Was ist bloss mit der Credit Suisse los?

Die Grossbank CS sorgt in Finanzkreisen zurzeit für viel Gesprächsstoff: Einmal ist es der schlechte Geschäftsgang, einmal der sinkende Aktienkurs. Dann wieder ranken sich Gerüchte um Top-Manager, die durch Abwesenheit glänzen.

Die Credit Suisse steht momentan unter besonderer Beobachtung – von Analysten, Investoren, Journalisten, Mitarbeitern, Kunden und anderen Branchenkennern gleichermassen.

Credit Suisse, Hauptsitz in Zürich. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die CS sorgt zurzeit in Finanzkreisen für überdurchschnittlich viel Gesprächsstoff. Keystone/Archiv

Jüngstes Beispiel war diese Woche eine Investorenkonferenz in den USA: CS-Finanzchef David Mathers stand auf der Rednerliste, sagte seinen Auftritt aber kurzfristig ab – offenbar ohne nähere Begründung.

Umgehend begann es in der Gerüchteküche zu brodeln: Warum war der erfahrene Finanzchef verhindert? Musste er etwa in der Konzernzentrale bleiben, weil das Bankgeschäft schlecht läuft? Wirft er gar das Handtuch?

CS-Papier seit Jahresbeginn unter Druck

Im Handel wurde wild spekuliert. Sorgt die Abwesenheit eines Finanzchefs in «normalen» Zeiten kaum je für Gesprächsstoff, löst sie jetzt ungewohnt grossen Wirbel aus: Die CS-Aktie sackte denn auch prompt gleich mehrere Prozent ab.

Gerüchte um CS belasten Aktienkurs

2:34 min, aus Rendez-vous vom 18.03.2016

Dieses Beispiel zeigt symptomatisch, wie gross die Nervosität rund um die Credit Suisse momentan ist. Schon kleine Nachrichten sorgen für Wirbel – und bei der CS-Aktie oft auch für happige Kursverluste. So hinkt das Papier jenen der Konkurrenz hinterher. Als Vergleich: Seit Jahresbeginn hat die CS-Aktie über einen Drittel verloren, die UBS-Aktie lediglich knapp 20 Prozent.

Umbau in kritischen Zeiten

Die Nervosität rund um die CS hat wohl vor allem mit dem laufenden Umbau der Bank zu tun. Just jetzt, in einer Zeit, in der das Bankgeschäft allgemein harzt und die Erträge schrumpfen, ist die CS vorab mit sich selber beschäftigt.

Denn Konzernchef Tidjane Thiam drückt der Bank gerade eine neue Strategie auf: Er baut die Bank um und Personal ab. Das ist teuer, zehrt am Gewinn und verhindert erst noch, dass die Bank ihr Eigenkapitalpolster rasch aufstocken kann, um künftig besser gegen Krisen gewappnet zu sein.

Kurz: Die Credit Suisse ist im aktuell garstigen Banken-Umfeld besonders verwundbar. Entsprechend lechzen die Branchen-Beobachter und Aktionäre nach beruhigenden Nachrichten vom Hauptsitz in Zürich. Gute Geschäftszahlen zum ersten Quartal wären da hilfreich. Doch danach sieht es derzeit nicht aus. Zu gross sind die Probleme im Bankgeschäft, mit denen momentan nicht nur, aber auch die Credit Suisse kämpft.