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Wirtschaft Weitere Kantonalbanken wählen den «vorsichtigen» Weg

Viele Schweizer Banken nehmen am US-Steuerprogramm teil. Nach der Walliser und Schaffhauser Kantonalbank hat sich jetzt auch die Bâloise Bank Soba für die Kategorie 2 entschieden.

Als eine der letzten Finanzhäuser hat sich jetzt auch die Bâloise Bank Soba für die Kategorie 2 entschieden. Vor zwei Wochen teilten sich die Walliser Kantonalbank (WKB) und die Schaffhauser Kantonalbank (SHKB) der Kategorie 2 zu. Alle drei sind damit der Wahl zahlreicher weiterer Kantonalbanken gefolgt.

Die Kategorie 2 ist für Banken mit US-Kunden vorgesehen, die mutmasslich Steuerdelikte begangen haben. Dass sich solche Kunden auch bei der WKB finden, kann die Bank nicht ausschliessen, wie sie in einer Mitteilung schreibt. Dies obwohl sie «nur auf Walliser Territorium aktiv» sei.

Legende: Video So funktioniert das US-Bankenprogramm abspielen. Laufzeit 00:59 Minuten.
Aus News-Clip vom 09.12.2013.

Das Wallis sei aber ein Tourismuskanton, weshalb sich «einzelne» so genannte «US Persons» im Kundenportfolio befänden. Auch die SHKB wählt den vorsichtigen Weg.

Beide Banken betonen, nie aktiv US-Kunden angeworben zu haben. Sie könnten aber nicht ausschliessen, dass einzelne Kunden ihre Steuerpflicht nicht erfüllt hätten.

Die SHKB lässt in ihrer Mitteilung aber auch deutlich Kritik am US-Programm, an der Finanzmarktaufsicht Finma und dem Verhalten anderer Banken durchschimmern.

Dass jetzt alle Banken für die Fehler von einigen wenigen Instituten die Zeche bezahlen müssen, ist ärgerlich.
Autor: Schaffhauser KantonalbankMedienmitteilung

«Nach den Diskussionen der letzten Wochen ist der Weg in die Kategorien 3 und 4 praktisch unmöglich geworden und mit grossen Unsicherheiten behaftet», schreibt sie. «Das ist für unsere Bank sehr schmerzlich.» Finma-Direktor Patrick Raaflaub hatte den Banken Ende November in einem Zeitungsartikel empfohlen, im Zweifelsfall Kategorie 2 zu wählen.

Mit dem US-Programm würden nachträglich und rückwirkend andere Massstäbe angewendet und die Beweislast umgekehrt, kritisiert die SHKB weiter. «Dass jetzt alle Banken für die Fehler von einigen wenigen Instituten die Zeche bezahlen müssen, ist ärgerlich.»

Legende: Video Kantonalbanken entscheiden sich im US-Steuerstreit abspielen. Laufzeit 01:36 Minuten.
Aus Tagesschau vom 16.12.2013.

Entscheide stehen noch aus

Damit haben sich nun insgesamt zwölf der 24 Schweizer Kantonalbanken für die Kategorie 2 angemeldet. Fünf Kantonalbanken haben sich für die Kategorie 4 entschieden. Die Obwaldner Kantonalbank wird voraussichtlich ebenfalls Kategorie 4 wählen, die Thurgauer Kantonalbank Kategorie 3 oder 4.

Noch ausstehend sind die Entscheide der Kantonalbanken von Neuenburg, Freiburg sowie Tessin. Die Kantonalbanken von Zürich und Basel gehören zur sogenannten Gruppe 1, gegen die bereits eine Untersuchung der US-Behörden läuft.

Die aktuelle Liste der teilnehmenden Finanzhäuser

Kategorie 2Kategorie 3Kategorie 4
Aargauische KantonalbankX
AcrevisX
AEK Bank ThunX
Appenzeller KantonalbankX

