«Es herrschte eine besorgte Grundstimmung»

Es stehen grosse Umwälzungen an in unserer Welt. Diese waren mit dem Schwerpunkt zur vierten industriellen Revolution auch Thema am WEF. Christian Kolbe, SRF-Wirtschaftsredaktor und Produzent von «WEF live», zieht ein Fazit aus den letzten vier Tagen in Davos.

Einblick ins Kongresszentrum in Davos Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Viele Teilnehmer des WEF waren verunsichert über die bevorstehende vierte industrielle Revolution. Keystone

SRF News: Wie war die Stimmung unter den Teilnehmenden?

Christian Kolbe: Es herrschte eine besorgte Grundstimmung. Die Leute haben keine Angst, aber sie wissen nicht genau, was die Zukunft bringen wird. Niemand kann sich konkret etwas unter der vierten industriellen Revolution vorstellen. Man hat das Gefühl, dass das Tempo des Wandels sehr gross und in zehn Jahren möglicherweise alles völlig anders ist.
Es gab zwar optimistische Stimmen, aber diese waren eher eine Reaktion auf die grosse Unsicherheit, die herrschte.

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Christian Kolbe

Christian Kolbe

SRF

Christian Kolbe ist Wirtschaftsredaktor bei Schweizer Radio und Fernsehen SRF. Er ist schon seit vielen Jahren als Journalist und TV-Produzent am WEF dabei.

Wie war die Stimmung der Schweizer Wirtschaftsführer?

Der Grundtenor ist nicht schlecht, aber es herrscht eine ähnliche Ausgangslage, wie beim Rest der Welt. Die Schweiz konnte sich in der Vergangenheit zwar immer wieder neu erfinden, aber es besteht eine grosse Skepsis, ob das beim aktuellen Tempo des Wandels noch zu schaffen ist.

Gab es für Sie denkwürdige Auftritte am diesjährigen WEF?

Nein, aber das ist positiv anzusehen. Es gab weniger Glamour als in vergangenen Jahren. Das WEF war heuer ein Business-Treffen und kein Weltverbesserer-Treffen. Das zeigte sich auch abends. Es herrschte keine ausgelassene Partystimmung. Niemandem war zum Feiern zumute, die meisten waren hier zum Arbeiten.

Zum zweiten Mal hat das SRF eine Debatte durchgeführt. Was ist Ihr Fazit dazu?

Es war eine gute Debatte mit einem überzeugenden Bundespräsidenten, der in Englisch und damit auf Augenhöhe mit den anderen Gesprächsteilnehmern diskutiert hat. Seine bodenständige Art kommt international gut an. Man kauft ihm ab, dass er weiss wovon er spricht.

Die Diskussionsrunde kam beim Publikum und den Teilnehmern sehr gut an, der Saal war voll. Das zeigt den Stellenwert von Bildung, auch wenn es ein weniger einfach fassbares Thema war als im vergangenen Jahr. Unsere Bedenken im Vorfeld der Debatte haben sich als unbegründet erwiesen.