Shell und Goldman Sachs sind «die Schlimmsten»

Der Ölkonzern Shell erhält wegen verantwortungsloser Geschäftspraktiken in der Arktis den Schmähpreis «Public Eye Award». Diesen Entscheid fällte die Internetgemeinschaft. Die Jury vergab ihre «Auszeichnung» am Rande des WEF an die Grossbank Goldman Sachs.

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Sie schauen hin, wo alle wegsehen

1:00 min, aus 10vor10 vom 24.1.2013

Mit dem «Public Eye Award» von Greenpeace Schweiz und der Erklärung von Bern werden während des WEF besonders krasse Fälle von Profitgier und Umweltsünden an den Pranger gestellt.

Gewinner des diesjährigen Public Eye People's Award ist Shell, den Public Eye Jury Award hat Goldman Sachs gewonnen.

Ob Hypotheken-, Banken- oder Euro-Pleite, fast an jeder grösseren Krise verdiene Goldman Sachs kräftig mit. Dabei schrecke die US-Bank auch nicht vor Geschäften zurück, die ganze Staaten in den Ruin stürzen, erklärte die Jury in Davos ihre Wahl. 

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Bildlegende: Der Ökonom und Ex-Bankenregulator William K. Black sprach bei der Verleihung über kriminelle Energie von Konzernen. pd

Finanzkonstrukte haben Griechenland in Ruin getrieben

So habe Goldman Sachs beispielsweise zwischen 1998 und 2009 mit Buchungstricks die Hälfte von Griechenlands Staatsschulden gegen horrende Honorare versteckt. Die Finanzkonstrukte hätten Griechenland schliesslich in den Ruin und die EU in eine finanzielle Krise getrieben.

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Tankstellen-Blockade

Greenpeace-Aktivisten haben am Freitagmorgen in Davos eine Shell-Tankstelle blockiert. Sie protestierten damit gegen die Ölbohrprojekte des Konzerns in der Arktis. Solange Shell seine umweltgefährdenden und klimaschädlichen Projekte nicht abbreche, solle der Konzern vom WEF ausgeschlossen werden, forderte die Umweltschutzorganisation.

An der Krise habe Goldman bereits mindestens 600 Millionen Dollar verdient und Griechenland schulde der Bank weiterhin 400 Millionen jährlich bis 2037. Das seien insgesamt mehr als 10 Milliarden Dollar auf Kosten der europäischen Steuerzahler, hält die Jury fest. Goldman Sachs sei die Geldmaschinerie schlechthin mit einem undurchsichtigen, weltweit einzigartigen Netz an Verbündeten in höchsten Positionen wie dem Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi.

Shell jagt mit riskanten Methoden nach Öl in der Arktis

Der Publikumspreis geht nach dem Willen von 41'800 Internet-Wählern mit grossem Vorsprung an Shell. Der «Öljäger in der Arktis» führe die «hochriskante Suche» nach fossilen Brennstoffen in der Arktis an. Möglich werde diese Suche nur dank der rapide schwindenden arktischen Eisdecke, «also just dank den Auswirkungen des Klimawandels».

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So wird gewählt

Jeweils im August wird weltweit zur Nominierung von Firmen aufgerufen. Die Internetgemeinde wählt den Gewinner des Public Eye Awards. Eine Jury aus internationalen renommierten Wirtschaftsethikern bestimmt anhand von Gutachten den Gewinner des Public Eye Jury Awards.

Jedes arktische Ölprojekt würde aber neue CO2-Emissionen bringen, die zusätzliches arktisches Eis schmelzen lassen, hiess es. Gleichzeitig werde verpasst, sich vom Öl abzunabeln und Investitionen in grüne Energien zu leiten. Die Ölsuche in der Arktis habe auch Auswirkungen auf die biologische Vielfalt und es drohten Ölverschmutzungen.

Insgesamt waren sieben Unternehmen für den Award nominiert, darunter auch Repower. Das Bündner Unternehmen will ein Kohlekraftwerk in Süditalien trotz breiten Widerstands der Bevölkerung bauen. Zu früheren Preisträgern gehören Glencore, Roche und Novartis sowie Barclays.