimova, Finanzexpertin beim Umweltverband WWF, vor einem Platzen der CO2-Blase an den Finanzmärkten: «Wenn das die Investoren merken und wenn strengere Regulierungen kommen, dann platzt die sogenannte Carbon-Bubble, und die Vermögenswerte werden wertlos.»

ASIP: Verordneter Ausstieg widerspricht Auftrag

Ein verordneter Ausstieg aus diesen Energietiteln ist für Christoph Oeschger allerdings nicht denkbar. Er leitet die Anlagekommission des Schweizerischen Pensionskassenverbands ASIP: «Das widerspricht dem fundamentalen Auftrag der 2. Säule, unter gegebenen Risiken maximale Rendite zu erzielen.»

Zweifellos seien die Schweizer Pensionskassen in solchen sogenannten Energiewerte investiert, sagt er. «Ich gehe aber davon aus, dass diese Pensionskassen einerseits nahe genug an den Märkten sind und solche Entwicklungen rechtzeitig antizipieren könnten. Und dass sie andererseits in ihrem Anlageverhalten sehr breit diversifiziert sind, so dass sie mit solchen Verwerfungen – sollten sie dann eintreten – nicht wirklich in Schieflage geraten könnten.» Das entspreche letztlich der Erfahrung aber auch dem gesetzlichen Auftrag.

Parlament muss über Risiken beraten

WWF-Finanzexpertin Serafimova glaubt indes nicht, dass das Risikobewusstsein genügend gross ist: «Die Investoren denken im Moment alle, sie könnten rechtzeitig aussteigen. Das hat man bei früheren Finanzkrisen auch gedacht. Wenn dann alle gleichzeitig durch die Tür wollen, dann kann es eng werden.»

Christoph Oeschger vom Pensionskassenverband räumt ein, dass die Investitionen in nachhaltige Anlagen in der Schweiz bisher recht überschaubar seien. Doch müsse man aus heutiger Sicht auch sehen, dass diese Anbieter von nachhaltigen Anlagen bis heute den Nachweis nicht erbringen konnten, «dass sie bezüglich Rendite und Risikoverhalten mit den sogenannten konventionellen Anlagen wirklich mithalten können».

Und hier liegt der Hund begraben. Denn stimmt die Rendite nicht, dann stimmt es auch für den Versicherten einer Pensionskasse nicht. Weil sein Geld zu wenig Rendite abwirft. Die Frage, die sich heute also stellt, lautet: Welche Risiken sollen die Pensionskassen eingehen und welche nicht? Das Parlament wird in der nächsten Zeit darüber beraten müssen.