Zum Inhalt springen

Header

Symbolbild: Notenbündel aus Dollar und Euro sowie Goldbarren.
Legende: Die SNB sitzt auf umgerechnet über 500 Milliarden Franken Devisenreserven. Keystone
Inhalt

Wirtschaft Wäre ein Staatsfonds nicht die Lösung?

Die Schweizer Nationalbank sitzt nach vier Jahren Kampf gegen die Frankenstärke auf einem riesigen Devisenberg. Anstatt diesen als notwendiges Übel zu betrachten, könnte die SNB auch einen Staatsfonds äufnen und damit investieren. Der Gewinn käme dem Land zu Gute.

Die historisch hohen Währungsreserven der Nationalbank bereiten Andreas Höfert Sorgen. «Die Schweiz hat die vierthöchsten Währungsreserven der Welt», sagt der Chefökonom der weltweiten Vermögensverwaltungsabteilung der UBS. Vor der Schweiz würden nur China, Japan und Saudi-Arabien liegen.

Gewinne für die Allgemeinheit

Höfert findet deshalb die Idee bestechend, einen Teil der Devisenreserven aus der Bilanz der Nationalbank zu nehmen und damit einen Staatsfonds zu aufzulegen. Dieser Staatsfonds wäre unabhängig von der Nationalbank, könnte selbständig anlegen und seine Gewinne würden der Allgemeinheit zu Gute kommen.

Gleichzeitig sieht der UBS-Chefökonom im Staatsfonds ein Mittel gegen den Aufwertungsdruck auf den Franken. Denn durch Investitionen des Staatsfonds im Ausland könnte der Zufluss an Mitteln in Franken etwas wettgemacht werden.

Anstatt die ausländische Nachfrage nach Schweizer Franken mit allen Mitteln zu bekämpfen, würde sich die Schweiz also fürs Interesse bedanken und das hereinfliessende Geld für Investitionen im Ausland nutzen. Eine Idee, die neben Höfert auch andere Ökonomen, insbesondere von Banken in letzter Zeit öffentlich unterstützten.

Nationalbank wäre in ihren Handlungen eingeschränkt

Um die Flexibilität der Nationalbank zu wahren – so die Befürworter eines Staatsfonds – müsste sichergestellt sein, dass die Nationalbank den Fonds nicht nur speist, wenn sie überschüssige Devisen hat, sondern diesen bei Bedarf auch anzapfen kann. Bei der konkreten Ausgestaltung könne man auf Erfahrungen aus Norwegen und Singapur zurückgreifen. Beide Länder betreiben seit Jahren Staatsfonds.

Allerdings will die Nationalbank selbst nichts von einem Staatsfonds wissen. Ein solcher würde die Bank in ihrem Handlungsspielraum massiv einschränken, sagt Direktoriumsmitglied Fritz Zurbrügg. Man müsse die Bilanz jederzeit wieder zurückfahren können, sollte der Franken wieder schwächer werden. Bei Fonds mit langfristige Anlagen wäre das nicht möglich.

Gefahr der Verpolitisierung der SNB

Auch Aymo Brunetti, Professor für Wirtschaftspolitik an der Universität Bern und Leiter einer Expertengruppe des Bundes zur Zukunft des Schweizer Finanzplatzes, hält nichts von der Idee eines Staatsfonds. Ein solcher würde die Nationalbank nicht nur einschränken, sondern vor allem auch zu einer gefährlichen Politisierung führen.

Audio
SNB-Staatsfonds aus Währungsreserven?
04:06 min, aus Echo der Zeit vom 18.06.2015.
abspielen. Laufzeit 04:06 Minuten.

Weil der Staatsfonds eine Rendite erzielen müsste und dafür Einfluss auf ausländische Firmen nehmen würde, käme die Nationalbank sehr rasch unter politischen Druck. Dies müsse die SNB als unabhängiges Institut auf jeden Fall verhindern. Auch lasse sich die Schweiz überhaupt nicht mit Singapur oder Norwegen vergleichen, ergänzt Brunetti.

Die Idee eines Staatsfonds ist umstritten. Je nachdem, wie sich der Devisenberg in den kommenden Monaten entwickelt, wird sie Anhänger gewinnen oder verlieren: Je mehr Devisen in den Tresoren der Bank liegen, desto grösser wohl der Druck auf die Nationalbank und desto attraktiver die Idee, daraus einen Staatsfonds aufzulegen.

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

15 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Aktuell sind keine Kommentare unter diesem Artikel mehr möglich.

  • Kommentar von Serge Kiesler , Bern
    Würde der Staatsfonds in griechische Staatsanleihen investieren, und der Bund für Verluste dieses Fonds geradestehen, wäre zumindest die Frankestärke kein Thema mehr.
  • Kommentar von M Jaeger , Wildwil
    Es wäre ganz einfach: Ein Fond aus selber gedrucktem Geld kann keinen Verlust machen. Die SNB getraut sich aber nicht weil es von den umgebenden Ländern auf Unverständnis stossen könnte (Originaltext eines Mitgliedes der SNB) Man getraut sich also nicht, das neue Auto zu kaufen weil der Nachbar neidisch werden könnte. Alles wie gehabt. Vorauseilender Gehorsam ad absurdum.
  • Kommentar von P.Meier , Zürich
    Ich finde die Idee eines Staatsfonds gut, wenn das Geld in Gold sowie ausländische Aktien & Grundstücke investiert wird. Eine Google Aktie oder Agraarland in Europa wird in 50 Jahren ein vielfaches von heute Wert sein.
    1. Antwort von Leander Eyer , Naters
      Das selbe hätte man vor 15 Jahren von Nokia Aktien gesagt. Die Börse ist ein Casino.