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WEF 2014 «Die Welt wird am WEF sicher nicht gerettet»

Zu hohe Erwartungen solle man an das WEF nicht haben, warnt Reto Lipp im Interview. Und doch wird Davos für vier Tage zum Ort des globalen Austauschs. Der SRF-Wirtschaftsexperte verrät: Unter dem Motto «WEFocus» erwartet den Zuschauer dieses Jahr eine Neuerung im TV-Programm.

Reto Lipp
Legende: Rund 15 Interviews und 8 Gesprächsrunden stehen auf dem Programm des SRF-Wirtschaftsexperten Reto Lipp. SRF

SRF News Online: In wenigen Tagen startet das WEF 2014 – welche sind Ihre Erwartungen?

Reto Lipp: Ich warne immer vor zu hohen Erwartungen. Das WEF ist in erster Linie ein Debattier-Club der Mächtigen und Reichen, angereichert durch Persönlichkeiten aus der Wissenschaft und von Nichtregierungs-Organisationen.

Es ist zweifellos begrüssenswert, dass Ideen ausgetauscht werden und Trends politischer und ökonomischer Natur intensiv diskutiert werden. Es kommt auch zu wichtigen Begegnungen. Aber die Welt wird am WEF sicher nicht gerettet.

Welche Themen stehen dieses Jahr im Zentrum?

Interessanterweise sind Gesundheitsthemen dieses Jahr top – und das ist bei einem Wirtschaftsforum doch eher ungewöhnlich. Man fragt sich direkt, ob die Top-Manager dieser Welt ein kollektives Burn-out verspüren. So geht es um die Zukunft der Medizin, neue Health-Care-Konzepte und um die Wichtigkeit, glücklich zu sein. Sind die Manager alle unglücklich? Daneben stehen auch viele Bildungsthemen auf der Agenda.

Und welche Auftritte sollte sich der Zuschauer nicht entgehen lassen?

Spannend ist sicher der Auftakt am Mittwoch mit Bundespräsident Didier Burkhalter. Welche Schwerpunkte wird er setzen? Sein Vorgänger Ueli Maurer hatte letztes Jahr in Davos für viel Wirbel gesorgt, weil er das WEF mit Kritik an grossen Staaten eröffnet hatte.

Die internationale Presse wird sich vor allem auf den Auftritt des iranischen Präsidenten Hassan Rohani stürzen. Dieser könnte historisch werden, sollte er auf den israelischen Ministerpräsidenten treffen, der auch in Davos ist.

Daneben gibt es viele interessante Panels: Wie bauen wir die Gesundheitssysteme um? Oder: Kann man mit Bildung und Unternehmertum die Welt verändern? Was bedeutet Glück? Oder: Wie kann das Finanzsystem Vertrauen zurückgewinnen? Die Themenvielfalt ist riesig.

Was bietet «WEF live» auf SRF info?

Reto Lipp und Doris Leuthard
Legende: Auch 2014 warten hochkarätige Gesprächspartner auf Reto Lipp. Doris Leuthard im Interview 2013. SRF

Meine Kollege Stephan Klapproth und ich versuchen dieses Mal etwas Neues. Unter dem Motto «WEFocus» präsentieren wir jeweils um 18.00 Uhr auf SRF info Zusammenfassungen von wichtigen Panels – und dann anschliessend ein kontroverses Gespräch mit zwei bis drei hochkarätigen Gästen.

So werden wir über das Comeback von Europa diskutieren und fragen, ob Finanzmärkte heute sicherer sind als vor fünf Jahren. Oder wir debattieren, welche Trümpfe die Schweizer Wirtschaft nach dem Aus fürs Bankgeheimnis noch hat. «Wefocus» steht unter dem Motto: «Das Beste aus Davos: kompakt, konkret und kontrovers». Zudem werde ich aus Davos twittern und immer wieder einen Blick hinter die Kulissen bieten (@retolipp, Link öffnet in einem neuen Fenster).

Berühmt sind die legendären Partynächte von Davos. Sind diese wirklich so wild?

