Negative Fremdenverkehrsbilanz Viel mehr Geld fürs Fernweh

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Im Tourismus fliesst Geld ab

1:58 min, aus Tagesschau vom 30.6.2017

Der Saldo der Fremdenverkehrsbilanz der Schweiz ist 2016 erstmals in seiner Geschichte negativ: Das bedeutet, dass Schweizer auf ihren Reisen im Ausland mehr Geld ausgegeben als ausländische Gäste in der Schweiz.

Schneeweiser Strand mit einigen Badegästen und blauer Himmel. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die finanziellen Möglichkeiten und das Fernweh ziehen die Schweizer ins Ausland, etwa auf die Playa de Varadero, Kuba. Imago

Insgesamt nahmen Schweizer im Ausland rund 16,3 Milliarden Franken in die Hand, was ein kräftiges Plus von 5,3 Prozent ausmacht. Im Gegenzug gaben ausländische Gäste in der Schweiz 16 Milliarden Franken aus, was einen Rückgang von 1,2 Prozent ergibt. Darin sind auch die Ausgaben von Kurzaufenthaltern und Grenzgängern sowie des Tages- und Transitverkehrs enthalten.

Gemäss den ersten Schätzungen des BFS beläuft sich der negative Saldo der Fremdenverkehrsbilanz auf minus 252 Millionen Franken. Es ist damit der erste negative Saldo seit Beginn der Statistik im Jahre 1975. Jahrzehntelang waren immer Milliardenüberschüsse die Regel gewesen.

Diagramm Fremdenverkehrsbilanz Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Fremdenverkehrsbilanz der Schweiz 1975-2016. BFS

Portemonnaie sitzt bei den Schweizern locker

Gemäss den Auswertungen des Bundesamts für Statistik (BFS) schlägt sich damit nieder, dass seit dem «Frankenschock» im Januar 2015 weniger ausländische Gäste in der Schweiz übernachten. Damals wurde von der Nationalbank der Euro-Mindestkurs aufgehoben.

Generell hat die Ausgabenfreudigkeit der Schweizer auf ihren Reisen im Ausland stark zugenommen. 2016 liessen sie dort rund 4,5 Milliarden Franken mehr liegen als noch zehn Jahre zuvor.

Dies habe mehrere Gründe, erklärte Camille Gonseth vom BFS. Einerseits habe die Teuerung zum Anstieg beigetragen. Zudem hätten dank des Wirtschaftsaufschwungs die Schweizer mehr Geld für Reisen ins Ausland zur Verfügung. Gleichzeitig habe auch das Tourismusangebot zugenommen, und die Wohnbevölkerung sei gewachsen.