Künstliche Intelligenz: Wann übertreffen Maschinen ihre Schöpfer?

Für die nächste industrielle Revolution braucht es Geräte und Maschinen, die schlau sind. Schon heute kennen wir solche künstlichen Intelligenzen – Suchmaschinen, selbstfahrende Autos oder Smartphone-Assistenten zum Beispiel. Experten wie Stuart Russell aber sind überzeugt: Das ist erst der Anfang.

Was ist künstliche Intelligenz? Fragen wir Siri, die freundliche Smartphone-Assistentin. «Ich habe das hier gefunden», antwortet die Computerstimme. Und spuckt einen Wikipedia-Eintrag aus, den sie im Internet gefunden hat. Eine wirklich intelligente Antwort ist das nicht.

Stuart Russell, Professor in Berkeley, hier beim WEF in Davos. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Was ist künstliche Intelligenz? Spannende Antworten von Stuart Russell, Professor in Berkeley, hier beim WEF in Davos. Swiss-image.ch/ Moritz Hager

Fragen wir also jemanden, der es besser weiss. Stuart Russell, Professor für Informatik an der University of California in Berkeley, ist einer der führenden Forscher auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz.

Im Kleinen längst Realität

Was ist künstliche Intelligenz? Es gehe darum, so der Experte, Computer noch schlauer zu machen als sie ohnehin schon sind. So schlau, dass sie sich Dinge selbst beibringen können. Dass sie ihr Verhalten von selbst an bestimmte Gegebenheiten anpassen, ohne dass ein Mensch das vorher programmieren muss.

Was wie Science-Fiction tönt, ist – im Kleinen zumindest – längst Realität. Siri etwa, die Smartphone-Assistentin, ist eine Form künstlicher Intelligenz. Sie kann Sprache erkennen und lernt mit der Zeit immer besser, auf die Wünsche ihrer Benutzerinnen und Benutzer einzugehen. Ein anderes alltägliches Beispiel seien Suchmaschinen, sagt Stuart Russell. «Sie sind recht einfache künstliche Intelligenzen, die von selbst herausfinden, welche Suchresultate uns am meisten interessieren.»

Auch selbstfahrende Autos, wie sie etwa Google erfolgreich getestet hat, sind ein Beispiel für künstliche Intelligenz: Die Fahrzeuge können von selbst die Verkehrslage einschätzen und bei Gefahr schneller bremsen als jeder Mensch.

Künstliche Intelligenz ist nicht gleich künstliche Intelligenz

Allerdings – und diese Unterscheidung ist wichtig – mit dem, was wir gemeinhin als Intelligenz verstehen, lassen sich solche Systeme nicht vergleichen. Denn die künstlichen Intelligenzen, die heute schon im Einsatz sind, haben jeweils nur einen spezifischen Zweck. Der Computer, der das Google-Auto steuert, kann zwar den Strassenverkehr meistern. Müsste er aber Schach spielen, wüsste er nicht, wo anfangen.

Die Wissenschaft unterscheidet deshalb zwischen «narrow artificial intelligence» - künstlicher Intelligenz, die auf eine bestimmte Aufgabe spezialisiert ist – und «general artificial intelligence» - künstlicher Intelligenz, die, zumindest theoretisch, keine Grenzen kennt. Doch um eine solche künstliche Intelligenz möglich zu machen – eine, die dem Menschen in fast allen Belangen überlegen wäre – seien noch einige wissenschaftliche Durchbrüche nötig, so Stuart Russell.

Die Fiktion ist da schon weiter: Im Kino kam menschenähnliche künstliche Intelligenz in den vergangenen Jahren entweder als Romanze vor wie im Film «Her» oder als Schreckensvision wie in «Ex Machina».

«  Es gibt keinen Grund zu glauben, dass man die Evolution nicht noch übertreffen könne. »
WEF-Teilnehmer mit Virtual-Reality-Brillen Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: WEF-Teilnehmer nehmen eine Auszeit in der virtuellen Realität Keystone

Experte Russell hat keinen Zweifel daran, dass es irgend einmal eine künstliche Intelligenz geben wird, die der des Menschen gleich kommt – und sie sogar übertrifft. «Es gibt wirklich keinen Grund zu glauben, dass das unmöglich ist», sagt er. Unser Gehirn schaffe das ja auch – und es gebe keinen Grund zu glauben, dass man die Evolution nicht noch übertreffen könne.

Auf einen Zeitpunkt, wann das möglich sei, will sich Russell nicht festlegen. Doch für die Forschung sei es wichtig, sich auf dieses Ereignis vorzubereiten. Indem sie ihre künstlichen Intelligenzen streng kontrolliere, ihnen klare Aufgaben und Ziele gebe, die sich nicht plötzlich gegen die eigenen Schöpfer wenden könnten – gegen die Menschen. Denn, so mahnt Stuart Russel, wenn ein System erst einmal intelligenter sei als man selbst, dann lasse es sich kaum mehr kontrollieren.

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