«Viele Geschäfte haben bei der Pelzdeklaration Probleme»

Der Kragen an der Kapuze, der Bommel an der Kappe, der Rand an den Stiefeln: Im Winter haben viele Kleidungsstücke einen Pelzbesatz. Manchmal aus Echtpelz – oft aus Kunstpelz. Manchmal wird allerdings ersterer als letzterer ausgegeben.

Eine Frau in der Dämmerung mit einer Jacke mit fellbesetzter Kapuze über den Kopf geschlagen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Stoff oder Leder an der Wurzel der Haare: So lässt sich testen, ob ein Pelz echt ist oder nicht. Keystone

Offenbar kommt es auch in der Schweiz vor, dass etwas als Kunstpelz deklariert wird, in Wahrheit handelt es sich aber um echten Pelz. Dieser stammt nicht selten aus qualvollen Fuchs- oder Marderhundzuchten in China. Dort werden Tiere auf kleinstem Raum gehalten und zum Teil bei vollem Bewusstsein gehäutet.

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Mathias Lörtscher

Mathias Lörtscher

Mathias Lörtscher ist Leiter der Abteilung Artenschutz beim Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) und Mitglied des «Animals Committee», dem wissenschaftlichen Expertengremium der Washingtoner Arten- und Pflanzenschutzkonvention CITES.

SRF News: In der Schweiz kontrolliert das Bundesamt für Veterinärwesen die Deklaration. Kommt es oft vor, dass echter Pelz mit Kunstpelz angeschrieben ist?

Mathias Lörtscher: Unsere Kontrollen haben nach anderthalb Jahren gezeigt, dass die Deklaration von Echtpelz als Kunstpelz ein sehr seltener Fall ist. Wir haben nur eine handvoll solcher Fälle, bei denen das Material effektiv nicht korrekt angeschrieben wurde.

Vom Gesetz her kann ich aber grundsätzlich davon ausgehen: Wenn nichts steht und das Produkt sehr günstig ist, dann ist es Kunstpelz – oder nicht?

Davon kann man nicht 100-prozentig ausgehen. Unsere Kontrollen haben auch gezeigt, dass viele Geschäfte bei der Deklaration noch Probleme haben. Pelzprodukte sind häufig nicht ganz korrekt angeschrieben. Und es gibt auch Fälle von Produkten, bei denen gar nichts deklariert ist.

Wollen denn die Läden nicht besser deklarieren, ob und was für Pelz sie verkaufen, oder können sie es nicht?

Zum Teil fehlt das Wissen, zum Teil fehlt auch die Information. Dies, weil die Beschaffungswege von Pelzprodukten meistens kompliziert sind; besonders im unteren Preissegment, wenn es etwa um Bordüren geht. Die Herkunft eines Pelzproduktes nachzuverfolgen, ist also relativ schwierig. Hinzu kommt, dass die Schweiz das einzige Land in Europa ist, welches eine Deklaration bei echten Pelzprodukten verlangt.

Es kann also sein, dass der Mantel oder die Jacke zum Beispiel aus Portugal kommt, und der Pelzkragen aus China wird dort angenäht?

Oder auch, dass ein Pelzbesatz, der ursprünglich in Dänemark produziert wurde, dann von Chinesen gekauft wird, dort weiterverarbeitet wird und dann über mehrere Länder geht, bis schliesslich das Endprodukt in der Schweiz landet.

Das betrifft vor allem das untere Preissegment, sagen Sie. Wie kann es denn sein, dass echter Pelz so günstig ist – offenbar noch günstiger als Kunstpelz?

Die Produktion von Kunstpelz – je nach Qualität – kann recht aufwendig sein und daher auch einen entsprechenden Preis erfordern. Andererseits gibt es im asiatischen Raum, speziell in China, Produktionsmethoden mit Marderhunden, bei denen der Preis pro Stück am Ende tiefer ist als der von Kunstpelz.

Die Händler müssten eigentlich deklarieren, was für eine Art Pelz sie verkaufen. Wenn sie dieser Pflicht nicht nachkommen, können Sie die Läden dann büssen?

Wir leiten ein Verfahren ein. In einer ersten Phase kann das Geschäft die richtigen Informationen nachliefern und korrekt deklarieren. Wenn das nicht geschieht und auf unsere Aufforderung nicht eingegangen wird, kann das bis zu einer Busse gehen.

Wie kann ich beim Einkauf einen echten Pelz von einem Kunstpelz unterscheiden?

Man kann bei Pelzen zum Beispiel die Haare auseinanderziehen und den Boden suchen, auf dem der Pelz zu wachsen begann. Wenn dieser Untergrund aus Stoff ist, ist es Kunstpelz. Wenn es Leder ist, handelt es sich in der Regel um Echtpelz.

Das Gespräch führte Ivana Pribakovic.