Waren die Hoffnungen der Revolutionäre zu gross?

Der arabische Frühling erschütterte vor zwei Jahren die arabische Welt. Danach hegten die Menschen grosse Erwartungen – heute überwiegt die Enttäuschung. Doch warum dauert es so lange mit Veränderungen? Am Weltwirtschaftsforum diskutierten fünf Regierungschefs aus arabischen Ländern darüber.

Die Erwartungen der Revolutionäre seien wohl zu gross gewesen. Das war beim Treffen der fünf Regierungschefs aus arabischen Ländern am Weltwirtschaftsforum WEF in Davos öfter zu hören.

Der ägyptische Regierungschef Hischam Mohamed Kandil. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ägyptens Regierungschef Hischam Mohamed Kandil sprach am WEF über den arabischen Frühling. Keystone

Der ägyptische Regierungschef Hischam Mohamed Kandil sagte: Die überzogenen Erwartungen und die harte Realität seien nur schwer zusammenzubringen. Kandil warb am WEF um Geduld, denn die neue Regierung habe viele alte ökonomische Probleme geerbt. Die könne man nicht von einem Tag auf den anderen bei Seite schaffen.

Mikati ist nicht optimistisch

Eines dieser Probleme ist die Korruption. Keiner der Regierungschefs mochte aber in die Details gehen, ebenso wenig wie bei den Themen Meinungsfreiheit, Demokratie und Frauenrechte.

Jetzt müsse es erst einmal darum gehen, Jobs zu schaffen, sagte der libanesische Regierungschef Nadschib Mikati: «Das Wichtigste ist nun, Arbeitsplätze und die richtige Umwelt zu schaffen.» Es brauche jedoch erst einmal politische Stabilität, um Arbeitsplätze zu erzeugen. Sehr optimistisch sei er ehrlich gesagt nicht, dass die wohlklingenden Forderungen der Revolutionäre bald umgesetzt werden könnten, sagte er. Solche Veränderungen würden nicht über Nacht passieren.