Zum Inhalt springen
Inhalt

Illegale Preisabsprachen VW äussert sich – und sagt dennoch nicht viel

Legende: Audio VW bespricht Vorwürfe hinter verschlossenen Türen abspielen. Laufzeit 01:22 Minuten.
01:22 min, aus HeuteMorgen vom 27.07.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Aufsichtsrat des Autoherstellers Volkswagen hat hinter verschlossenen Türen die jüngst laut gewordenen Vorwürfe besprochen.
  • Gemäss dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» soll es zwischen VW, Audi, Daimler, Porsche und BMW zu kartellähnlichen Absprachen gekommen sein.
  • Im Detail äusserte sich der Aufsichtsrat anschliessend nicht dazu.
  • Man arbeite voll mit den Behörden zusammen, hiess es. Allgemein sei zu bemerken, dass der Austausch unter den Herstellern zu technischen Fragen weltweit üblich und sinnvoll sei.

VW hat als Erster Stellung zu den neusten Vorwürfen gegen die deutsche Autobranche genommen. Die EU-Kommission geht derzeit dem Verdacht illegaler Absprachen zwischen VW, Audi, Daimler, Porsche und BMW nach. Das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» hatte zuvor berichtet, seit den 1990er-Jahren gebe es eine Art Kartell.

Es war unter anderem der SPD-Ministerpräsident Stephan Weil von Niedersachsen, der eine ausserordentliche Aufsichtsratssitzung von VW gefordert hatte. Denn das Bundesland ist Grossaktionär bei Volkswagen und Weil war bis zur Publikation des «Spiegel»-Artikels ahnungslos gewesen.

Doch der Erkenntnisgewinn der Sitzung war gering. «Im Kern geht es immer um eine Frage: Handelt es sich noch um erlaubte und wettbewerbsneutrale Gespräche und Absprachen zwischen Automobilunternehmen, oder handelt es sich schon um unerlaubte und wettbewerbsbeeinflussende, wettbewerbseinschränkende Vereinbarungen», sagte Weil am Mittwochabend nach der Sitzung. Der Fall wird also langwierige Untersuchungen durch das Kartellamt zu Folge haben.

Sieben Prozent der Wertschöpfung in Deutschland geht direkt oder indirekt auf die Autoindustrie zurück.
Autor: Christian RammerÖkonom

Nach dem Dieselskandal ist die deutsche Autobranche damit erneut ins Zwielicht geraten. Der Vertrauensverlust ist enorm. Aber auch die deutsche Politik muss sich vorwerfen lassen, zu lange die Augen verschlossen und ihre Kontrollaufgabe nicht richtig wahrgenommen zu haben.

Ein Grund dafür: «Sieben Prozent der Wertschöpfung in Deutschland geht direkt oder indirekt auf die Autoindustrie zurück», sagt der Ökonom Christian Rammer vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung.

Die Automobilbranche ist für unseren nördlichen Nachbarn fast so wichtig wie der Bankensektor in der Schweiz.

EU-Kommission informiert

Gemäss «Süddeutscher Zeitung» soll die EU-Kommission schon seit längerem von Absprachen der Autokonzerne gewusst haben. Demnach soll Daimler bereits 2014 eine Art Selbstanzeige in Brüssel erstattet haben. Gleichzeitig habe der Konzern auch das deutsche Kartellamt informiert. Oft ermittelt Brüssel etliche Jahre lang, bis ein Ergebnis feststeht.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

2 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Bruno Hochuli (Bruno Hochuli)
    Ob die Betrügereien der Autofirmen richtig aufgeklät wird, ist zu bezweifeln. Der Staat hat kein grosses Interesse auf Millionen zu verzichten. Was den Schweizerbanken mit grosser Entrüstung vorgeworfen worden ist (zurecht) müsste der Staat bei ihren hochgelobten Autofirmen auch tun. Eine Schande wie die Autokäufer auf der ganzen Welt betrogen worden sind. Ohne Betrug geht wohl nichts mehr.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Während sich die Deutsche Regierung ernsthaft Sorgen um ihre Automobilindustrie (7% des BIP) macht, hat unser unfähiger, dekadenter Bundesrat kein Problem damit, mal kurz auf 10% des BIP zu verzichten (Bankenstreit mit den USA und der EU) oder 6.8% (Tourismus infolge der Verschandelung der berühmten Schweizer Landschaft mit Windrädern)..... Klar unsere Berufspolitiker und Beamten haben ja ihren Lohn... woher der kommt, ist egal... Hauptsache, man kann zusammen mit dem "Feind" lächeln....
    Ablehnen den Kommentar ablehnen