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Wirtschaft Wer fünf Tage Vaterschaftsurlaub bekommt, gehört zu den Gewinnern

Ein frischgebackener Vater hat in der Schweiz gesetzlich Anrecht auf einen freien Tag – gleich viel wie beim Zügeln. Arbeitgebern steht es aber frei, ihren Mitarbeitern mehr zu gewähren. Nun hat die Gewerkschaft Travail Suisse untersucht, wie die Situation tatsächlich aussieht.

Vater mit Kind
Legende: Travail Suisse fordert 20 Tage Vaterschaftsurlaub für jeden Mann. Reuters

Gesetzlich steht Männern in der Schweiz ein Tag Vaterschaftsurlaub zu. Den Sozialpartnern steht es aber frei, grosszügiger zu sein. Nun hat der gewerkschaftliche Dachverband Travail Suisse das Thema genauer unter die Lupe genommen und kommt zum Ergebnis: Ein Vaterschaftsurlaub, der diesen Namen verdiene, sei in der Schweiz immer noch eine Ausnahme.

Das Fazit der Studie sei ernüchternd: Über die Hälfte der Mitarbeitenden erhalte nur einen Tag frei. Allerdings gebe es deutliche Unterschiede: Wer für Kleinunternehmen arbeite, habe wenig Chancen auf einen langen Vaterschaftsurlaub. Mit fünf Tagen gehöre man zu den «absoluten Gewinnern». Mehr Tage würden fast ausschliesslich Grossunternehmen gewähren.

Finanzierung über Erwerbsersatzordnung?

Für den Verband darf ein bezahlter Vaterschaftsurlaub aber nicht davon abhängen, wo ein Mann arbeitet. «Genau deshalb setzen wir uns seit Jahren für einen bezahlten und flexibel einziehbaren 20-tägigen Vaterschaftsurlaub ein», sagt Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik bei Travail Suisse. «Der Vaterschaft muss ein genügender Stellenwert in der Gesellschaft eingeräumt werden.»

Der Vaterschaftsurlaub sei zwar nicht gratis zu haben, sagt auch Travail Suisse. Er liesse sich aber mit den Überschüssen der Erwerbsersatzordnung (EO) finanzieren. Da die Anzahl Diensttage im Militär stark rückläufig seien, müssten die EO-Beiträge gar nicht oder nur leicht erhöht werden.

Arbeitgeber gegen allgemeinen Vaterschaftsurlaub

Dies kommt für den Arbeitgeberverband nicht infrage: Sollte die EO tatsächlich bald Überschüsse vorweisen, sollte man in der gegenwärtig schwierigen Situation besser die Unternehmen entlasten, sagt Daniela Lützelschwab. Sie ist beim Arbeitgeberverband zuständig für Arbeitsmarktfragen.

Sowieso ist ihr Verband grundsätzlich gegen einen allgemeinen Vaterschaftsurlaub: «Wir glauben nicht, dass es eine gesetzliche Lösung braucht», betont Lützelschwab. Vielmehr müsse man die Einzelsituation anschauen. Sowohl jene der Betriebe wie der betreffenden Familien: «Nicht jeder Vater bräuchte einen Vaterschaftsurlaub.» Vor allem für kleinere Betriebe würde es problematisch, wenn ein Mitarbeiter plötzlich 20 Tage ausfalle. Auch gebe es andere Möglichkeiten für frischgebackene Väter, wie etwa ein Abbau von Überstunden.

Vorstoss im Parlament hängig

Im Frühling 2014 verlangte Nationalrat Martin Candinas (CVP/GR) mit einer parlamentarischen Initiative zwei Wochen aus der EO finanzierten Vaterschaftsurlaub. Die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit (SGK) des Nationalrates unterstützt das Anliegen.

Ein Vaterschaftsurlaub sei aus familienpolitischen Gründen angezeigt und sozialpolitisch verträglich, hielt die Kommission fest. Stimmt die Schwesterkommission des Ständerates ebenfalls zu, kann die Nationalratskommission einen Gesetzesentwurf erarbeiten, über den dann das Parlament befindet.

Travail Suisse

Travail Suisse ist mit 170'000 Mitgliedern der zweitgrösste gewerkschaftliche Dachverband der Schweiz. Für die Studie untersuchte der Verband dieses Jahr 46 Gesamtarbeitsverträge (GAV) mit rund 1,5 Millionen Angestellten in privaten und öffentlichen Unternehmen.

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24 Kommentare

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  • Kommentar von Rudolf R. Blaser, Aeschi
    Wer schon einmal etwas von Globalisierung gehört hat, wird unschwer erkennen, dass letztendlich ein Wettlauf zwischen China und dem Rest der Welt stattfindet, wo ein Arbeiter im Monat nicht viel mehr verdient als ein Arbeitnehmer hier in einer Stunde. Über unsinnigen „Bockurlaub“ kann man deshalb nur den Kopf schütteln. Normalerweise wird Wohlstand NICHT durch Nichtstun erzeugt. Allerdings muss auch gesagt werden, dass es Versager gibt, welche uns durch Nichtstun am meisten nützen würden.
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  • Kommentar von Paul Grunder AG, Teufen AR
    In unserer Firma erhalten Väter seit Jahrzehnten 2 Wochen bezahlten Urlaub nach der Geburt eines Kindes. Das sollte in der ganzen Schweiz schon längst normal sein.
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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Dass die Mutter einige Wochen Mutterschaftsurlaub braucht, ist völlig nachvollziehbar. Denn neun Monate ein Kind im Bauch herumzutragen, besonders in den letzten Schwangerschaftswochen und -tagen, ist kein Leichtes und für die Mutter oft sehr anstrengend. Der Vater braucht fürwahr keine vier Wochen Urlaub, ich wüsste nicht wofür. Das wäre nur eine Belastung für die Firmen und hinausgeworfenes Geld. - ausser die Papis würden ihre Ferien dafür opfern.
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    1. Antwort von J.Baltensperger, Zürich
      Wie bitte?? ...ich hab mich wohl verlesen. Väter brauchen keine Zeit für ihre Kinder und Väter brauchen keine Zeit um die - wie Sie zu recht schreiben - geschwächte Mutter zu unterstützen? Das Gegenteil ist der Fall. Viele Väter opfern ihre Ferien weil es eben genau diese Zeit braucht. Die Ferien fehlen dann natürlich. ...und noch was, Vaterschaftsurlaub ist ein zentrales Element, Frauen in der Berufswelt gleichzustellen. Der Nachteil Schwangerschaftsabsenz wird gelindert.
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    2. Antwort von Bernhard Lüthi, Affeltrangen
      Guten Morgen Frau Ziegler. Die Vielfalt an Familienmodellen ist gross, darum sollte es einem Vater auch möglich sein, seinen auch verdienten Vaterschaftsurlaub zu beziehen. Deutschland macht es uns vor. Ich arbeite selbständig zu 50% in meinem Geschäft, die andere Hälfte arbeite ich seit der Geburt meiner Kinder als Hausmann zu Hause. Mit freundlichen Grüßen, Bernhard Lüthi
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