Bâloise Bank SobaX
Bank am BellevueX
Bank CoopX
Bank Linth LLBX
Bank VontobelX
Barclays Bank Suisse(X)*
Basellandschaftliche KantonalbankX
Berner KantonalbankX
BP Edmond de RothschildX
Cembra Money BankX
Clientis-VerbundXX
Cornèr BankX
DC BankX
EFG International X
Freiburger KantonalbankX
Genfer KantonalbankX
Glarner KantonalbankX
Graubündner KantonalbankX
Hyposwiss PrivatbankenX
Hypothekarbank LenzburgX
Jurassische KantonalbankX
Lombard Odier X
Luzerner KantonalbankX
Migros BankX
Neuenburger KantonalbankX
Nidwaldner KantonalbankX
Notenstein(X**)
Obwaldner KantonalbankX
Piguet Galland & Cie SAX
Postfinance X
Raiffeisen-Gruppe (X*)(X*)
Regiobank SolothurnX
Rothschild Bank X
Saanen BankX
Schaffhauser Kantonalbank X
Schwyzer KantonalbankX
St. Galler KantonalbankX
Tessiner StaatsbankX
Thurgauer Kantonalbank(X*)(X*)
Union Bancaire PrivéeX
Urner KantonalbankX
ValiantX
VP Bank (Schweiz) AGX
VZ Depotbank(X**)
Waadtländische KantonalbankX
Walliser Kantonalbank X
Zuger KantonalbankX
* Teilnahme sicher, Kategorie noch offen
** Noch kein Entscheid, Kategorie 3 oder Nicht-Teilnahme

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    ich weiss nicht, ob diese Kuscheltaktik für die Banken von Vorteil ist. Gewiss ist sie es aber für die USA. Big Brother wertet diese Beugekultur der CHer als Schuldbekenntnis und wird unsere Banken dementsprechend zerzausen. Ich bin gespannt, was über den grossen Teich noch alles u uns kommt.
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  • Kommentar von R.käser, Zürich
    Warum muss ich als Bankkunde die Bussen indirekt zahlen? Warum werden nicht die fehlbaren Bänkster zur Rechenschaft gezogen. Unser Bundesrat hat da ein Bänksterschutz- Programm ausgehandelt und die große Masse soll die Bussen bezahlen! Die Gewinne für wenige, der Verlust (Bussen) für die Masse. Die Schweizer ertragen diese Präjudiz stoisch. Das hat doch nicht im Ansatz mit Recht zu tun!? Da werden die falschen Leute bestraft.
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    1. Antwort von Fabian Müller, Zürich
      Weil es leider nicht ganz so einfach ist einen Schuldigen zu nennen. Kein Manager kann und will alle operationellen und strategischen Risiken einer Bank übernehmen. Die einzige Lösung wäre es Kantonalbanken zu privatisieren und die Staatsgarantie aufzuheben. Die Kantone können nicht als Eigentümer der Banken im Finanzgeschäft Geld verdienen, ohne auch die Risiken zu tragen. Denn schlussendlich kann auch bei einer KB ein Fall "Adeboli" nie zu 100% ausgeschlossen werden. Kein Ertrag ohne Risiko.
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    2. Antwort von Marlene Zelger, 6370 Stans
      Fabian Müller, die Killer der Swissair (Ospel & Co.) lassen grüssen. Sie wurden für ihre Tat belohnt und als unschuldig Befundene laufen gelassen. So läuft das in der Schweiz.
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    3. Antwort von R.käser, Zürich
      @Müller, ich dachte einmal, dass die Abzockerlöhne für die hochkarätige Leistung sei. Jetzt werden diese Löhne von der Verantwortung zu 100% ausgeklammert! Das ist ein Volksverbrechen in welchem unsere Politik die Gleichheit vor dem Gesetz bricht. Die Gleichung "Gewinne für wenige und Risiken für alle" ist absolut inakzeptabel! Nicht Firmen sind kriminell, es sind Einzelpersonen welche so sind und bonusgeile CEO's mit falschen Anreizen welche es fördern.
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    4. Antwort von Fabian Müller, Zürich
      @Zelger & Käser: Sie diskutieren alles durcheinander. Banker können nicht für Milliardenschäden haften, da sie nicht über das Geld verfügen. Ob sie ins Gefängnis kommen müssen Richter entscheiden, ändert aber nichts am finanziellen Schaden der Bank. Das Risiko von kriminellen Einzelpersonen kann nie ganz ausgeschlossen werden und gehört zum operationellen Risiko der Bank. Darum müssen die Kantone aus dem Finanzgeschäft aussteigen, wenn sie diese Risiken nicht mehr tragen wollen.
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    5. Antwort von R.käser, Zürich
      @Müller, Es geht nicht nur um KB's. Die fehlbaren sollten nicht nur finanziell sondern vor allem mit Knast bestraft werden. Das würde den Herren die Casino-Mentalität korrigieren. Weil die Justiz so denkt wie sie, und die Bänkster das wissen können die mit 0 Risiko wüten und zocken wie es ihnen passt. Die Fantasie-Löhne bekommen die Bänker für Ihre Verantwortung und das heißt auch zahlen und in den Knast wenn etwas verbockt wurde, das wäre Verantwortung tragen, das wäre Rechtstatlichkeit.
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