Da bin ich jetzt der Falsche, diese Frage zu beantworten. Wir senden über 30 Stunden für SRF info aus Davos – für mich bleibt keine Zeit für Partys. Wir senden jeden Tag von 11.00 bis 19.30 Uhr. Gespräche müssen ja nicht nur organisiert werden, es braucht auch inhaltlich Zeit zur Vorbereitung, auch wenn vieles dort spontan abläuft. Aber natürlich versuchen sich viele Firmen mit eigenen Partys in Szene zu setzen, so beispielsweise Google, Burda, die Zurich Versicherung oder auch Socar.

Reto Lipp am Computer
Legende: Keine Zeit für Parties: Die zahlreichen Gespräche erfordern viel Vorbereitung. SRF

Was unterscheidet das WEF von anderen internationalen Treffen? Gibt es einen «Spirit of Davos»?

Spannend ist für mich immer, wie stark Top-Manager und auch hochrangige Politiker in der Höhenlandschaft von Davos «auftauen». Wenn wir im Vorfeld des WEFs versuchen, Interviews zur organisieren, schleudern uns die Presse- und Kommunikationsstellen häufig ein abruptes «Nein» entgegen. Keine Zeit, passt nicht in die Agenda, ist durchgehend beschäftigt, heisst es da von Seiten der Kommunikations-Verantwortlichen.

Spricht man dann im Café des Kongresszentrums einen Top-Manager oder Politiker persönlich an, dann geht’s plötzlich. Ganz spontan und unkompliziert kommen Interviews und Gespräche zustande. Das ist dann für mich jeweils der «Davoser Spirit», für ganze kurze Zeit verlassen Manager ihren vorbestimmten Termin-Kalender – einfach weil es auch mal Spass macht, sich über die Wünsche der Kommunikationsabteilung hinwegzusetzen.

Verraten Sie uns auch, wen Sie dieses Mal vor der Kamera haben werden?

Gleich mehrere Bundesäte haben sich angekündigt. So werden wir Eveline Widmer-Schlumpf, Doris Leuthard und Johann Schneider-Ammann vor der Kamera haben und hoffentlich auch Bundespräsident Didier Burkhalter.

Weitere Top-Gäste sind: UBS-Präsident Axel Weber, CS-Präsident Urs Rohner, Lufthansa-Chef und Bald-Roche-Präsident Christoph Franz, Vontobel-Präsident Herbert Scheidt, Ex-FDP-Chef und jetzt WEF-Direktor Philipp Rösler.

Hoffentlich schaffen wir es auch, die einflussreiche Internet-Verlegerin Arianna Huffington («Huffington Post») oder den WEF-Vize Min Zhu vor die Kamera zu holen.

Ueli Maurers Rede 2013

Der letztjährige Bundespräsident formulierte zum Auftakt des WEFs 2013 auch Kritik – etwa gegenüber den USA und Deutschland, die kleine Staaten unter Druck setzten. Anstatt etwa den Schweizer Finanzplatz zu bekämpfen, sollten sie sich lieber inspirieren lassen, so Ueli Maurers Auffassung.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Ephraim Bosshard, 8483 Kollbrunn
    Betreff Bemühungen Freihandelsabkommen mit Indien Indien ist schwerfällig, das Hauptproblem liegt im indischen Kastsystem. Vor etlichen Jahren konnte ich als Mitarbeiter des damals grössten Unternehmens Winterthur's mit einem Mitarbeiter von ABB Mannheim an technischen Gesprächen mit einem indischen Stromkonzern teilnehmen. Die Stromerzeugungsziele wurden presentiert. Nach meinem Wissen konnten in den nachfolgenden 10 Jahren nur etwa 20% davon erreicht werden. Die Ziele werden nicht erreicht.
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  • Kommentar von Norbi Strolch, Basel
    Richtig! «Die Welt wird am WEF sicher nicht gerettet». Noch richtiger ist, dass unsere liberal föderalistischen Kräfte, somit auch die sieben Glorreichen in Bundesbern, während dieser Tage noch dümmer werden und danach mit Sicherheit noch mehr Arbeitslose generiert werden mit freundlicher Unterstützung vom Bund. Hurra!!!
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