VW schreibt grössten Verlust der Firmengeschichte

Der Abgas-Skandal wird richtig teuer für Volkswagen. Der Autobauer hat einen Milliardenverlust für das Jahr 2015 eingefahren. Und die Auswirkungen der Krise könnten noch lange zu spüren sein.

Der Autobauer wies für 2015 einen Betriebsverlust von 4,1 Milliarden Euro aus. Hauptgrund seien Rückstellungen von 16,2 Milliarden Euro, um die Lasten des Skandals zu schultern, teilte Volkswagen im Anschluss an eine Aufsichtsratssitzung mit.

«Das ist auch für VW wahnsinnig viel Geld»

2:01 min, aus Tagesschau vom 22.4.2016

Dies sei auch für einen grossen Konzern wie VW wahnsinnig viel Geld, sagt SRF-Korrespondent Adrian Arnold. «VW ist in den letzten Jahren jedoch so gut aufgestellt gewesen, dass man den Betrag wohl stemmen wird, ohne daran zu zerbrechen.»

Im Vorjahr hatte der Konzern einen operativen Gewinn von 12,7 Milliarden Euro erwirtschaftet. Unter dem Strich fiel ein Verlust von 1,4 Milliarden Euro an, nach dem deutschen HGB-Bilanzstandard sogar von 5,5 Milliarden Euro.

Zusatzinhalt überspringen

Auch Porsche betroffen

Auch Porsche betroffen

reuters

Der Abgas-Skandal hat auch die VW-Dachgesellschaft Porsche SE in die Verlustzone gerissen. Der Autobauer rechnet mit einem Nachsteuerverlust von voraussichtlich 273 Millionen Euro. 2014 hatte es noch einen satten Gewinn von gut 3 Milliarden Euro gegeben. Die kompletten Zahlen für 2015 will das Unternehmen Ende kommender Woche vorstellen.

Umsatzrückgang prognostiziert

Der Umsatz stieg im vergangenen Jahr um 5,4 Prozent auf 213 Milliaren Euro. Für das laufende Jahr stellte das Management um Konzernchef Matthias Müller einen Umsatzrückgang um bis zu fünf Prozent und eine operative Rendite zwischen fünf und sechs Prozent in Aussicht. Die VW-Aktie büsste den grössten Teil ihres Vortagesgewinns ein.

Europas grösster Autobauer hatte sich am Donnerstag mit den US-Behörden auf Grundzüge eines milliardenschweren Entschädigungsplans verständigt. Dieser sieht in den USA den Rückkauf von bis zu einer halben Million Dieselfahrzeugen mit manipulierten Abgaswerten und eine signifikante Entschädigung der Autobesitzer vor.

Letzter gravierender Verlust vor 23 Jahren

Zuletzt hatte es im Jahr 1993 einen Jahresfehlbetrag gegeben, als sich VW ebenfalls in einer Krise befand: 1,94 Milliarden D-Mark, also umgerechnet rund eine Milliarde Euro. Weitere Verluste in den 1980er- und 1970er-Jahren waren weit geringer. Im Jahr 2014 hatte der Konzern unter dem Strich rund 11 Milliarden Euro verdient.

Dass VW die finanziellen Probleme stemmen wird, hält Adrian Arnold für gut möglich. Weitaus teurer könnten die Kratzer in der Reputation den Konzern zu stehen kommen: «Die Frage ist vielmehr: Wird man den Imageschaden jemals wiedergutmachen können oder sind die goldenen Jahre des Konzerns endgültig Teil der Geschichte von VW», fragt Arnold.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Einigung über Entschädigung

    Aus Tagesschau vom 22.4.2016

    VW hat sich in den USA mit Behörden und Kunden über eine Entschädigung im Abgasskandal geeinigt. Sie kostet den Autokonzern rund 16.4 Milliarden Euro. Einschätzungen von SRF-Wirtschaftsredaktor Christian Kolbe.