Was bringen internationale Multis der Schweiz?

Grosskonzerne nützen der Schweiz, sagt Avenir Suisse. Die Stiftung präsentiert ein entsprechendes Papier. Es ist ein Versuch, die Bevölkerung künftig zu einem wirtschaftsfreundlicheren Abstimmungsverhalten zu bewegen.

Aus Sicht der liberalen Denkfabrik Avenir Suisse zieht die Schweiz grossen Nutzen aus den hier ansässigen Grosskonzernen. Multinationale Unternehmen dienten in Sachen Beschäftigung und Einkommen allen Bevölkerungsteilen, hält das Institut in einem Diskussionspapier fest. Dieses wurde vom ehemaligen Chefökonomen von Economiesuisse, Rudolf Walser, verfasst.

Folgen der Globalisierung

Die Schweiz lebt nicht nur von der KMU-Wirtschaft

4:19 min, aus SRF 4 News aktuell vom 24.06.2013

Zwar sei es nicht einfach, den Beitrag der Multis an die Volkswirtschaft zu messen, schreibt Avenir Suisse. Rund ein Drittel der Brutto-Wertschöpfung in der Schweiz werde von den Multis geleistet. «Ohne Zweifel sind die KMU ein wichtiger Pfeiler der Volkswirtschaft», sagt Walser. Aber wenn man überlege: 30 Prozent der Wertschöpfung stamme von den Multis, 30 Prozent vom Staat, dann blieben noch 40 Prozent für die KMU. «Man kann sicher nicht sagen, die Schweizerische Volkswirtschaft sei ausschliesslich eine KMU-Wirtschaft.»

Multis sind innovativ

Die Innovation in der Schweiz werde massgeblich von den grossen Unternehmen getragen. «Die Multis geben am meisten Mittel für Aufträge nach aussen auf. Insbesondere auch an die Hochschulen», sagt Walser. Weiter seien sie auch sehr aktiv im Erlangen von Patenten. Und in den internationalen Statistiken – bei denen, so Walser – die Schweiz immer an der Spitze stehe, spielten solche Faktoren eine grosse Rolle. «Wenn die Schweiz nicht mehr auf den Beitrag der Multis zählen könnte, würde sie sehr schnell in den internationalen Innovation-Rankings zurückfallen.»

Von Abstimmungsvorlagen aufgeschreckt

Hintergrund des Papiers ist die Diskussion um die Globalisierung und deren Folgen für die Gesellschaft, wo zum Teil von Unbehagen über die Grosskonzerne die Rede ist. Der Graben zwischen Bevölkerung und Politik einerseits und den Konzernen andererseits bereite ihm Sorgen, sagt Walser. «Es sind Abstimmungsthemen, über die schon abgestimmt wurde und es sind wichtige Abstimmungsvorlagen, über die noch abgestimmt wird, die mich zum Verfassen dieses Papier bewogen.»

Zum Teil tangierten die kommenden Vorlagen direkt die Unternehmensfreiheit, sagt er. Als Beispiel führt er die 1:12- Initiative an. Über sie kann die stimmberechtigte Bevölkerung der Schweiz im kommenden September abstimmen.

Was will die Schweiz?

«Die Schweiz muss sich bewusst sein, ob sie auch in Zukunft derartige internationale Gesellschaften in der Schweiz will oder ob sie glaubt, den Wohlstand anderswie herstellen zu können.» Um die multinationalen Konzerne in der Schweiz zu halten, müsse die Bevölkerung in Kauf wissen, dass sie gewisse Spielregeln zum Beispiel bei der Entlöhnung einfach akzeptieren müsse. Es seien halt internationale Regeln und diese würden wegen schweizerischer Befürchtungen sicher nicht geändert, sagt der Ökonom.

Doch es liege auch an den Multis selbst, meint Walser: Die Führungskräfte der grossen Gesellschaften müssten sich viel stärker bewusst sein, dass sie in einem direktdemokratischen Land leben. Hier können die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger über Bestimmungen, die Unternehmen betreffen, abstimmen. «Die Bevölkerung hat in Sachen Fairness und solides Unternehmertun eine Erwartungshaltung. Diese dürfen die Führungskräfte sicher nicht in den Wind schlagen.»