Wenn der Postmann zweimal klingelt

Eine wachsende Anzahl Konsumenten bestellt Produkte im Internet. Die Heimlieferung ist eine Goldgrube für jene, die die Waren transportieren. Etwa für die Schweizer Post. Die will ihre Dienste nun noch stärker auf diesen Trend ausrichten – und zwar mit Paket-Automaten und Lieferungen zu Randzeiten.

Wasser, Brokkoli, Schuhe, Flachbildschirme: Bestellt wird heute rund um die Uhr, am Computer zu Hause oder auf dem Mobiltelefon unterwegs. Wer die Freiheit hat, dann zu bestellen, wann es gerade passt, will sich offenbar auch die Freiheit nehmen, zu bestimmen, wann sein Warenkorb daheim vor die Tür gestellt wird.

Das seien die neuen Realitäten, an denen sich die Paket-Post ausrichten müsse, sagt die Post-Chefin Susanne Ruoff in der Sendung «Rendez-vous». «Wir müssen dort sein, wo der Kunde es wünscht. Nicht jeder will sein Paket schnell, einer will seines vielleicht nur am Samstag zugestellt bekommen. Flexibel und schnell sein ist wichtig, aber auch kundenorientiert muss unser Service sein.»

Ausweitung der Abendzustellungen

Darum lanciert die Post in den kommenden Wochen und Monaten einen reichen Strauss an neuen Dienstleistungen. Für Le Shop und Migros liefert die Post bereits die Bestellungen am Abend und an Samstagen aus. Jetzt soll dieser Service auch anderen Online-Händlern zur Verfügung stehen.

Pakete, u.a. eines von Zalando, im Fonds eines Post-Lieferwagens. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Paket-Sparte der Post verdient kräftig am Online-Handel mit. Keystone

Die Post stellt an 40 Orten in der Schweiz neue Paket-Automaten auf. Dort können Pakete rund um die Uhr aufgegeben und abgeholt werden. Schliesslich sollen Kunden ihre Online-Bestellungen auch von zu Hause aus zurückschicken können.

Die Online-Händler hätten ein grosses Interesse an diesem Service und seien auch bereit, dafür der Post gutes Geld zu bezahlen, erklärt Ruoff weiter: «Wer seine Retouren möglichst schnell wieder bei sich haben will, ist natürlich froh, wenn die Pakete zuhause beim Kunden direkt abgeholt werden.»

«Nicht nur zum Sortieren und Verteilen da»

Zusatzinhalt überspringen

Post-Chefin im «ECO»

Post-Chefin Susanne Ruoff

Keystone

Die Post leitet den grössten Wandel seit 15 Jahren ein. Im «ECO»-Studio stellte sich Susanne Ruoff den Fragen von Reto Lipp. Zum Interview.

Die Post will sich aber nicht auf Lieferdienste für Endkunden beschränken. Sie will künftig Geschäftspartnerin für Online-Händler werden und ihnen eine breite Palette an E-Commerce-Dienstleistungen anbieten. Für grosse, kleine, regionale oder nationale Händler, Vertreiber von Kaffee-Kapseln oder Elektro-Geräten – einfach für alle, die ihre Produkte Online verkaufen.

Noch ist ihr Anteil in der Schweiz erst bei sechs Prozent des Detailhandels. Schon in wenigen Jahren wird er aber deutlich höher liegen, etwa bei 20 Prozent, sagen Experten. Logisch, will die Post dabei mitverdienen: «Wir sehen, wir sind nicht nur zum Sortieren und Verteilen hier. Wir können durchaus auch in der Wertschöpfungskette breiter werden.»

Ruoff ist überzeugt: «Wir können lagern, wir können konfektionieren und die Pakete richtig zusammenstellen für den Kunden. Und das alles inklusive Retourenmanagement.» Die Post baut hierfür im aargauischen Oftringen extra ein neues Logistik-Zentrum.

Eine von zwei Bestellungen wird retourniert

111 Millionen Päckli hat die Post letztes Jahr ausgeliefert in der Schweiz. Das sind 200 Päckli pro Minute. Und je mehr bestellt wird online, desto mehr geht auf dem Postweg auch wieder zurück; nämlich fast jede zweite Bestellung. Wie auch immer sich das Internet-Shopping in der Schweiz entwickelt: Die Post will in jedem Fall doppelt daran verdienen. Beim Hin- und Zurückschicken der bestellten Ware.

(eglc;basn)