Wie die EZB das Geld billig macht

Die EZB hat die Geldschleusen nochmals geöffnet. Der Leitzins nähert sich nun der Nulllinie, die Strafzinsen für Banken wurden nochmals erhöht. Die neuen Massnahmen im Überblick.

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Bildlegende: EZB-Hauptsitz in Frankfurt am Main: So locker wie jetzt waren die Zügel der Euro-Hüter noch nie Keystone

Die Massnahmen der EZB im Überblick

MassnahmeErhoffte Wirkung
 
Leitzins auf 0,05 Prozent Der Leitzins ist jener Zinssatz, zu dem sich die Geschäftsbanken bei den Zentralbanken Geld ausleihen können. Ist er niedrig, verbilligen sich – zumindest theoretisch – Kredite und Investitionen. Von niedrigen Leitzinsen erhoffen sich die Zentralbanker in der Regel, dass mehr Geld in Umlauf kommt und ausgegeben wird. Die Währungshüter versprechen sich davon nicht nur den dringend nötigen Konjunkturantrieb, sondern auch einen Preisauftrieb. Derzeit nämlich ist die Teuerung im Euroraum so niedrig, dass die Sorge vor Deflation wächst. In einem solchen Fall sinken die Preise und trotz tiefer Zinsen konsumieren die Verbraucher aus Angst vor einer Wirtschaftskrise nicht – ein Horrorszenario. 
 
Strafzins für BankenÜberraschend hatte die EZB bereits im Juni zu diesem wirklich seltenen geldpolitischen Mittel gegriffen. Sie legte den so genannten Einlagensatz auf minus 0,10 Prozent fest – zum Erstaunen vieler Experten. Nun haben die Währungshüter nochmals nachgelegt: Neu liegt der Strafzins sogar bei 0,2 Prozent. Übersetzt heisst das nichts anderes, als dass Banken nun eine Strafe zahlen, wenn sie ihr überschüssiges Geld bei der Europäischen Zentralbank parken. Das Ziel liegt auf der Hand: Auch der Strafzins soll die Banken dazu bewegen, ihr Geld nicht zu bunkern, sondern es unter die Leute zu bringen – in Form von Krediten. Zudem macht der Strafzins Anlagen im Euroraum weniger attraktiv und übt so Druck auf den Euro aus. Das soll dafür sorgen, die schwache Inflation anzuschieben.
 
Kauf von Pfandbriefen und KreditverbriefungenNeben dem niedrigeren Leitzins und dem höheren Strafzins greift die EZB schliesslich noch zu einem dritten geldpolitischen Instrument. Sie legt ein umfangreiches Kaufprogramm für Kreditverbriefungen und Pfandbriefe auf. Mit einem solchen Schritt können die Banken ihre ausstehenden Forderungen aus Krediten an den Markt bringen und so die eigenen Bilanzen entlasten. Auch dieser Schritt soll letztlich dafür sorgen, dass sie mehr Luft für die Vergabe von Krediten an ihre Kunden haben.