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Elektroautos VW will Batterienmarkt aufmischen

VW setzt auf Elektroautos, das hat der Konzern am Freitag angekündigt. Zentral sind dabei die Batterien: sie bestimmen die Laufleistung der Autos. Bisher werden diese fast ausnahmslos in Asien produziert. VW will sie selber herstellen – in Deutschland. Eine gewagte Strategie, sagen Experten.

Blick auf die VW-Fabrik in Hannover.
Legende: Trotz schwierigem Umfeld will VW Batterien für Elektrofahrzeuge selber in Deutschland herstellen. Keystone
  • Obschon VW bei der Herstellung von Batterien für Elektroautos im Vergleich zu asiatischen Herstellern bei null anfängt, will der Konzern eine eigene Herstellung aufgleisen
  • Die VW-Batterien sollen trotz hohem Kostendruck in Deutschland hergestellt werden
  • Experten äussern sich skeptisch zum Unterfangen

Die Batterien sind ein Kernstück von Elektroautos und werden fast ausnahmslos von drei asiatischen Konzernen produziert: von Panasonic, Samsung und LG. VW will in seine Autos allerdings nicht asiatische Batterien einbauen, sondern Produkte «Made in Germany».

Eigene Batterien zu produzieren, sei für den Konzern allerdings ein risikoreiches Unterfangen, meint Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg: «Es ist eine völlig neue Technologie, die VW bisher überhaupt nicht beherrscht hat. Diejenigen, die sich seit Jahrzehnten mit Batterien beschäftigen, die Produktionsverfahren kennen, sind sicherlich mit Vorteilen unterwegs.»

VW muss folglich einen Rückstand wettmachen. Der Konzern ist sich dessen bewusst, wie Bernd Osterloh sagt, Mitglied im VW-Verwaltungsrat: «Sicherlich, die Serienfertigung wird ein langer und vielleicht auch steiniger Weg werden. Wir sind aber überzeugt, es lohnt sich.»

Hoher Kostendruck

Ob sich die Investitionen für Volkswagen dereinst auszahlen, ist offen. Lohnen soll es sich in jedem Fall für Deutschland, ist Bernd Osterloh überzeugt. «Wir schaffen die Arbeitsplätze von morgen und sichern Know-how am Standort Deutschland.» In Deutschland künftig Millionen von Batterien zu produzieren, ist für Ferdinand Dudenhöffer ebenfalls eine gewagte Strategie: «Deutschland ist nicht das preisgünstigste Produktionsland der Welt.»

Will Volkswagen also in Zukunft auch noch Geld verdienen, muss die künftige Batterieproduktion entsprechend effizient sein. Vor allem angesichts der Tatsache, dass die Preise für Batterien in den vergangenen Jahren um 70 Prozent gefallen sind und weiterhin sinken dürften.

Der zukunftsträchtige Markt der Elektroautos

Der zukunftsträchtige Markt der Elektroautos
Neben den bisher drei dominierenden asiatischen Herstellern von Elektrobatterien (LG, Panasconic und Samsung) dürfte künftig auch der kalifornische Autoproduzent Tesla ein wichtiger Produzent von Batterien werden. Tesla ist derzeit mit Panasonic daran im amerikanischen Bundesstaat Nevada eine gigantische Batteriefabrik zu bauen, die ab 2018 ihre volle Kapazität erreichen soll. Das Beratungsunternehmen Boston Consulting Group (BCG) geht davon aus, dass 2020 in China, Japan, USA und Westeuropa rund 14 Millionen elektrisch angetriebene Autos fahren werden. 2015 waren es gemäss der Internationalen Energieagentur gut 1 Million Elektrofahrzeuge. Entsprechend gross wird in Zukunft der Bedarf an Batterien sein. BCG geht davon aus, dass der Batteriemarkt 2020 ein Volumen von 25 Milliarden Dollar haben wird. Derzeit gehen die Analysten von 5 Milliarden aus. Gleichzeitig dürften die Preise für Elektrobatterien weiter sinken. Eine schwedische Studie zeigt, dass die Preise für Elektrobatterien zwischen 2007 und 2015 um rund 70 Prozent gefallen sind, und der Preisezerfall dürfte weitergehen, wenn auch nicht mehr so rasch wie bis anhin, so das Fazit von BCG.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
    Diese Strategie kann nur funktionieren, wenn man in der Fertigung praktisch auf Manpower verzichtet. Das Argument, die "Arbeitsplätze von morgen" zu schaffen, verfängt hier nicht. Vordringlichste Vorteile dieser Strategie: Lokalisation des Produktionsablaufs, Wegfall von Zwischenhandel und damit Reduktion der Abhängigkeit vom Ausland auf die Zulieferer der Rohstoffe.
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  • Kommentar von Kurt E. Müller (KEM)
    "Neben den bisher drei dominierenden asiatischen Herstellern von Elektroautos (LG, Panasconic und Samsung) ... Liebes SF Team, da ist euch wohl ein Fehler unterlaufen. Die drei machen keine Elektroautos, sondern Batterien.
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    1. Antwort von SRF News
      Herzlichen Dank für Ihren Hinweis. Wir haben den Fehler korrigiert.
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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Die Aussicht auf Subventionen vom Deutschen Steuerzahler in Milliardenhöhe dürfte hier wohl die wichtigste Rolle gespielt haben.... übrigens ein Prinzip, mit welchem der hochverschuldete Deutsche Staat die Industrieproduktion im eigenen Land behält. Während unser Schweizer Wirtschaftsminister Däumchen dreht und die Linken und Grünen mit ihren Wohlstand-Dekadenz-Gutmensch-Initiativen wie Atomausstieg etc. der Industrie geradewegs den Garaus machen und 1 Mio. Schweizer Arbeitsplätze gefährden.
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    1. Antwort von roland goetschi (pandabiss)
      Und wie viele Arbeitsplätze gefährdet die MEI der SVP. PS. Ein umstieg weg von der überteuerten Atomenergie zu alternativen Energien würde wohl mittelfristig zusätzliche Arbeitsplätze schaffen.
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