«Wir gehen ganz ruhig unseren Weg»

Die Swatch Group präsentiert wieder hervorragende Zahlen. CEO Nick Hayek erklärt sein Erfolgsrezept: Die Kultur der Gruppe sei, dass das Unternehmen Realitäten erkenne und langfristig handle.

Hayek lacht und gestikuliert mit den Händen, hinter ihm an der Wand das Logo der Swatch Group. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: CEO Nick Hayek präsentiert vor den Medien die Swatch-Zahlen 2013. Keystone

SRF: Wie immer präsentiert Swatch auch dieses Jahr solide Zahlen. Hat die Swatch Group keine Probleme?

Nich Hayek: Natürlich haben wir Probleme. Doch die Kultur dieser Gruppe ist, dass wir die Realitäten sehen und dass wir langfristig denken. Das heisst für uns: Es ist nicht wichtig, ob es hier oder dort mal Probleme hat – die gibts immer; ein Feuer in Grenchen, Unruhen in einem Land oder der starke Schweizer Franken. Wir versuchen Lösungen zu finden. Die Swatch Group ist in ihrer Strategie so aufgestellt, dass wir Lösungen haben: Wir sind im unteren Segment, wir sind im Luxussegment. Wir haben keinen Tunnelblick und schauen nicht nur, wo es am meisten zu verdienen gibt. Sondern wir schauen langfristig, wo es für uns eine solide Basis gibt: Für unsere Fabriken, für unsere Mitarbeiter und für unsere Kunden.

Ist es das, was es ausmacht, dass die Swatch Group konstant wächst – im Gegensatz zur restlichen Schweizer Industrie?

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Millionenvergütungen

Millionenvergütungen

Nick Hayek kassierte im vergangenen Jahr für seine Aufgabe als Konzernchef des weltgrössten Uhrenkonzerns Swatch Group insgesamt 6,98 Millionen Franken, wie aus dem Geschäftsbericht hervorgeht. Das sind gut 700'000 Franken mehr als 2012. VR-Präsidentin Nayla Hayek kommt auf 4,6 Millionen Franken, 800'000 Franken mehr als im Vorjahr.

Wir haben natürlich schon eine spezielle Situation. Das ‹Swiss Made› für Uhren ist ein wichtiges Argument. Und wir sind auch nicht immer gewachsen: So war das Wachstum während der Finanzkrise auch mal negativ. Das kann auch in Zukunft mal der Fall sein. Wir wollen und müssen nicht immer wachsen. Wichtig ist für uns, dass wir nicht von unserem langfristigen Weg abkommen. Wir wollen in allen Segmenten, aber vor allem im untersten Segment, wo die Masse gemacht wird, in der Schweiz Produkte herstellen und die Marktanteile vergrössern. Sie können auch mal Marktanteile in einem Markt hinzugewinnen, der weniger konsumiert – dann verdienen Sie vielleicht weniger. Aber langfristig gibt Ihnen das wieder Chancen.

Auch im vergangenen Jahr haben Sie die Marktanteile bedeutend ausgebaut...

Es kommt darauf an, in welchen Ländern und in welchen Segmenten. Aber es gibt noch viel zu tun! Die Swatch Group ist nicht perfekt, wir machen auch Fehler. Wichtig ist, dass wir immer darauf hören, was der Konsument will. Wir hören auf den Markt und investieren in neue Produkte, ohne dass wir wissen, ob's dann funktioniert oder nicht. Wir haben keine Angst, Geld in die Hand zu nehmen und in der Schweiz Produkte zu machen. Manchmal funktioniert es – mehrheitlich – und manchmal funktioniert es weniger. Dabei lassen wir uns nicht von der Börse treiben oder von Leuten, die sagen, ‹ihr braucht jetzt so und so viel Rentabilität›. Wir gehen ganz ruhig unseren Weg. Ich glaube, das ist die Basis. Und es wird auch wieder einmal Zeiten geben, in denen die Swatch-Group weniger Umsatz macht und weniger Geld verdient.

Die Märkte in Fernost sind letztes Jahr wie erwartet etwas zurückgegangen. Wie stark hat das die Swatch Group getroffen?

Das ist ganz verschieden. Das untere und mittlere Segment – Swatch, Tissot, Calvin Klein, Rado – hat in China überhaupt keine Probleme gehabt. Im Gegenteil: Die Leute haben Lust zu konsumieren! Wenn sie eine gute Marke und gute Produkte haben und vertrauenswürdig arbeiten, dann kaufen die Chinesen wahnsinnig gern Schweizer Produkte. Hingegen haben wir im teuersten Segment eine Stagnation oder sogar Retouren gehabt. In Peking oder Schanghai haben wir grössere Probleme gehabt, als auf dem Land. Das hat mit China zu tun: Ein Land mit 1,3 Milliarden Menschen und einer Mittelschicht von gegen 250 Millionen. Da gibt es ab und zu Unruhen. Ich bin froh, dass die Regierung etwas gegen die Beamten-Korruption tut. Denn die sind bezahlt durch Steuern und müssten eigentlich bescheiden sein. Sie haben aus Peking denn auch die Order bekommen, nicht in Luxus zu schwelgen. Das ist positiv. Das heisst auch nicht, dass der Rest der Chinesen nicht konsumieren darf. Deshalb sehe ich die Situation in China eher positiver als vor zwei Jahren – auch wenn es mal ein paar Beamte weniger hat, die konsumieren. Zum Glück ist China bekannt dafür, dass es nicht 1,3 Milliarden Beamte sind, sondern dass jeder Chinese ein Unternehmer ist und versucht, selber etwas aufzubauen.

Das Interview hat Tobias Fässler geführt.