UPC schnappt sich Eishockey-Rechte für neuen Sportsender MySports

Die Schweizer Eishockey-Liga sorgte Ende Juni für einen Paukenschlag: Sie vergibt die Fernsehübertragungsrechte neu an ein Konsortium rund um die UPC – für dreimal mehr Geld als bisher. Das hat Auswirkungen für Schweizer Sportfans.

Kamerann an einem Eishockey-Spiel der obersten Schweizer Liga. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die UPC will ihren neuen Sportsender «MySports» langfristig etablieren – und greift dafür tief in die Tasche. Keystone

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der neue Sportsender «MySports» von UPC kommt im Sommer 2017. Das digitale Pay-TV-Angebot im Schweizer Eishockey soll ab der Saison 2017/18 drei Millionen Haushalte erreichen.
  • Die Fernsehrechte für die Fussball-Super-League bleiben bei der Swisscom.
  • Die SRG beabsichtigt weiterhin, ausgewählte Eishockey-Spiele zu zeigen. Allerdings stellt sich die Kostenfrage.

Die Schweizer Eishockey-Liga vergibt die Fernsehübertragungsrechte neu. Diese gehen für dreimal mehr Geld als bisher an ein Konsortium rund um UPC, die damit ab 2017 einen neuen Sportkanal aufbauen will. Das Nachsehen hat der bisherige Rechteinhaber Teleclub.

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UPC Sportkanal «MySports»

Das Logo von UPC MySports

«MySports» wird aus einem Basis-Kanal bestehen, (gratis für UPC-Kunden und deren Verbreitungspartner), und aus rund vier zahlungspflichtigen Premium-Kanälen. UPC hat nach eigenen Angaben bereits mit 14 Mitgliedern des Verbandes Suissedigital Verbreitungsverträge abgeschlossen.

Eric Tveter, der US-Chef von UPC, ist ein grosser Eishockey-Fan: «Ich habe Eishockey gespielt, bis ich mit 45 ein Hüftgelenk ersetzen musste.» Doch dies ist natürlich nicht der einzige Grund, weshalb UPC mehr als 35 Millionen Franken pro Jahr einsetzen will, um die Schweizer Eishockeyspiele zu übertragen: «Eishockey ist sehr populär und damit eine gute Grundlage für das neue Fernseh-Sportangebot», sagt Tveter.

Ab der Saison 2017/18 will UPC zusammen mit einem guten Dutzend Glasfaser-Kabelnetzbetreibern in der ganzen Schweiz ein digitales Pay-TV-Angebot für drei Millionen Haushalte auf die Beine stellen. Bisher und noch für die kommende Saison hatte die Swisscom mit ihrer Tochter Teleclub die Eishockey-Rechte inne – für 12 Millionen Franken pro Saison.

UPC verfolgt langfrisitige Ziele

Nun hat die Konkurrenzsituation unter den Pay-TV-Anbietern die Kosten für die Fernsehrechte gleich verdreifacht, erklärt der UPC-Programmverantwortliche Roger Feiner: «Dass es gleich so hoch sein muss, hätten wir nicht erwartet. Aber das ist der Wettkampf im Markt.» Anders gesagt, die UPC war bereit, fast jeden Preis für die Eishockey-Rechte zu bezahlen.

Kurzfristig werde sich ein solcher Preis nicht refinanzieren lassen, gibt Feiner zu. «Aber entscheidend ist, dass es sich über die gesamte Dauer eines Senders rechnet – also über 5, 10, 15 Jahre. In einer Saison ist das sicher nicht möglich.»

Fussball bleibt bei Teleclub

Bezahlen muss die höhere Rechnung in erster Linie das Pay-TV-Publikum. Doch dieses wird nur bereit sein, mehr zu bezahlen, wenn es dafür ein exklusives Angebot bekommt. Dieser Drang nach exklusiven Inhalten hat die Kosten für die Fernsehrechte – auch international – explodieren lassen.

So erhält etwa die deutsche Fussball-Bundesliga künftig mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr für die Fernsehrechte, die britische Liga gar 2,3 Milliarden Euro. In der Schweiz stellt sich das Problem, dass UPC zwar für viel Geld die Eishockey-Rechte erworben hat; die Fussball-Rechte aber liegen auch künftig bei der Swisscom-Tochter Teleclub.

Zwei Abonnements für zwei Sportarten?

Sehr zum Leidwesen vieler Sportfans, die zwei Abonnements lösen müssten, um auch in Zukunft das volle Programm im Fussball und im Eishockey sehen zu können. Um dies zu verhindern, müssten Swisscom und UPC über eine Kooperation sprechen. Aber in diesem Fall würde sich die teuer eingekaufte Hoffnung auf exklusive Sportrechte für keinen der beiden Konkurrenten erfüllen.

Nur am Rande berührt vom finanziellen Wettrüsten der Pay-TV-Anbieter ist die SRG. Sie bleibe für die Sportverbände wichtig, sagt Florian Kohler, Chef des Schweizer Eishockeyverbands: «Eishockey muss im öffentlich-rechtlichen Fernsehen stattfinden. Davon war man in den letzten Jahren überzeugt, und davon sind wir auch für die Zukunft überzeugt.» Man werde also auch künftig «in einem ähnlichen Rahmen wie bisher» Schweizer Eishockey bei der SRG sehen können, sagt Kohler.

SRG zahlt nicht jeden Preis

Doch wenn sich die Kosten-Spirale weiter drehe, dann drohe auch die SRG an ihre finanziellen Grenzen zu kommen, ergänzt SRG-Sportchef Roland Mägerle: «Wir haben unsere finanzielle Planungen. Die haben wir einzuhalten. Wenn der finanzielle Rahmen plötzlich massiv überschritten würde, ist es denkbar, dass wir auch einmal verzichten müssen.»

Die SRG sei zu einem haushälterischen Umgang mit den Gebührengeldern verpflichtet, so Mägerle. Wie viel die SRG für die Eishockey-Rechte bezahlen muss, wird nicht mitgeteilt.