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Ein Labor-Roboter für Flüssigkeiten.
Legende: Technische Innovationen brauchen eine Zukunft in der Schweiz. Hier ein «Liquid Handling Roboter» der Firma Sias. Keystone
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Wirtschaft Weniger Innovationskraft – Forschung wandert ins Ausland ab

Die Schweiz steht heute bei Innovationen immer noch an der Spitze in Europa. Doch der Abstand wird kleiner, denn immer mehr Firmen verlagern Forschung und Entwicklung ins Ausland. Gemäss einer Studie der Grossbank UBS ist aber die Innovationskraft der Schweizer Wirtschaft in Gefahr.

Wenn es um Innovation geht, ist die Schweiz nach wie vor führend in Europa. Doch der Abstand zu anderen Ländern schwindet. Weil sich die Produktion schleichend in Ausland verlagert, wandern gleichzeitig auch die Forschung und die Entwicklung ab. Das gefährdet aber den künftigen Wohlstand in der Schweiz, schreibt die UBS in ihrem vierteljährlichen «UBS Outlook Schweiz».

«Der Wohlstand der Schweiz beruht zu einem grossen Teil auf dem Erfolg der Innovationskraft der Exportindustrie», sagte Lukas Gähwiler, Präsident der UBS Schweiz AG, anlässlich der Präsentation der Untersuchung. Demnach generieren allein die 20 innovativsten Schweizer Firmen 9,6 Prozent des Schweizer Bruttoinlandprodukts (BIP). Und sie stellen 7,6 Prozent aller Arbeitsplätze in der Schweiz.

Diese Gesellschaften seien deutlich produktiver und würden schneller wachsen als andere Industriebranchen, sagte Gähwiler weiter. Zudem investieren sie überproportional in Forschung und Entwicklung (F&E) in der Schweiz.

Aber dem Standort Schweiz drohe der Verlust von Innovationskraft. Denn zunehmend entstehen Innovationen im Ausland. 1989 flossen 46 Prozent aller F&E-Aufwendungen von Schweizer Unternehmen ins Ausland. 2012 waren es mit 54 Prozent bereits mehr als die Hälfte.

Forschung und Entwicklung findet im Ausland statt

Heute würden Schweizer Firmen für F&E im Ausland mehr ausgeben, als Schweizer und ausländische Unternehmen zusammen in der Schweiz aufwenden, ergänzt Daniel Kalt, Regional CIO Schweiz. Darüber hinaus falle es der Schweiz zunehmend schwerer, innovative Gesellschaften ins Land zu holen. Laut dem UBS-Bericht gibt es drei Ursachen für den schleichenden Innovationsschwund:

  1. Trend zur Globalisierung:
    Unternehmen siedeln ihre Produktion und auch ihre F&E-Aktivitäten zunehmend direkt in den Ländern ihrer Zielmärkten an.
  2. Währungsstärke des Frankens:
    Viele Unternehmen zwingt dies zu einer Verlagerung der Produktion. Mit Verzögerung folgt dabei auch die Forschung.
  3. Regulierungsumfeld hemmt Innovationen:
    Gemäss einer Rangliste der Weltbank verliert die Schweiz wegen Vorschriften für Unternehmen an Attraktivität. Rangierte die Schweiz z.B. beim Umgang mit Baubewilligungen 2009 noch auf Platz 32, so rutschte sie 2016 auf Platz 56 ab.

Rahmenbedingungen in der Schweiz verbessern

Der «UBS Outlook Schweiz» sieht vor allem die Unternehmen in der Pflicht, die Innovationskraft zu fördern. So müssten die Firmen früh wichtige Kunden beim Innovationsprozess einbinden oder Technologien aus anderen Branchen übernehmen. Schweizer Unternehmen seien meist stark in der Technologie- und Produktentwicklung, aber relativ schwach bei Innovationen von neuen Geschäftsmodellen, hiess es weiter.

«Langfristig kann der Wohlstand nur mit Wachstum durch Innovation und unternehmerischer Wertschöpfung gesichert werden», sagte Gähwiler. Er fordert, dass die Rahmenbedingungen auf allen Ebenen gezielt verbessert werden, um forschungsintensive, innovative und produktive Unternehmen in der Schweiz zu halten und neue aus dem Ausland anzuziehen. Dazu gehören auch die Hausaufgaben für die Politik:

  1. Verfügbarkeit von Fachkräften:
    Qualifizierte Mitarbeiter, auch aus der EU und Drittstaaten ist für forschende Unternehmen zentral. Um den Bedarf besser abdecken zu können, sollte bei der Ausbildung die technisch-naturwissenschaftlichen Fächer gefördert werden.
  2. Förderung der Spitzenforschung:
    Forschung muss durch die Stärkung des Nationalfonds (SNF) und der Kommission für Technologie und Innovation (KTI) sowie dem Zugang zum EU-Forschungsprogramm «Horizon 2020» unterstützt werden.
  3. Unternehmertum fördern:
    Start-Ups und Spin-Offs sollten mit unternehmerischem Freiraum gefördert werden.
  4. Steuerliche Vorteile für Forschung und Entwicklung:
    Förderung von F&E etwa durch die mehrfache Abzugsfähigkeit von Forschungs-Aufwand bei der Gewinnsteuer. Oder durch sogenannte Patentboxen, mit denen Erträge aus Immaterialgüterrechten (z.B. technische Erfindungen) gesondert ausgewiesen und niedriger besteuert werden können.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von W. Pip  (W. Pip)
    Na denn: tschüss! Wir werden Euch nicht vermissen.
  • Kommentar von m. mitulla  (m.mitulla)
    Die Wirtschaft formuliert ihre Forderungen: Keine Einschränkungen im Baubewilligungsverfahren, noch mehr Steuerprivilegien, staatliche Unternehmertumförderung wie beispielsweise Subventionen, Rekrutierungsmöglichkeiten ausdehnen (--> Wanderarbeiter) mindestens auf ganz Europa, lieber weltweit, staatliche Förderung von Ausbildung und Forschung nach Weisung der Wirtschaft, usw... Von Einschränkung der Arbeitnehmerrechte und Lohnnebenleistungen wie BVK, UV oder ALV ist hier (noch) nicht die Rede.
  • Kommentar von marlene Zelger  (Marlene Zelger)
    Also, für was brauchen wir Horizon 2020, wenn die Forschung laufend ins Ausland abwandert? Der Bundesrat kann das Kroatienprotokoll getrost zurückziehen und die Personenfreizügigkeit aufkünden. .
    1. Antwort von Nicolas Dudle  (Nicolas Dudle)
      Aufgeben und dann flennen - das nenne ich einmal einen tollen Vorschlag!