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Wirtschaft Weniger Kalorien: Nestlé plant Produkte mit hohlem Zucker

Der übermässige Konsum von Zucker kann Diabetes auslösen. Nahrungsmittel-Hersteller stehen mehr denn je in der Verantwortung, ihre Kunden zu schützen. Doch das ist leichter gesagt als getan. Im «ECO Talk» lüftet Nestlé-Präsident Peter Brabeck nun ein gut gehütetes Geheimnis.

Legende: Video Peter Brabeck über hohlen Zucker abspielen. Laufzeit 0:49 Minuten.
Aus ECO Talk vom 07.11.2016.

«Hunderttausende von Tonnen Zucker haben wir [aus unseren Produkten] herausgenommen», brüstet sich Peter Brabeck, und doch werde «die Ernährungsindustrie behandelt wie die Tabakindustrie vor zehn, fünfzehn Jahren.»

Ein Grund dafür ist, dass Nestlé und andere Nahrungsmittel-Hersteller ihren Produkten während Jahrzehnten sehr viel Zucker zugesetzt hatten. Die Reduktion ist eine vergleichweise neue Entwicklung. Die Lebensmittelindustrie setzt verarbeiteten Produkten Zucker zu, weil dieser ein guter Geschmacksträger ist. Das fördert den Verkauf, doch für die Gesundheit der Konsumenten ist das schädlich. In jüngerer Zeit hat ein Umdenken eingesetzt.

Das Dilemma

Bei der Migros sei die Gesundheit der Konsumenten seit längerem ein Thema, wie Konzernchef Herbert Bolliger im «ECO Talk» betont: «In unseren Statuten steht, dass sich die Migros für die Gesundheit der Bevölkerung einsetzen muss».

Doch die Bevölkerung spielt nicht immer mit. «Es gibt eine Grenze bei einer Reduktion von 5 Prozent» weiss Herbert Bolliger aus Erfahrung zu berichten. Der Kunde greife dann lieber zum Joghurt der Konkurrenz, «aber das hat natürlich mehr Zucker drin. Ähnliche Erfahrungen haben wir gemacht bei den verarbeiteten Produkten mit dem Salz», so der Chef von Migros.

Auf der Suche nach der Zauberformel

Gesund und schmackhaft – bisher gibt es dafür keine Zauberformel. Zuckerersatzstoffe sind umstritten oder schmecken dem Konsumenten nicht. Umso mehr überraschte Nestlé im letzten Februar zum 150. Geburtstag mit einer Ankündigung: Der Konzern werde im ersten Halbjahr 2018 Schokolade mit halb so viel Zucker auf den Markt bringen, ohne dass der Konsument einen Unterschied schmecken würde. Wie das allerdings genau funktionieren soll, wollte Nestlé damals nicht verraten.

Der Trick

Der oberste Chef selbst lüftet nun im «ECO Talk» das Geheimnis: «Zucker und Salz geben dem Menschen den süssen oder salzigen Geschmack durch die Oberfläche. Aber was drinnen ist, hat keinen Einfluss auf den Geschmack.»

Also, erläutert Peter Brabeck, bestehe die Lösung darin, «dass wir den Zucker innen hohl machen. Das heisst, wir belassen die Oberfläche. Sie kriegen dadurch den Geschmack, aber innen ist der Zucker hohl und dadurch nehmen Sie die ganzen Kalorien weg.»

Das klingt bestechend. Funktioniert es, hat Nestlé bald einen Wettbewerbsvorteil im Kampf um die Kunden.

«ECO Talk» aktuell

Im «ECO Talk» spricht Reto Lipp mit Entscheidungsträgern über ihre persönlichen Erfahrungen, Erfolge und Rückschläge. In der aktuellen Ausgabe diskutierte Reto Lipp mit Migros-Chef Herbert Bolliger sowie Nestlé-Präsident Peter Brabeck. Zur Sendung.

#srfecotalk

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Zurbuchen (drpesche)
    Bei den Mineralwassern gibt es solche mit viel, wenig oder keiner Kohlensäure, wieso hat noch niemand versucht, Süssgetränke einfach mit grösserer Verdünnung herzustellen? Viele der im Handel erhältlichen Getränke kann man fast wie Sirup verwenden. Auch bei 1 : 2- oder 1 : 3-Verdünnung haben sie noch genug Geschmack. Wieso also hier nicht auch die Möglichkeit geben, zwischen verschiedenen Süsse-Graden auswählen zu können? Auf die künstlichen Süssstoffe kann man so ganz verzichten.
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  • Kommentar von Tobi Hartmann (Tobias Hartmann)
    So ein Unsinn. Hohler Zucker. Der Zucker löst sich in den meisten Nahrungsmittel auf da gibt es kaum etwas das ganze Zuckerkristalle hat. Glaubwürdig ist Nestle erfahrungsgemäss sowieso nicht. Andernorts gräbt Nestle den Armen das Wasser weg und verkauft es teuer in Flaschen. Wohl die Menschenfeindlichste Firma überhaupt.
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  • Kommentar von Hans Ochsner (Hans Ochsner)
    Wie bitte? 'Die Lebensmittelindustrie setzt verarbeiteten Produkten Zucker zu, weil dieser ein guter Geschmacksträger ist'. So ist das eben wenn man landwirtschaftliche Erzeugnisse einsetzt welche nicht mehr viel mit Lebensmitteln zu tun haben und nach nichts mehr schmecken! Den Schmarren welcher Nestlé den Konsumenten auftischt kann nur noch den Dummen verkauft werden. Deren gibt es zwar noch viele, aber trotzdem immer weniger. So wird es schwierig mit Nestlé's Wachstum in der Zukunft!
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Sie irren sich. Auch bei natürlich im Hausgarten hergestellten Produkten (Stichwort: Konfitüre, Kompott) wird jede Menge Zucker zugefügt. Sogar mehr als in der Industrie verwendet wird.
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