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Wirtschaft Vasella verzichtet auf seine 72 Millionen

Die öffentliche Empörung über seine Entschädigung hat Daniel Vasella zur Kehrtwende bewogen: Der abtretende Verwaltungsratspräsident von Novartis nimmt die 72 Millionen Franken-Zahlung nicht an.

Legende: Video Vasella verzichtet auf 72 Millionen abspielen. Laufzeit 3:58 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 19.02.2013.

Der scheidende Novartis-Verwaltungsratspräsident sah sich nicht nur Proteststürmen aus Politik und Wirtschaft ausgesetzt, auch eine Klage stand im Raum. Nun verzichtet er auf die 72 Millionen Franken, die er als Entschädigung erhalten hätte.

Die Millionen hätte er erhalten, wenn er sich sechs Jahre lang an ein Konkurrenzverbot und weitere Auflagen gehalten hätte. Der Betrag wurde am Freitagabend publik. Daniel Vasella selbst hatte ihn im Interview mit der «Tagesschau» von SRF bestätigt, worauf ein Sturm der Entrüstung losbrach.

Knapp zwei Wochen vor der Abstimmung zur Abzocker-Initiative floss diese Ankündigung wie Öl in loderndes Feuer. Befürworter sahen sich in ihren Anliegen bestätigt. Selbst Gegner befürchteten, ein Ja sei nun nicht mehr zu verhindern. Vasella hätte demnach seinen eigenen Reihen einen Bärendienst erwiesen.

Die Protestreaktionen waren denn auch ausschlaggebend für den Verzicht. «Ich habe verstanden, dass in der Schweiz viele den Betrag für die Einhaltung des Konkurrenzverbotes als unverhältnismässig hoch empfinden, trotz der Tatsache, dass ich meine Absicht bekannt gab, den Nettobetrag für wohltätige Aktivitäten zur Verfügung zu stellen», schreibt Vasella.

Novartis will mehr Transparenz

Vasella schreibt weiter: Deshalb habe er dem Verwaltungsrat empfohlen, dass er auf jegliche Zahlung in Zusammenhang mit der Konkurrenzverbotsabrede verzichtet.

Und der Vize-Verwaltungspräsident Ulrich Lehner sagte, der Verwaltungsrat und Daniel Vasella seien übereingekommen, «die Konkurrenzverbotsvereinbarung und die gesamte damit verbundene Entschädigung aufzuheben.»

Lehner wird nach der Generalversammlung vom kommenden Freitag als vorübergehender Verwaltungsratspräsident amten, bis der designierte Verwaltungsratspräsident gewählt und am 1. August 2013 sein Amt antreten wird.

Lehren gezogen

«Wir glauben nach wie vor an den Wert eines Konkurrenzverbots», so Lehner weiter. «Dennoch glauben wir, dass die Entscheidung, die Vereinbarung und die damit verbundene Entschädigung aufzuheben, den Bedenken der Aktionäre und weiterer Anspruchsgruppen Rechnung trägt.»

Offenbar zieht Novartis auf dem Fall Lehren. Der Verwaltungsrat sei sich der Bedeutung vollständiger Transparenz bewusst und werde seine diesbezüglichen Anstrengungen verstärken, heisst es in der Mitteilung weiter.

Legende: Video Der Druck der Öffentlichkeit. abspielen. Laufzeit 4:01 Minuten.
Aus 10vor10 vom 19.02.2013.

83 Kommentare

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  • Kommentar von Marc Dentand, Uruguay
    Vasella und andere haben bewirkt, dass der soziale Konsens, der der Schweiz Wohlstand gebracht hat, beschleunigt abbröckelt. Als Mächtige wollten sie alle Rechte haben, und sich dem Konsens der Gesellschaft nicht mehr unterstellen. Sie haben den sozialen Konsens in Form günstiger Geschäftsbedingungen ausgenutzt, um höhere Gewinne zu realisieren und gleichzeitig mit ihrem Gier ausgehölt (warum soll ich meiner Firma loyal sein?).
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  • Kommentar von Walter Starnberger, Therwil
    Nimmt mich wunder wann Roger Federer an der Reihe ist. Der Schweizer Tennis-Profi hat letztes Jahr 50 Millionen verdient. Mit Tennisspielen.
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    1. Antwort von Johnny Feierabend, Bern
      King Roger hat etwas getan für seine Kohlen und kassiert nicht fürs Aufhören. Und vor allem und entscheidend: Er bedient sich nicht selbst. Um beim Sport zu bleiben: Vielleicht erbarmt sich der FC Basel und engagiert Herrn Vasella für 73 Mio. als...spielt ja keine Rolle.
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    2. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      Auf seiner Homepage erfahren Sie über seine Millionen schweren Projekte in afrikanischen Ländern zur Bildung und Förderung von Kindern und ihres Umfelds, ebenso über seine Sportförderung in der Schweiz, wenn es Sie denn überhaupt interessiert. Im Übrigen, die Karriere der Sportprofis endet nicht mit 65, sie müssen also einerseits ihre Pension, andrerseits ihre weitere Laufbahn selber planen und finanzieren und die Existenz und Zukunft ihrer Familie absichern.
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  • Kommentar von esther moser, basel
    Vor zwei Jahren bin ich an Brustkrebs erkrankt, mein Sohn war vier Jahre alt und ich bin alleinerziehend. Die moderne Medizin hat mich gerettet, und das Kind hat immernoch eine Mutter. Für mich hat Novartis und Vasella daher eine ganz andere Bedeutung. Seinen wir doch froh, dass wir leben, und schätzen wir die Menschen, die etwas für uns machen können. Wenn wir immer neidisch sind, geht das Leben an uns vorbei, und das Leben ist kurz.
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    1. Antwort von H. Bernoulli, Zürich
      Es gibt Ärzte und Kliniken, welche höhere Erfolgsraten bei Krebsbehandlungen haben, als mit der reinen Anwendung der Pharmaindustrie-Medikamenten und Strahlentherapie. Sie müssen aber um ihr Wohl bangen und dürfen ja nicht zu bekannt werden, da ihnen sonst der Prozess gemacht wird. Siehe z.B. auf YT: Cancer is Serious Business. Dr burzynski movie full version . Oder siehe: "Royal Rife the cancer cure that worked 50 years of suppression". Es gibt kaum ein grösserer Skandal.
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    2. Antwort von Leonard Askanier, Berlin/Zürich
      Sie sprechen es aus, der Neid und die Missgunst ist leider in der Schweiz an der Tagesordnung. Novartis ist ein Weltkonzern mit welchem sich die Schweiz brüstet, doch leider ist die Schweiz noch nicht soweit um in Gedanken mit der Welt mitzuhalten.
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    3. Antwort von E. Kiefer, Reigoldswil
      Schön, dass Ihnen geholfen werden konnte. Aber als langjähriger wissenschaftlicher Mitarbeiter und Marketingleiter in der Chemiebranche muss ich Ihnen leider sagen, dass ich nicht einen einzigen Entscheid in bezug auf Forschung und Verkauf erlebt habe, der nicht ganz klar auf Profit ausgerichtet war. Finanziell unatraktive Projekte wurde leider von Anfang an nicht in die Forschung aufgenommen oder sehr bald wieder abgesetzt. Weder die "Chemie" noch deren Kader verdienen einen Heiligenschein.
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