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WEF 2016 Industrielle Revolution: «Krisenstimmung ist übertrieben»

Die Welt steckt in der vierten industriellen Revolution. Einher geht oftmals ein ziemlich düsterer Blick in die Zukunft: Gerne werden Slogans wie «Roboter ersetzen Menschen» oder «eine Welt ohne Jobs» bedient. Rolf Dörig sieht dies anders – sagt aber klar: «Punkto Jobs gibt es kein Wunschkonzert.»

Die wichtigste Ressource der Schweiz ist die Bildung. Entsprechend viel müsste auch künftig in Bildung investiert werden. Die Realität, am Anfang der so genannten vierten industriellen Revolution, sieht derzeit aber anders aus: Bereits in den letzten drei Jahren wurde in den Kantonen bei der Bildung kräftig gespart. Für die kommenden Jahre wurden weitere Sparprogramme angekündigt. Schreitet die Schweiz also in die falsche Richtung?

Jeder Franken, der in Ausbildung investiert wird, zahlt sich aus.
Autor: Rolf DörigVR-Präsident Adecco und VR-Präsident Swiss Life

Nicht unbedingt, sagt Rolf Dörig, Verwaltungsratspräsident von Swiss Life und Adecco, in der «Samstagsrundschau». Dörig findet, sparen könnten die Kantone auch anders: «Um global wettbewerbsfähig zu bleiben, sollten wir jene Berufsgattungen ausbilden und anbieten, welche die Schweiz auch in den nächsten zehn bis 20 Jahren noch braucht.» Stattdessen müssten Berufe verknappt werden, die für die Zukunft weniger erfolgsversprechend seien.

Wenn also der Arbeitsmarkt bestimmt, welche Berufe junge Menschen lernen sollen, könnte man auch von einem Zwang sprechen. Dörig ist mit dieser These nicht einverstanden. Stattdessen plädiert er dafür, jungen Menschen beizubringen, woher der Erfolg der Schweiz gekommen ist.

Aus der Sicht Dörigs durch die Leistungsbereitschaft der Schweizer Männer: «Unser Erfolg kommt daher, weil unsere Väter und Grossväter zuvor die Ärmel hochgekrempelt hatten. Und weil wir heute gut ausgebildet sind.» Junge Menschen müssten deshalb heute ebenfalls leistungsbereit sein, so Dörig. «Wir sind keine Gesellschaft, die ein Wunschkonzert anbieten kann, in der jeder machen kann, was er will.»

Wir müssen den Jungen bewusst machen: Ohne Leistung und Arbeit wird die hohe Lebensqualität bald vorbei sein.
Autor: Rolf DörigVR-Präsident Adecco und VR-Präsident Swiss Life

Am Weltwirtschaftsforum in Davos war das prägende Thema die vierte Industrialisierung: Es wurden Szenarien gemalt, dass erstmals Jobs der Mittelschicht ganz durch Computer oder Roboter ersetzt werden könnten. Eine Vision, die vielen Menschen Angst machen könnte.

Der Arbeitsmarktspezialist Dörig teilt diese «pessimistische und übertriebene Krisenstimmung» nicht. «Die Schweiz ist aus den vorherigen drei industriellen Revolutionen als Gewinnerin herausgegangen. Und auch im Vergleich zu den weltweiten Analysen steht klar: Die Schweiz ist eines jener Länder, die für die Automation, die Digitalisierung, die Roboterisierung top positioniert ist.»

Doch bleibt dies auch in Zukunft so? Für Dörig ist klar: «Wenn die Menschen bereit sind, sich anzupassen.» Denn die Technologie werde uns produktiver machen, Wachstum und Arbeitsplätze schaffen. «Die grosse Herausforderung ist vielmehr, ob wir bereit sind, uns umzuschulen.» Denn noch sei man sich in der Schweiz gewohnt, in Berufen zu arbeiten, die es dereinst nicht mehr geben werde.

Wer bereit ist, Leistung zu erbringen, wird immer einen Job finden.
Autor: Rolf DörigVR-Präsident Adecco und VR-Präsident Swiss Life

Es muss aus der Sicht Dörigs also noch einiges getan werden. Doch wer muss punkto Bildung aufs Gaspedal drücken? Die Unternehmen oder der Staat? «Ganz klar die Unternehmen», so Dörig. «Der Staat muss die Rahmenbedingungen schaffen, indem er den Unternehmen möglichst viel Flexibilität gibt und entsprechendes Kapital für Bildung und Innovation zur Verfügung stellt.»

Rolf Dörig

Rolf Dörig, CEO Swiss Life, spricht anlässlich einer Medienkonferenz. (keystone)
Legende: keystone

Rolf Dörig präsidiert mit Adecco und Swiss Life gleich zwei grosse Schweizer Konzerne. Dort kämpft er mit den Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt und mit den Mühen der Altersvorsorge.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Dupont (udupont)
    Und übrigens, mehr als Herr Dörig müssen Millionen von Arbeitnehmern gegen für sie viel negativeren "Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt und den Mühen bei der Altersversorgung kämpfen". Ich denke, dass die Topmanager - mindestens persönlich - da keine Probleme haben dürften ... aber vielleicht gehören sie zum Problem und nicht zur Lösung?.
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  • Kommentar von Urs Dupont (udupont)
    Was ist daran eigentlich neu? Dies alles hört man bereits x-mal seit den 70er Jahren als sich die IBM 370er Rechner langsam durchsetzten oder vielleicht noch viel früher, aber das habe ich noch nicht mitbekommen. Jedenfalls habe ich von keiner Aussage zu irgend einem Zeitpunkt das Gegenteil gehört. Vielleicht kann da jemand helfen?
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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Wenn man über den Tellerrand schaut, dann MUSS Krisenstimmung aufkommen. In Griechenland werden derzeit die rentablen Staatsbetriebe verhökert, Spitäler geschlossen und Löhne und Renten gesenkt - zugunsten der Bezahlung von Zinsen an Banken. Vor drei Jahren war Griechenland mit 125% verschuldet, heute mit 175%. In Griechenland bekommen nicht alle alten Leute Renten, manche verhungern. Den Griechen wurde durch die Finanzindustrie das Rückgrat gebrochen.
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