Washington: Schweizer Begleitmusik am Wirtschaftsgipfel

Für die Untergrenze des Frankens zum Euro gibt es laut Nationalbankpräsident Thomas Jordan international weiterhin viel Verständnis. Der Franken sei immer noch sehr hoch bewertet, sagte Jordan in Washington.

Die Interventionen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) habe die exzessive Überbewertung des Frankens begrenzt. Die SNB hält den Wert des Frankens zum Euro seit September 2011 über der Schwelle von 1.20. Jordan nahm in Washington an der Frühjahreskonferenz von IWF und Weltbank teil.

«Die Politik der SNB wurde weder bilateral noch multilateral kritisiert», sagte er. Die bei den Interventionen aufgekauften Euro habe die Nationalbank sehr vorsichtig angelegt und dadurch die Märkte nicht gestört, betonte Jordan.

Schneider-Ammann zu Freihandelsabkommen

Ein mögliches Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den USA setzt die Schweiz aus Sicht von Bundesrat Johann Schneider-Ammann nicht unter Druck. Die Rahmenbedingungen für die Schweizer Wirtschaft seien gut. «Die Schweizer Wirtschaftszweige kommen gut zurecht», sagte Schneider-Ammann in der US-Hauptstadt. Falls das Abkommen zustande komme, sei die Schweiz aber herausgefordert. Wichtig sei, dass der Schweiz dadurch keine Nachteile entstünden, erklärte der Bundesrat.

Die EU und die USA führen zurzeit Gespräche über eine Vereinbarung, die den Handel zwischen den Wirtschaftsräumen vereinfachen würde. Ein Abkommen würde frühestens im Jahre 2016 in Kraft treten.

Unterstützung für Weltbank-Projekte

Die Schweiz sei an offenen Märkten interessiert, betonte der Bundesrat. Deshalb sei wichtig, dass im Dezember in Bali bei den Doha-Verhandlungen über die Liberalisierung des Welthandels Fortschritte erzielt würden, sagte Schneider-Ammann.

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Bildlegende: Bundesrat Schneider-Ammann: Freihandelsabkommen zwischen USA und EU fordert die Schweiz heraus. Keystone/Archiv

Er unterzeichnete zwei Abkommen über je 2,5 Mio. Franken für Weltbankprojekte. Die von der Schweiz unterstützten Initiativen der Weltbank und deren Privatsektor-Ableger IFC befassen sich mit der Bewertung und Berücksichtigung natürlicher Ressourcen in Entwicklungsländern.

G20 wollen Transparenz bei Steuerdaten

Die G20-Länder sprachen sich in Washington für den automatischen Austausch von Steuerdaten aus. Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf plädierte beim Treffen für globale Standards und faire Regeln. Die Schweiz sei bereit, unter gewissen Voraussetzungen über den automatischen Informationsaustausch zu diskutieren.

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Widmer-Schlumpf zu Diskussion bereit

2:22 min, aus Tagesschau vom 20.4.2013

Für die Schweiz sei wichtig, dass die Standards auch für Offshore-Finanzzentren und wirtschaftliche Konstrukte wie beispielsweise Trusts nach angelsächsischem Recht gälten, erklärte Widmer-Schlumpf. Es sei nicht klar, welche Informationen ausgetauscht werden sollten, sage sie weiter. Grundsätzlich müsse Reziprozität gelten: Ein Staat müsse bereit sein, die gleichen Daten zu liefern, die er vom anderen Staat einfordere.

Weltwirtschaft weiter auf tönernen Füssen

Die Erholung der globalen Wirtschaft ist nach Einschätzung von Finanzministern aus aller Welt längst nicht vollendet. Das Wachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen seien noch immer zu schwach, erklärte der IWF-Lenkungsausschuss zum Abschluss seiner Frühjahrstagung.

Es müsse entschlossen gehandelt werden, um die Widerstandskraft der Weltökonomie wiederherzustellen. Konkrete Aufgabe sei etwa die weitere Reparatur und Reform des Finanzsystems.

Wirtschaftserholung mit drei Geschwindigkeiten

Während die Weltwirtschaft in diesem Jahr nach IWF-Berechnung um 3,3 Prozent wachsen soll, schrumpft die Konjunktur in der Eurozone um 0,3 Prozent. Auch im kommenden Jahr soll sie mit 1,1 Prozent Wachstum im Vergleich eher schwach dastehen.

Währungsfonds-Chefin Christine Lagarde warnte, dass Europa zunehmend hinter den USA und den Schwellenländern zurückbleibe. Diese «Erholung mit drei Geschwindigkeiten» sei nicht gut für Entwicklung der Weltwirtschaft. Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble entgegnete, dass Europa in den kommenden Jahren kein starker Konjunkturmotor für die Weltwirtschaft werde. Es wäre völlig unrealistisch, hier grosse Wachstumsraten zu erwarten, sagte er in Washington.