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Legende: Audio Weniger Jobs für Niedrigqualifizierte? abspielen. Laufzeit 03:26 Minuten.
03:26 min, aus Echo der Zeit vom 09.04.2019.
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Wandel des Arbeitsmarkts Warum es nicht mehr «Digitalisierungsverlierer» gibt

Die moderne Arbeitswelt macht immer mehr Unqualifizierte arbeitslos, so die landläufige Meinung. Das stimme so nicht, sagt Experte George Sheldon.

Gut 112'000 Personen waren Ende März in der Schweiz als arbeitslos eingeschrieben. Davon haben rund 40 Prozent keine Berufsausbildung oder nur eine Anlehre gemacht. Diese Quote ist seit der Jahrtausendwende konstant, also entgegen landläufiger Meinung durch die Digitalisierung nicht explodiert.

Unbestritten ist, dass die Stellensuche ohne Ausbildung zusehends schwieriger wird. Auch ist das Arbeitslosigkeitsrisiko bei Unqualifizierten dreimal höher als bei Personen mit einem Uni- oder Fachhochschulabschluss, wie eine Studie der Universität Basel zeigt.

Verlagerung in den Dienstleistungssektor

Die Anforderungen stiegen aber nicht, weil die Arbeit immer digitaler werde, erklärt der Basler Arbeitsmarktexperte George Sheldon. So sei es in den 1980er-Jahren viel schwieriger gewesen, mit Computern zu arbeiten. «Heute ist die Bedienung wesentlich einfacher, denn wenn die Technologie den Menschen nicht entgegenkommt, wird sie nicht angenommen.»

Sheldon sieht die Digitalisierung denn auch vielmehr als Fortsetzung eines Trends hin zu Rationalisierung und Automatisierung. Ein Trend, der vor allem im herstellenden Gewerbe schon seit Jahrzehnten zu beobachten ist. Als Folge davon habe der Dienstleistungssektor immer mehr Gewicht erhalten. Denn dort sei es schwieriger, Menschen durch Maschinen zu ersetzen.

Tiefere Löhne und höheres Risiko

«Das Problem von Niedrigqualifizierten ist, dass sie sich wegen des technischen Wandels mit Dienstleistungsberufen zufriedengeben müssen», betont Sheldon. Mit dem Mangel an Berufsqualifikation gingen niedrige Löhne oder verstärkte Arbeitslosigkeit einher. «Das ist nicht nur in der Schweiz so, sondern in allen Industrienationen», sagte Sheldon. Trotz dieser Entwicklung glaubt er nicht, dass es künftig mehr unqualifizierte Arbeitslose geben wird.

Zu diesem Schluss kommt auch eine Studie im Auftrag des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco). Denn mit der kleineren Nachfrage nach Unqualifizierten steige auch der Bildungsstand der Bevölkerung. Der Strukturwandel habe daher nicht zu zusätzlicher struktureller Arbeitslosigkeit geführt, folgert die Behörde.

Sheldon: Bildungssystem ist gut gerüstet

Ein Indiz für das steigende Bildungsniveau liefert die Maturitätsquote. Absolvierte 2000 erst jeder vierte Jugendliche eine gymnasiale Matur oder eine Berufsmatur, sind es heute 40 Prozent – mit steigender Tendenz.

Das Schweizer Bildungssystem sei gut gerüstet für die steigenden Anforderungen, sagt Sheldon und verweist auch auf die vielen, bereits bestehenden Passerelle-Möglichkeiten. Jedermann könne sich weiterbilden und höherkommen. Die Herausforderung bestehe darin, die bildungsfernen Schichten dazu zu bringen, dass sie die Chancen dieses Bildungssystems nutzten.

Die bildungsfernen Schichten müssen dazu gebracht werden, die Chancen des Bildungssystems zu nutzen.
Autor: George SheldonArbeitsmarktexperte, Universität Basel
Legende:
Maturitätsquote 2015 wurde eine neue Berechnungsmethode (Netto- statt Bruttoquoten) eingeführt. BFS

Das Seco verweist auch auf die verstärkte Unterstützung von Jugendlichen bei der Lehrstellensuche und den Aufbau von verkürzten, zweijährigen Berufslehren. Der künftigen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt schaut die Behörde deshalb relativ gelassen entgegen: Angesichts des steigenden Qualifikationsniveaus der Bevölkerung gibt es keinen Grund, einen Anstieg bei unqualifizierten Arbeitslosen zu befürchten.

Dank steigendem Qualifikationsniveau ist ein Anstieg bei den unqualifizierten Arbeitslosen nicht zu befürchten.
Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco)

Viele gut ausbildete Einwanderer

Das Qualifikationsniveau steigt im Zuge des Abkommens über die Personenfreizügigkeit (FZA) auch bei den Einwanderern. Mehr als die Hälfte davon verfügt über einen Hochschulabschluss.

Text der die Postergrafik beschreibt

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29 Kommentare

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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    "Die bildungsfernen Schichten müssen dazu gebracht werden, die Chancen des Bildungssystems zu nutzen." - Wenn ich diesen Satz nur schon lese, könnte ich erbrechen. So viel Arroganz ist kaum zu toppen. Die Verbildeten sollten endlich dazu gebracht werden, zu kapieren, wie das Leben funtktioniert. Vielleicht gibt's ja einen speziellen Achtsamkeitskurs für die...!
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  • Kommentar von Daniele Röthenmund (Daniele Röthenmund)
    Die Schweiz wird ein Verlierer sein in dem ganzen Wettbewerb. Der ganz grosse Vorteil war das die Mitarbeiter in der Schweiz sehr Selbständig gearbeitet haben, die meisten Chefs vertrauten ihren Mitarbeiter, durch das war man schneller im Ablauf eines Arbeitsprozesses. Mit der Digitalisierung haben die Oberen Etagen angefangen die Mitarbeiter mehr zu Kontrollieren. Die Arbeitsmoral sinkt die Arbeitsabläufe werden nicht wirklich schneller und der Wettbewerbsvorteil ist dahin.
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  • Kommentar von Danny Kinda (Kinda)
    Heute ist es so einfach irgend eine Ausbildung zu machen die gut klingt da man unter dem Deckmantel der Chancengleichheit das Bildungssystem aufgeweicht hat. Meine Erfahrung zeigt mir auch dass man heute als "Gut Ausgebiltete /r" an Vorstellungsgespräche geht ohne wirklich eine Chance zu haben weil in einem Zweitrundengespräch mit HR, BA, MA und diversen Chefs niemand sitzt der mal 'ja' sagt und lieber den nächsten aufbietet weil vielleicht was besseres kommen könnte.
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