Worum geht es? In einer Studie wurden verschiedene Plug-in-Hybridautos untersucht. Solche Fahrzeuge sind in der Schweiz immer beliebter, der Marktanteil hat sich in den letzten Jahren auf derzeit 12 Prozent verdoppelt. Die Fahrzeuge werden mit zwei unterschiedlichen Motoren ausgestattet. Zum einen Elektroantrieb und zum anderen Treibstoffmotor – meistens Benzin, aber auch Diesel. Die Batterien dieser Plug-in-Hybridautos kann man zu Hause oder an einer Ladestation aufgeladen. Die Studie wurde von der eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt (Bafu) durchgeführt.
Was ist das Problem? Es gibt eine Diskrepanz zwischen dem offiziellen Verbrauch und dem Verbrauch in der Realität. Aktuelle europäische Realverbrauchsdaten zeigen, dass Plug-in-Hybride im Durchschnitt etwa fünfmal so viel Treibstoff verbrauchen und CO₂ ausstossen wie offiziell angegeben, sagt Empa-Studienleiterin Miriam Elser gegenüber SRF. Die Diskrepanz sei in den letzten Jahren grösser geworden: Für Fahrzeuge mit Erstzulassung 2021 lag der reale Wert im Durchschnitt noch etwa beim 3.5-fachen des Typprüfwerts.
Was unterscheidet Realität und Theorie? «Unter idealen Bedingungen fahren Plug-in-Hybride lange elektrisch und verursachen entsprechend geringe Emissionen», schreibt die Empa in ihrem Bericht. Unter realistischen Alltagsbedingungen könne jedoch der Effizienzvorteil verloren gehen. «Tiefe Temperaturen, eingeschaltete Heizung und dynamisches Fahren verkürzen die elektrische Reichweite deutlich. Der Verbrennungsmotor schaltet früher und häufiger zu. Dadurch steigen Treibstoffverbrauch sowie CO₂- und Schadstoffemissionen teils stark an», so das Fazit der Studie.
Was wurde untersucht? Die Empa untersuchte zwischen 2021 und 2023 acht aktuelle Plug-in-Hybridpersonenwagen verschiedener Hersteller auf einem Rollenprüfstand im Labor: Modelle der Marken Opel, Volkswagen, Skoda, Audi, Citroën, Renault und Mercedes-Benz. Gemessen wurden elektrische Reichweite, Strom- und Treibstoffverbrauch sowie CO₂- und Schadstoffemissionen. Die Tests wurden bei Temperaturen von 23 Grad, minus 7 Grad und minus 7 Grad mit eingeschalteter Heizung durchgeführt. «Ob die Fahrzeuge ihren Umweltvorteil im Alltagsgebrauch tatsächlich ausspielen können, hängt stark von der Nutzung, den Umgebungstemperaturen und dem Fahrzeugdesign ab», heisst es im Bericht.
Wie gross ist der Einfluss der Temperatur? Die Untersuchung der Modelle zeigt, dass sich die Reichweite des Elektromotors bei Temperaturen von minus 7 Grad (mit Heizung) um 41 bis fast 50 Prozent reduziert. Je nach Modell schaltet sich von Anfang an oder bereits nach wenigen Kilometern der Treibstoffmotor hinzu, als Ergänzung, was die Ökobilanz des Fahrzeuges verschlechtert.
Was sagt die Branche? Der Branchenverband Auto Schweiz betont in einer Stellungnahme gegenüber SRF, dass sich die Technik in den letzten Jahren deutlich verbessert habe. «Viele neue Plug-in-Hybride kommen rein elektrisch über 100 Kilometer weit. Man kann damit im Schweizer Alltag tagelang emissionsfrei fahren», schreibt Mediensprecher Frank Keidel auf Anfrage. Und: «Ein regelmässig geladener Plug-in-Hybrid ist fürs Klima klar besser als ein gleich grosses Verbrennerauto.» Es brauche aber genügend Ladestationen sowie niedrigere Strompreise.