Wenn der Bankkunde Miteigentümer wird

Die Thurgauer Kantonalbank ist bereits die zwölfte Kantonalbank, die an die Börse geht. So kann das Publikum einen Teil der Bank besitzen. Damit wollen viele regionale Geldhäuser ihre Kunden an sich binden.

Auf den ersten Blick wirkt es seltsam: Da verkauft eine Staatsbank Anteilsscheine an private Investoren, obwohl sie gar kein zusätzliches Kapital braucht. Die geschätzten 185 Millionen Franken aus dem Börsengang gehen direkt an den Kanton Thurgau – nicht an die Bank.

Die Bank selber brauche das Geld nicht, sagt Bankchef Peter Hinder. «Die Thurgauer Kantonalbank ist bereits heute eine der bestkapitalisierten Banken in der Schweiz.»

Geld wird abgezählt auf einem Bankschalter. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die kleineren Kantonalbanken wollen ihre Kunden an sich binden – indem diese Aktionäre werden. Keystone

«Eine Marketing-Übung»

Aus finanzieller Sicht hätte die TKB diesen Schritt also nicht machen müssen. «Zu einem Teil ist der Börsengang eine Marketing-Übung», gibt Hinder denn auch zu. Man erhalte so eine zusätzliche Kommunikationsplattform, die für die Bank sehr wichtig sei. Ihre Anteilsscheine sind ab dem 7. April im Handel.

Als mittelgrosses Ostschweizer Kreditinstitut steht die Thurgauer Kantonalbank im Wettbewerb, vor allem mit der Raiffeisen-Gruppe. Diese ist nach der UBS und der Credit Suisse die drittgrösste Schweizer Bank und genossenschaftlich organisiert. Das heisst, viele Kunden sind als Genossenschafter zugleich Miteigentümer der Bank. Sie identifizieren sich mir ihrem Geldhaus.

Kunde kann sich an der Bank beteiligen

Durch den Börsengang kann die TKB dieses Erfolgsmodell nachbilden. «Es ist eine Möglichkeit für die Kunden, sich an ihrer Bank zu beteiligen», so der TKB-Chef. Die Kundenbindung stehe beim Börsengang im Vordergrund, denn so werde die Bank als Kreditgeber besser wahrgenommen. Auch als Arbeitgeber mache sie das in und ausserhalb der Region attraktiv.

Ähnliche Motive hat die Glarner Kantonalbank. Auch sie will demnächst Anteilsscheine ans Publikum verkaufen, um sich besser als Bank der Region zu verankern.

Grosse Kantonalbanken haben andere Probleme

Ganz anders ist die Ausgangslage bei der Zürcher Kantonalbank ZKB. Sie möchte zwei Milliarden Franken zusätzliches Kapital direkt von ihrem Alleineigentümer, dem Kanton. Doch die Spezialkommission des Kantonsparlaments ist dagegen. Sie schlägt dem Parlament eine halbe Milliarde mehr Kapital für die ZKB vor. Das bedeutet für die Zürcher Staatsbank, dass sie ihre Expansion ausserhalb der Kantonsgrenzen zügeln muss.

Zurückbuchstabieren muss auch die Basler Kantonalbank. Nach einer Welle von Skandalen besinnt sich die BKB auf ihre Wurzeln zurück als «Bank des Kantons für den Kanton». Das Private Banking für vermögende Kunden in Zürich und Bern wird geschlossen.

Geschäft mit ausländischen Kunden bricht weg

Wenn es um die Gelder von ausländischen Kunden geht, wird es schwierig für die Kantonalbanken, mitzumischen. Denn es ist schlicht zu kompliziert, ausländischen Kunden überhaupt noch Depots mit Aktien, Obligationen und dergleichen anzubieten. Viele Kantonalbanken ziehen sich deshalb aus diesem Geschäft weitgehend zurück.

Der Grund, sagt der Kantonalbanker Beat Oberlin, ist die Regulierung, die einen immer grösseren Aufwand für die einzelne Bank bedeute. Oberlin ist Chef der Basellandschaftlichen Kantonalbank und Mitglied der Expertengruppe Brunetti. Diese arbeitet im Auftrag des Bundesrats an einer neuen Strategie für den Finanzplatz Schweiz.