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Wirtschaft Was taugt die neue Alpiq-Strategie?

Der Energiekonzern schreibt tiefrote Zahlen. Grund dafür ist der Preisdruck im Strommarkt. Alpiq versucht darum eine Neuausrichtung als Energie-Dienstleister. SRF-Wirtschaftsexperte Klaus Ammann sagt, was von der neuen Strategie zu halten ist.

Logo von Alpiq
Legende: Der Konzern befindet sich in Schieflage und wagt nun eine Neuausrichtung. Keystone

Mit der Stromproduktion lässt sich kein Geld mehr verdienen: Die Preise dafür sind zusammengebrochen. Gründe dafür gibt es mehrere. Die Förderung von Energie-Effizienz bei den Stromabnehmern zeigt erste Erfolge, es gibt eine sinkende Stromnachfrage in ganz Europa und eine massive Produktion und Subventionierung von erneuerbaren Energien. Kurz gesagt: Es herrscht ein Überangebot an Strom.

Stark zu spüren bekommt dies der international tätige Schweizer Energiekonzern Alpiq. Das Marktumfeld, sowie hohe Zinsen und Steuern auf der Produktion von Wasserkraft – dem Kerngeschäft von Alpiq – machen dem Unternehmen zu schaffen. Letztes Jahr schrieb der Konzern einen Verlust von 900 Millionen Franken.

Alpiq versucht die Flucht nach vorne

Langfristig will sich das Unternehmen zu einem nachhaltigen und innovativen Energie-Dienstleister entwickeln. Bereits im letzten Sommer wurde eine Technologie auf den Markt gebracht, die den Energieverbrauch in Gebäuden steuern und optimieren soll. Es folgten Investitionen in Ladestationen für Elektroautos und Photovoltaik-Anlagen.

Anfang Woche hat Alpiq überdies eine Gesellschaft zum Rückbau von Atomkraftwerken gegründet. Der Abriss von AKW dauert lange, kostet viel und ist darum ein lukratives Geschäft. Der neuste Streich ist der Kauf der italienischen Bahntechnikfirma Balfour Beatty Rail, die sich auf die Elektrifizierung von Bahn- und Nahverkehrssystemen spezialisiert hat.

Alpiq strebt also eine sehr breite Diversifizierung an. Diesen Eindruck bestätigt auch der SRF-Wirtschaftsredaktor Klaus Ammann. Er glaubt aber, dass Alpiq gar keine andere Wahl hat, als in die Breite zu gehen. Gleichzeitig bestehe aber auch die Gefahr, dass sich der Konzern zu breit aufstelle und den Fokus auf die wichtigen Tätigkeitsfelder verliere.

Alles aus einer Hand

Zwar könne der Konzern mit dem Ausbau der Energie-Dienstleistungen das Verlustgeschäft der Stromproduktion nicht vollständig kompensieren, dafür aber für mehr Stabilität sorgen. Denn: «Alpiq wird sich nicht von der Energieproduktion verabschieden. Der Konzern besitzt viele Anlagen, die mit den jetzigen Strompreisen niemand kauft.»

Gemäss Ammann will der Energie-Konzern von der Stromproduktion über die Bereitstellung von Infrastrutkur bis hin zum Handel alles aus einer Hand anbieten. «So könnte sich Alpiq von der Konkurrenz abheben.»

Ausserdem bestehe schon ein Grossteil der Organisationsstrukturen. Das Know-How im Bereich des AKW-Rückbaus komme zum Grossteil von der deutschen Tochterfirma Heidelberg GmbH, die bereits erfolgreich Kernkraftwerke abbreche. Die Strukturen im Bereich der Energie-Dienstleistungen würden schon bestehen.

Alpiq ist spät dran

Dennoch wird es für Alpiq nicht einfach: «Alpiq ist nicht schlecht aufgestellt, aber im Vergleich zur Konkurrenz nicht sehr früh dran», sagt der Experte. Swisspower – die Vereinigung der Schweizer Stadtwerke – sei schon am Markt mit umfangreichen Dienstleistungen im Bereich der Energieberatung.

Auch die Swisscom biete bereits IT-Lösungen zur Optimierung vom Stromverbrauch in Gebäuden und sei dafür als Telekommunikations-Konzern möglicherweise auch besser aufgestellt.

Sendebezug: SRF 4 News, 9.3., 22:30 Uhr

Klaus Ammann

Klaus Ammann

Der Historiker und Russist ist seit 2004 als Redaktor bei Radio SRF tätig. Seit 2011 arbeitet Klaus Ammann für die Wirtschaftsredaktion. Sein Schwerpunkt liegt dabei auf Energie- und Klimathemen.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von M.Müller, Zürich
    Bei allen grossen Stromkonzernen haben die Manager gewechselt - "die Raten verliesen das sinkende Schiff"? Die Manager die weg sind predigten jahrelang, dass die alternative Energie keine Konkurrenz sei. Die gut überbezahlten Manager haben sich getäuscht und warum war jetzt der grosse Lohn gerechtfertigt? Ja ja, alternative Energie wird von den heutigen Generationen subventioniert und die Kernenergie von den künftigen Generationen. Da ist doch das Erstere eine liberalere Lösung liebe FDP.
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  • Kommentar von M. Roe, Gwatt
    Ganz bestimmt ist es richtig, in den Rückbau der AKWs einzusteigen. Hier kann noch sehr viel entwickelt werden durch vernünftige Vorgehensweise. Was die Regierung heute vorbereitet wird niemals durchführbar sein. Das soll ja dann auch erst nach dem Tod der heute Verantwortlichen bemerkt werden.So macht man das heute. Es gibt aber Möglichkeiten diesen Rückbau weniger risikoreich, kostengünstiger + viel schneller abzuwickeln. Als Erster anzufangen ist gut, jedenfalls hätte ich da einige Ideen.
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  • Kommentar von D. Schmidel, St. Gallen
    Uebrigens wissen Sie schon - dass der jährliche Gesamtenergieverbrauch der Schweiz einer Energiemenge von über 200 hochmodernen Atomkraftwerken entspricht. Dies würde dann etwa 150'000 grossen und windeffizienten Windenergieanlagen entsprechen. Die Basiszahlen erhalten Sie vom Bundesamt für Statistik. (etwa 900 Terajoule pro Jahr) Mit soviel Energie wird man wohl noch Geschäfte machen können.
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    1. Antwort von M.Müller, Zürich
      @Schmidel, Interessant wäre ja auch zu wissen wieviel davon eingespart werden könnten mit: Strassenlampen aus - Leuchtgamaschen tragen, PW's nicht über 1Tonne und nicht mehr als 100PS, im Wohnzimmer nicht über 20 Grad, nachhaltiger Konsum, usw. Aber eben, dazu braucht es energiemündige Bürger und das sind wir Schweizer nicht.
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    2. Antwort von D. Schmidel, St. Gallen
      Die Energie-Inkompetenz zieht sich von BR-Leuthard über die Medien wie das SRF bis zum einfachen Bürger durch. Sie müssen nun auch noch den Energieverbrauch zur Herstellung importierter Produkte aus dem Ausland dazurechnen. Das sind nach meinen Rechnungen nochmals mindestens 400 Terajoule. Prost Heiri!
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